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Leistungsdiagnostik Endlich in Topform

Worauf es bei einer Leistungsdiagnose ankommt – und welche Parameter Sie wie verbessern können.

Woher wissen Laufanfänger eigentlich, wie schnell sie laufen können bzw. dürfen, ohne sich zu überfordern? Woher wissen ambitionierte Läufer, wie schnell sie laufen sollen bzw. müssen, um ihre Leistung weiterzuentwickeln? Richtig, die Messung der Herzfrequenz ist eine einfache Möglichkeit, das Training zu steuern. Aber bekanntermaßen reagiert die Herzfrequenz ja bei jedem Menschen anders auf eine Belastung. Möglicherweise bedeutet eine Herzfrequenz von 140 Schlägen pro Minute für Ihren Trainingspartner schon den sicheren Untergang in der Überlastung, während Sie selbst bei dieser Herzfrequenz vielleicht gerade mal ein leichtes Dauerlauftempo erreichen.

Faustformeln, mit denen man Herzfrequenzempfehlungen vom Alter oder über andere Verfahren ableitet, sind sehr ungenau und können daher auch nicht empfohlen werden. Erst durch einen sogenannten Mehrstufentest mit Messung von Blutlaktatkonzentration und Herzfrequenz oder eventuell eine Spiroergometrie (Analyse der Atemgase) erhalten Sie eine sichere Zuordnung Ihrer persönlichen Belastungsintensität. Einen solchen Test nennt man auch eine „Leistungsdiagnose“. Leistungsdiagnostik ist die objektive Messung der individuellen Leistungsfähigkeit mit den Methoden der medizinischen Lehre vom gesunden Organismus, der Physiologie. Mit einer Leistungsdiagnose versucht man, die entscheidenden Einzelfaktoren der Leistungsfähigkeit möglichst individuell zu beurteilen.

Für wen sinnvoll?
Eine exakte Bestimmung der Ausdauerleistungsfähigkeit mit Vorhersage kann für Marathonläufer sinnvoll sein: Um einen bösen Einbruch durch ein zu hohes Starttempo zu vermeiden, ist es für Marathonläufer sehr wichtig, das eigene Leistungsvermögen genau zu kennen. Aufgrund der hohen körperlichen Belastung in einem solchen Wettkampf kann ein Marathonlauf nicht testweise absolviert werden. Demgegenüber ist eine Leis­tungsdiagnose im sportmedizinischen Labor ohne besondere Erschöpfung auch kurzfristig vor einem Wettkampf noch möglich. Um aus einem solch kurzen und nicht belasten­den Test jedoch exakte Vorhersagen für einen Marathonlauf ableiten zu können, ist eine gewissenhafte Testdurchführung, aber auch der Einsatz spezieller Software erforderlich. Unter Einbeziehung zusätzlicher Daten kann dann eine sehr realistische Einschätzung des aktuellen Leistungsvermögens erfolgen.

Es gibt aber noch einen anderen nützlichen Einsatzbereich für die Leistungsdia­gnostik, und zwar die Trainingssteuerung. Die Messungen der Leistungsdiagnose werden in der Trainingssteuerung zur Berechnung individueller Empfehlungen für optimale Trainingsintensitäten genutzt. Deshalb ist sie gerade auch für Laufeinsteiger sinnvoll. Das Training wird hierdurch effektiver und nachhaltiger, Übertrainingszustände können vermieden werden.

Wie wird getestet?
Leistungsdiagnostische Tests für Läufer werden auf einem Laufband durchgeführt. Testergebnisse vom Fahrradergometer sind streng genommen nur für das Radtraining nutzbar. Vor allem für Triathleten gilt daher im Grunde, dass für jede Sportart eine eigene Leistungsdiagnose durchgeführt werden muss, da sich die Beanspruchungscharakteristika der jeweiligen Belastungsformen zu stark unterscheiden.

Zur Feststellung der Ausdauerleistungsfähigkeit werden sogenannte Mehrstufentests absolviert. Hier startet man bei einer sehr leichten Laufgeschwindigkeit von etwa vier oder sechs Kilometern pro Stunde. Bei konstanter Stufendauer von drei Minuten wird die Laufgeschwindigkeit dann in festen Abstufungen (in der Regel zwei Kilometer pro Stunde) nach und nach bis zur endgültigen Erschöpfung gesteigert.

