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Körpergewicht Zu schwer oder zu leicht?

Das persönliche Wohlfühlgewicht hängt oft von der Einstellung ab - es gibt jedoch auch objektive Maßstäbe.

"Ich bin 1,80 Meter groß und ­wiege trotz regelmäßigem, aber mäßigem Sporteinsatz 85 Kilogramm. Zähle ich eigentlich schon zu den Übergewichtigen oder noch nicht? Wie kann ich mein Körpergewicht objektiv einschätzen? "

Herr P. M., Köln
Körpergewicht +

Der Schreck am Morgen: die Waage zeigt zu viel. Doch ab wann sollte man wirklich Gegenmaßnahmen ergreifen und was liegt im gesunden Bereich?


Martin Grüning +
Foto: Runner’s World

RUNNER´S-WORLD-Trainingsexperte Martin Grüning

RUNNER´S-WORLD-Trainingsexperte Martin Grüning antwortet:
Eigentlich sollten wir antworten: Lieber Herr P. M., offensichtlich fühlen Sie sich übergewichtig, also intensivieren Sie Ihr Sporttraining und re­duzieren Sie Ihre Kalorienzufuhr, und Sie werden innerhalb kürzester Zeit Ihr Wohlfühlgewicht erreichen! Aber so einfach ist es in der heutigen Zeit, wo alles ge- und bemessen werden soll, eben nicht. Also stellen wir zunächst die wissenschaftlichen Fakten dar: Als Bezugsgröße für die Be­urteilung des Körpergewichtes wird heute in der Regel der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen, da er auch unabhängig von der Körpergröße eine repräsentative Aussage zulässt. Diese Formel, die sich für die Ermittlung des Körpergewichts immer mehr durchsetzt, berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilo dividiert durch die ­Körpergröße im Quadrat und gewährleistet dadurch eine Relation von ­Körpergröße und Körpergewicht. Die Body-Mass-Index-Formel lautet: BMI = Gewicht in Kilogramm dividiert durch das Produkt aus Körpergröße in Meter mit ­Körpergröße in Meter

Beispiel:
Ein Mann mit einer Körpergröße von 1,80 Metern und einem Gewicht von 85 Kilogramm multipliziert seine Größe in Metern mit sich selbst. Dann wird das Gewicht in Kilogramm durch diese Zahl geteilt:
Größe = 1,80 m: 1,8 x 1,8 = 3,24
Gewicht = 85 kg: Also BMI = 85 : 3,24 = 26,2

Oder: Das Körpergewicht in Kilogramm wird durch die Körpergröße in Metern geteilt. Dann wird diese Zahl erneut durch die Körpergröße geteilt.
85 : 1,80 = 47,22
47,22 : 1,80 = 26,2 = BMI

Wenn Sie nicht selber rechnen möchten, können Sie Ihren BMI auch mit unserem BMI-Rechner bestimmen.

Ob das Gewicht im wünschens­werten Bereich liegt oder ob man zu schwer oder leicht ist, lässt sich der entsprechenden BMI-Bewertung in ­einer Tabelle entnehmen. Ein BMI von 26,2 liegt an der oberen Grenze des Normal­gewichts. Mehr sollte es aber nicht sein. Denn Übergewicht erhöht nicht nur das ­Risiko ­eines vorzeitigen Auftretens von ­Herz- und Kreislaufkrankheiten, es begünstigt auch die Entstehung von Diabetes vom Typ II, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und orthopädischen Problemen.

Also, lieber Herr P. M., Sie sind (noch) nicht übergewichtig, könnten es aber bald sein, und somit wieder­holen wir unsere Aussage vom Beginn: versuchen Sie ein wenig mehr Sport zu treiben, aber die Kalorienzufuhr beizubehalten, und Sie werden Ihr Gewicht senken.

