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Dopingskandal WADA gibt Sebastian Coe Rückendeckung

Die Welt-Anti-Doping-Agentur unterstützt im Leichtathletik-Dopingskandal den neuen IAAF-Präsidenten Sebastian Coe und bezeichnet Blutdaten-Verdächtigungen als Fehl-Interpretation.

IAAF-Präsident Sebastian Coe +
Foto: photorun.net

Der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) legte vor wenigen Tagen ihren mit Spannung erwarteten zweiten Bericht zum Dopingskandal in der Leichtathletik vor. Darin wurde deutlich, dass der Senegalese Lamine Diack, der noch bis zum vergangenen Sommer als Präsident des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) fungierte, parallel zum Verband ein korruptes, kriminelles System mit einem unglaublichen Ausmaß aufgebaut und offenbar geleitet hat.

Blutdaten sollen falsch interpretiert worden sein

Zu einer Vielzahl neuer, spektakulärer Dopingfälle, die erwartet worden war, kam es dagegen bisher aber nicht. Im vergangenen Sommer gab es weltweit Schlagzeilen, da Blutdaten von vielen Medaillengewinnern bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften angeblich auf Doping hinwiesen. Doch die WADA teilte nun mit, dass es sich dabei um eine Fehl-Interpretation der Daten handelte.

Der Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission der WADA zeigt, dass die frühere IAAF-Spitze zunächst konträr zu den Anti-Doping-Regeln handelte und dieses Verhalten dann bis zur Korruption und Erpressung führte. Dadurch, so heißt es in dem WADA-Bericht, konnten gedopte Athleten lange Zeit eine Strafe umgehen und weiter an Wettkämpfen teilnehmen.

IAAF-Funktionäre kassierten Schmiergelder

Führende Funktionäre der IAAF kassierten von gedopten Athleten Schmiergelder und sorgten als Gegenleistung dafür, dass positive Dopingproben verschleppt oder unter den Tisch gekehrt wurden. Dies passierte unter anderem im Fall der russischen Marathonläuferin Liliya Shobukhova, die zweimal die mit jeweils einer halben Million US-Dollar dotierte World Marathon Majors-Serie gewann. „Aufgrund des kriminellen Hintergrundes ermitteln die französischen Behörden“, erklärte WADA-Präsident Craig Reedie.

Der Bericht der WADA ist Stoff für einen Krimi. Detailliert wird beschrieben, wie Personen aus dem Umfeld von Lamine Diack, darunter auch zwei seiner Söhne, positiv getesteten Athleten Angebote machen. Der IAAF, so die WADA, fehlte eine entsprechende Struktur, um derartige Korruption aufzudecken und zu stoppen. Entsprechende Kontrollvorgänge waren nicht vorhanden oder funktionierten nicht, weil betreffende Personen in Skandal verwickelt waren.

Macht-Konzentration beim Präsidenten

Obwohl die WADA davon ausgeht, dass die Council-Mitglieder der IAAF vom Ausmaß des Dopings gewusst haben müssten, hält es die Untersuchungskommission offenbar für wahrscheinlich, dass die Mitglieder von der Korruption nichts ahnten. „Man muss bei einem internationalen Verband die Konzentration der Macht beim Präsidenten und seinem unmittelbaren Umfeld verstehen. Ein Council trifft sich nur unregelmäßig und nicht alle Informationen werden seinen Mitgliedern zur Verfügung gestellt, schon gar nicht wenn es um Probleme geht,“ erklärte der WADA-Vorsitzende Dick Pound, der in diesem Zusammenhang den neuen IAAF-Präsidenten Sebastian Coe unterstützte. Er könne sich in der derzeitigen Situation keinen geeigneteren Präsidenten vorstellen als Sebastian Coe, sagte Dick Pound.

Nachdem die ARD vor rund einem Jahr mit einer bemerkenswerten Reportage die Situation der korrupten russischen Leichtathletik aufgedeckt und damals bereits Verbindungen zur IAAF-Spitze hergestellt hatte, sorgte eine weitere Recherche des Senders in Kooperation mit der Times im vergangenen August für Schlagzeilen.

Der ARD wurden, wie damals berichtet, Listen mit Blutdaten von genau 12.359 Dopingtests zugespielt. Diese Tests stammten von über 5.000 Athleten und betrafen den Zeitraum ab den Weltmeisterschaften 2001 bis zu den Olympischen Spielen 2012. Es hieß, es handele sich um eine IAAF-Datenbank. ARD und Sunday Times ließen diese Daten von zwei Anti-Doping-Experten, Robin Parisotto und Michael Ashenden, überprüfen. Diese stellten dabei eine sehr hohe Zahl von unnormalen Blutwerten fest und vermuteten Doping.

Daten unvollständig

Doch ein Zusammenhang zu Doping hätte anhand der vorliegenden Daten so nicht hergestellt werden dürfen, klärte die WADA nun auf. Dies liegt daran, dass die Daten unvollständig seien und es sich keinesfalls um die beschriebene IAAF-Datenbank handele. Was den Medien vorlag, waren einzelne Testergebnisse, die ein Mitglied der Anti-Doping-Kommission auf seinem Computer hatte, um daraus zielgerichtete Doping-Kontrollen veranlassen zu können. Warum nicht wenigstens die Doping-Experten dies bemerkt haben, bleibt offen - zumal die WADA bestätigte, dass zumindest einer der Experten zu einem früheren Zeitpunkt in einem wissenschaftlichen Beitrag etwas ganz anderes geschrieben hatte als dann in seinem Statement gegenüber ARD und Times.

Während hier unschuldige Athleten unter Dopingverdacht gerieten - allen voran die britische Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe -, ist die Zahl der in der jüngeren Vergangenheit überführten Weltklasse-Leichtathleten hoch, wobei viele von ihnen aus Russland kommen. Die WADA setzt nun darauf, dass der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe den Anti-Doping-Kampf der IAAF durch entsprechende Maßnahmen glaubwürdig macht und wird die Entwicklungen kontrollieren.

Spannender Kommentar von Dieter Baumann

Dieter Baumann hat den WADA-Bericht bereits direkt nach seinem Erscheinen in seiner wöchentlichen Kolumne "Ein Lauf mit" auf runnersworld.de kommentiert. Seine lesenswerte und spannende Kommentierung "Unabhängiger Dauerlauf um einen IOC-Posten" finden Sie hier.
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Autor: race-news-service.com 20.01.2016
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