Bei einem klassischen Laktattest, wie er bei den meisten Anbietern die Regel ist, werden in der Ruhephase zum Ende jeder Belastungsstufe die Herzfrequenz und die Blutkonzentration der Substanz Laktat bestimmt, wozu jeweils wenige Tröpfchen Blut aus dem Ohrläppchen entnommen werden müssen. Laktat entspricht der Milchsäure, die mit steigender Beanspruchung in der Muskulatur zunehmend entsteht.
Der Anstieg der Blutlaktatkonzentration zeigt daher die Belastungsintensität an, unabhängig vom subjektiven Belastungsempfinden. So empfindet man eine Belastung möglicherweise noch als gering, während die Blutlaktatkonzentration bereits das Erreichen des roten Bereichs signalisiert. Andererseits ist der Anstieg der Laktatkonzentration aber auch ein Maß für die Ausdauerleistungsfähigkeit: Je später im Test der Laktatanstieg einsetzt, desto besser ist Ihre Ausdauer, desto effektiver war Ihr bisheriges Training.

Pulstraining +
Foto:

Der Sender im Brustgurt überträgt die Herzfrequenz zur Uhr.

Wo liegt Ihre Schwelle?
Eine wichtige Orientierungsgröße für Ausdauertraining und Leistungsfähigkeit ist die anaerobe Schwelle. Sie entspricht der maximal möglichen Leistung, welche man dauerhaft und ohne zunehmende Übersäuerung aufrechterhalten kann. Sport unterhalb der anaeroben Schwelle ist durch den Vorrat an Energie im Körper begrenzt, oberhalb der anaeroben Schwelle durch die unweigerlich bis zum Maximalwert zunehmende Übersäuerung.

Am Anstieg der Blutlaktatkonzentra­tion und an der anaeroben Schwelle können die verschiedenen Ausdauertrainingsbereiche für Läufer ausgerichtet werden (siehe nebenstehende „4 Geheimnisse“). Wenn Sie zum Beispiel einen Tempodauerlauf planen (entspricht dem Marathon-Renntempo), wäre ein Lauftempo im Bereich Ihrer anaeroben Schwelle sinnvoll. Einen ruhigen oder sehr langen Dauerlauf legt man am besten in den Bereich ohne jeglichen Anstieg der Blutlaktatkonzentration.

Dabei muss man aber auch wissen: Je höher das Tempo bzw. je näher das Tempo an der Schwelle liegt, desto höher ist nicht nur der Energieverbrauch und desto schneller erschöpfen die Energiereserven, sondern desto höher ist auch die muskuläre Beanspruchung. Fakt ist: Auch wenn der Tempodauerlauf dem maximalen Tempo entspricht, bei dem man keine Überdosis Laktat produziert, gibt es wesentliche limitierende Faktoren, die es unmöglich machen, auf diesem Temponiveau ebenso lange zu laufen wie im langsamen Lauftempo.

Grundlage für die Berechnung der anaeroben Schwelle ist die ansteigende Blutlaktatkonzentration bei steigender Belastungsintensität. Da die Laktatkonzentration bereits in körperlicher Ruhe sehr stark variiert, macht es übrigens wenig Sinn, die anaerobe Schwelle an einem fest vorgegebenen Wert für die Konzentration von Laktat zu orientieren. Dies wäre vor allem bei weniger ambi­tionierten Sportlern unzuverlässig. Besser ist es daher, die Trainingssteuerung aus dem Verlauf der ansteigenden Blutlaktatkonzen­tration abzuleiten.

Atemgasanalyse – wann sinnvoll?
Bei einer speziellen spiroergometrischen Untersuchung werden die pro Atemzug (Atemzugtiefe) oder pro Zeiteinheit (Atemminutenvolumen) transportierten Atemvolumina erfasst. Die zeitgleiche Messung der Sauerstoff- und Kohlendioxidkonzentration in der Ein- und Ausatemluft ermöglicht die Bestimmung von Sauerstoffaufnahme (VO2) und Kohlendioxidabgabe (VCO2).

Zur Durchführung der Spiroergometrie trägt die untersuchte Person eine Atemmaske, gleichzeitig erfolgt eine Registrierung der Herzfrequenz über das Belastungs-EKG, bei Bedarf zusätzlich die Messung der Blutdruckwerte sowie die Bestimmung der Laktat- und Blutgaswerte. Die Messung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) ermöglicht eine Beurteilung der aeroben Kapazität der ein­gesetzten Muskelgruppen, der Funktions­reserve Ihres Herz-Kreislauf-Systems und somit ganz generell auch der maximalen körperlichen Leistungsfähigkeit. Ergänzt wird diese Aussage durch die Ermittlung der an­aeroben Schwelle.

Wer profitiert davon?
Laufanfänger profitieren von einer Leistungsdiagnose eher als ausgebuffte und erfahrene Profiläufer. Aber auch bei den Profis schleichen sich mit der Zeit manchmal Trainingsfehler ein, die nur durch eine objektive Be­urteilung per Leistungsdiagnose behoben werden können. Ziel sollte immer sein, die eigene ehrliche Wahrnehmung der Belastungsintensität zu verbessern.
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Autor: Martin Grüning 02.04.2008
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