Muskeln sind schwerer als Fett

Immer wieder kommt es vor, dass athletische Läufer, die zum Beispiel zusätzlich noch ein Krafttraining absolvieren, nach den gängigen Formeln als übergewichtig gelten, obwohl sie keineswegs so aus­sehen. Es gilt zu beachten, dass insbesondere die Anteile an Muskelmasse und Fettpolstern wichtig für die Beurteilung des wünschenswerten Körpergewichts sind. Tatsächlich können Personen, die ein regelmäßiges muskelaufbauendes Training durchführen (Muskeln wiegen mehr als Fett), nach der Broca-Formel auch ohne erkenn­baren Fettansatz übergewichtig sein, und umgekehrt können völlig unsportliche Menschen trotz erkennbaren Fettansatzes normalgewichtig sein.

Welche Fehler sich hieraus ergeben können, zeigt der Fall einer Gruppe von Footballspielern, die wegen angeblichen Über­gewichts vom Eintritt in die Armee ausgeschlossen waren. Nachträgliche Untersuchungen ließen bei diesen Personen einen eher unterdurchschnittlichen Anteil an Körperfett erkennen. Das angebliche Übergewicht ging allein auf die vermehrte Muskelmasse zurück.
Waagen können nur Auskunft über das Gesamtkörpergewicht geben, nicht aber darüber, ob das Körpergewicht maßgeblich von einer gut entwickelten Musku­la­tur, von zu­rückgehal­tenen Wassermengen oder von zu viel Fettgewebe bestimmt wird. Das eigentliche Problem des weit verbreiteten Über­gewichtes ist jedoch meist die Erhö­hung des Fettanteils am Körper­gewicht.

Für viele Menschen zählt aber al­leine das Ergebnis auf der Waage. Sie freuen sich über einen schnellen Gewichtsver­­lust von beispielsweise sechs Pfund in drei Tagen – was problemlos möglich ist –, ohne sich je die entscheidende Frage zu stellen: "Ich habe sechs Pfund abgenommen – aber sechs Pfund wovon?"

Das Idealgewicht: eine Erfindung von Versicherungsmanagern

Das sogenannte Idealgewicht ist eine Erfindung amerikanischer Lebensversicherungs-Gesellschaften in den sechziger Jahren. Ihr Ziel: ­eine Beitragserhöhung für die angeblich zu dicken Leis­tungsnehmer. Als sogenanntes Idealgewicht galt das Broca-Normalgewicht minus 10‑Prozent beim Mann und minus 15‑Prozent bei der Frau. Eine 1,60 Meter große Frau durfte nach dieser Berechnung nicht mehr als 51 Kilogramm wiegen, um den gestellten Anforderungen an Idealge­wich­tigkeit nachzukommen. So manche Essstörung mag aus diesem Irrtum ent­standen sein.

Die wegen ihrer leichten Berechnung angewandte Broca-Formel hat den Nachteil, dass sie lediglich die Körperlänge berücksichtigt, nicht aber die Unterschiede im Körperbau, das Verhältnis von Fettgewebe zu Muskelmasse sowie das Alter. Darum ist diese Formel auch nur für Durchschnittsgrößen anwendbar; für große Menschen über 1,80 Meter und kleine Menschen unter 1,65 Meter ist sie unbrauchbar. Bei gro­ßen Menschen wird ein zu ­hohes Normal- beziehungsweise Idealgewicht ermittelt, so dass ein vorhandenes Übergewicht in Form eines zu hohen Fettansatzes leicht übersehen wird. Bei kleinen Menschen wird ein zu niedriges Normal- beziehungsweise Idealgewicht ermittelt, so dass diese Personengruppe auch ohne Vorhandensein von überflüs­sigen Fettpolstern leicht als über­gewichtig eingestuft wird.

Zur Ermittlung eines allgemein akzeptablen Gewichtsbereichs wird allerdings auch heute noch die ­Broca-Formel angewendet – mit ­einer Abweichung im Bereich von minus zehn bis plus zehn Prozent.

Beispiel:
Broca-Normalgewichtsformel
= Körperlänge in Zentimeter
minus 100.

Sollgewicht = Broca-Wert plus beziehungsweise minus zehn Prozent.
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12.11.2008
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