Top Themen: Firmenlauf | Hindernisläufe | Individuelles Coaching | Laufkalender | Laufen | Lauf eintragen

Leserreporter Helmut Linzbichler Wer die Strecke verlässt, ist illegaler Einreisender

Beim Himalayan Stage Run in Indien hat sich so einiges im Laufe der Zeit geändert. Nur die Streckenführung blieb weitestgehend gleich.

Himalayan Stage Run Leserreport Berge +
Foto: Helmut Linzbichler

Meist herrscht nach klarer Nacht klirrender Frost am Start, der jedoch mit der Sonneneinstrahlung rasch verschwindet.

Aber es gibt noch ein paar Besonderheiten, die nicht unerwähnt bleiben sollten: die Jeepstraße, der man die ersten drei Tage folgt, wurde seinerzeit vom letzten Maharadscha in Handarbeit in Auftrag gegeben, weil er einmal in seinem Leben die Gipfel des Himalaya erblicken wollte – er hat sie nie benutzt, bevor er von den Briten abgesetzt wurde. Eine Ironie des Schicksals und ein Glücksfall für das Rennen. Die Straße ist in ihrer gesamten Länge zugleich auch die Grenze zu Nepal. Wer den linken Straßenrand verlässt, ist eigentlich ein illegal Einreisender nach Nepal. Die heutige Weltlage hat dazu geführt, dass Indien entlang der Straße etliche Militärposten einrichten musste. Aber keine Angst, die dort stationierten Truppen sind sogar in das Rennen integriert, notieren die Startnummern, nehmen Zwischenzeiten und der Kommandant ist stets Ehrengast bei der abschließenden Preisverleihung.

Pandey hat sich von Anfang an bemüht, die Infrastruktur dieses Gebietes zu verbessern und wer wie ich in Abständen von mehreren Jahren an dem Himalayan Stage Run teilgenommen hat, dem fallen diese Veränderungen natürlich am meisten auf. Gab es in den ersten Jahren in den einzelnen Zielorten buchstäblich nichts, so kann man heute von fast Luxus sprechen. Die Unterkünfte sind zwar einfach aber sauber, es gibt englische WCs, statt Massenquartier echte Zimmer, und Duschen, am Berg allerdings nur aus dem Kübel, aber immerhin. Denn am Anfang war zum Beispiel das einzige Klo die Natur. Die Verpflegung während des Rennens ist vorbildlich mit warmen(!) Mahlzeiten und absolut unbedenklich. Es hat noch nie eine Magen- oder Darmerkrankung eines Teilnehmers gegeben. Ein ehemaliger Militärarzt steht rund um die Uhr zur Verfügung, falls irgendwelche Wehwehchen auftauchen, der Kurs ist vorbildlich markiert und ein im Verhältnis zur Teilnehmerzahl Riesenheer an Mitarbeitern garantiert, dass nichts schief geht.

Es gibt sogar Bier

In Sandakphu wurde in den letzten Jahren ein großes Hotel gebaut, das allerdings links der Straße, also in Nepal liegt. Hier kann man sein „illegales“ Bier mit Genuss trinken, es gibt keine Grenzkontrolle, bezahlt wird mit indischen Rupien, ein Musterbeispiel einer friedlichen grünen Grenze.
Himalayan Stage Run Leserreport Gruppe +
Foto: Helmut Linzbichler

Gruppenfoto in Rimbik (1.935 m) vor dem Start zur vierten Etappe. Es ist deutlich wärmer als oben in Sandakphu.

Nur handverlesene Läufer am Start

Ausgerechnet 2015 im 25. Jahr der Veranstaltung musste Pandey die Teilnehmerzahl beim Himalayan Stage Run arg einschränken, da es in Sandakphu durch Umbauten nicht genügend Unterkünfte gab. Die Teilnehmerzahl war ohnedies immer mit ca. 60 Teilnehmern limitiert, aber die diesjährigen 29 Läufer, zwei Walker und vier Journalisten waren doch eine eher kleine Zahl.

Meine Frau und ich nahmen das erste Mal 2004 teil und waren so begeistert, dass wir 2006 ein zweites Mal kamen und wieder waren die Eindrücke atemberaubend. 2008 stand ich auf dem Gipfel des Mount Everest und als ich nun eine Einladung von Pandey zum Rennen erhielt, gab es für mich kein Halten. Es sollte gleichzeitig mein Abschied mit einem letzten Blick auf meinen Berg sein, obwohl ich im nächsten Jahr vorhabe nochmals bis zum Everest Basislager zu wandern, aber die übrigen Achttausender werde ich wohl nie mehr sehen.

Zwölf Nationen vertreten

Es war ein buntes Völkchen, das sich am 30. Oktober 2015 nach einem Flug von Delhi nach Bagdogra und einer zweistündigen Busfahrt in Mirik (1.676 m) traf. Zwölf Nationen waren vertreten: Australien, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Spanien, Argentinien, Venezuela, Südafrika, Chile, Puerto Rico, USA und mit mir Österreich.

Man lernte sich kennen und schätzen, es gab keine Außenseiter, eine perfekte Gruppe über die Pandey mit charmantem Lächeln und strikten Kommandos wachte. Die Komplexität der Logistik machte diese strikte Disziplin notwendig, dafür funktionierte aber auch alles. Nach einem Ausflug ins benachbarte Darjeeling wurden wir per Bus am 1. November nach Manebandjyang gebracht, wo um 8 Uhr morgens das Rennen gestartet wurde.
Jetzt noch besser laufen: aktuelle Lauftipps, News und Tests >>

Autor: Helmut Linzbichler 25.11.2015

Hier finden Sie weitere Informationen zum Himalayan 100 Mile Stage Race V 2015.

WEITERLESEN
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Harte Etappen beim Himalayan Stage Run

Seite 1: Ein Mann, ein Traum, ein Rennen
Seite 2: Wer die Strecke verlässt, ist illegaler Einreisender
Seite 3: Harte Etappen beim Himalayan Stage Run

Kostenloser Newsletter
RUNNER'S WORLD ERLEBEN
Mehr zu Laufevents
Zwölf Kilometer über Hamburgs Wahrzeichen
Köhlbrandbrückenlauf Hamburg 2015

Foto: Thomas Sobczak

Am 3. Oktober 2016 findet der Köhlbrandbrückenlauf zum sechsten Mal statt. Es werden drei ... ...mehr

330 Kilometer – 6 Tage Zeit
Tor des Geants 2016

Foto: Jeantet Stefano

Der Tor des Géants ist ein Trailwettbewerb in Italien. Das Besondere ist das hohe Maß an A... ...mehr

Firmenlauf-Finale mit Meisterschaft
B2RUN Berlin

Foto: Veranstalter

Die Firmenlauf-Serie B2RUN ging mit dem Finale in Berlin zu Ende. Dabei wurden auch die De... ...mehr

Sie sind hier: >> >> >>Wer die Strecke verlässt, ist illegaler Einreisender
(©) Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG