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Erfahrungsbericht Der nächste Schritt beim Paris-Marathon

Unser Mitarbeiter Jonas Müller ist gerade mal 22 Jahre alt, lief in Paris aber bereits seinen 16. Marathon. Bis dahin war es eine lange Reise mit Starts in den verschiedensten Ländern.

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Foto: Jonas Müller

Jonas Müller und Natalie Wangler am Vortag des Marathons.

„42,195 kilometre dans la plus belle ville du monde.“ – Mit diesem Slogan wirbt eine der schönsten Städte der Welt für sich und seinen Marathon. Ob Paris wirklich die schönste Stadt der Welt ist, oder nicht, möchte ich nicht beurteilen. Fest steht jedoch, dass sie zweifelsohne zu den schönsten und interessantesten Städten Europas, wenn nicht sogar der Welt zählt. Leicht im Schatten des Berlin-Marathons stehend, hat sich der Paris-Marathon, gemessen an der Zahl der gemeldeten Läufer, zum zweitgrößten Marathon weltweit entwickelt. Einzig New York City zieht noch mehr Läufer an als die französische Hauptstadt.

Spätestens, nachdem ich im Herbst 2015 beim New-York-City-Marathon gestartet war, hatte mich eine noch größere Motivation gepackt, das Marathon-Laufen noch weniger als eine 42,195 Kilometer lange Jagd auf eine neue Bestzeit zu sehen, sondern bei der Planung zukünftiger Marathonstarts wenn möglich auch kulturelle Interessen zu beachten. Dieser Weg begleitet mich jedoch nicht erst seit meiner Reise in die USA, sondern eigentlich schon, seit mich das Marathonfieber gepackt hat – genauer gesagt seit ich 17 Jahre alt bin. Damals beschloss ich, es meinem Vater gleich zu tun und statt von einem kleinen Volkslauf zum nächsten zu „laufen“, einfach mal etwas anderes zu tun. Also Marathon! Nur wann? 12. Mai 2012, der Tag meines 18. Geburtstags und somit der laut DLV-Statuten frühestmögliche Tag, an dem es mir erlaubt war, diese Distanz in Angriff zu nehmen. So entschied ich mich also, statt meinem favorisierten Fußballverein bei der damaligen DFB-Pokal-Finalniederlage zuzusehen, lieber 42,195 Kilometer durch die Straßen Mannheims laufen zu wollen. Das Ziel erreichte ich damals nach 3:28:36 Stunden, was für mich an diesem Tag gefühlt eine Zeit von Weltklasseniveau darstellte. In den folgenden Jahren tat sich einiges. 12. Mai 2013, 19. Geburtstag, vierter Marathon, erstmals unter drei Stunden. Meinen fünften Marathon lief ich wenige Monate später in Berlin im selben Rennen wie Wilson Kipsang seinen Weltrekord. Das erste Zehnerpack machte ich standesgemäß beim Dubai-Marathon 2015 mit einer neuen Bestzeit von 2:56:33 Stunden voll. Im November 2015 stand nun New York City an. Mit jeder Menge Respekt vor der welligen Strecke und der einmaligen Atmosphäre angereist, gelang mir ein nahezu perfektes Rennen. 2:53:29 Stunden, wieder Bestzeit. Was ich aber eigentlich mit nach Hause nahm, waren die Erinnerungen an unglaubliche Momente, die ich während des Marathons erleben durfte. Bei keinem meiner zwölf Marathons, die ich zuvor gelaufen war, hatte ich solch eine überwältigende Stimmung erlebt. Ein Lärm, der nur aufgrund der Anfeuerungsrufe der Zuschauer möglich ist, die in der achten, neunten und zehnten Reihe am Straßenrand stehen und die Läufer kaum sehen können, aber trotzdem wie die Läufer alles geben. Besonders diese Momente treiben mich seither an, die vielen, vielen Trainingskilometer einer jeden Marathonvorbereitung mit Motivation anzugehen und immer weiterzumachen, wenn es auch mal nicht läuft.

Bereits auf dem Heimflug war für mich klar, dass ich nicht nur beim größten Marathon der Welt, sondern auch beim größten Europas gerne zeitnah starten würde. Bevor ich jedoch in Paris landete, lagen noch zwei Marathons vor mir. Aus Wien nahm ich weitere schöne Erinnerungen sowie die nächste Drei-Minuten-Verbesserung (2:50:35 Stunden) mit nach Hause. Letzten September folgte im Rahmen meines Auslandssemesters im schottischen Edinburgh dann mein erster Marathon auf der Insel. Trotz der an diesem Tag ausgetragenen schottischen Marathon-Meisterschaften, erreichte ich das Ziel des Loch-Ness-Marathons auf einem sehr zufriedenstellenden achten Gesamtplatz. Statt der fast schon traditionellen drei Minuten, nahm ich dieses Mal eine Sieben-Minuten-Verbesserung (2:43:46 Stunden) mit nach Hause, beziehungsweise nach Edinburgh.

Die Zeit ist reif

Nun war die Zeit jedoch gekommen. Am 16. Januar diesen Jahres konnte ich in meine zwölfwöchige Vorbereitung auf den Paris-Marathon starten. Viele Kilometer lagen vor mir. Jeden einzelnen, egal wie hart, zäh und eklig sie auch teilweise waren, lief ich mit diesem New-York-City-Marathon-Lärm im Ohr und den emotionalen Bildern meiner Marathonreisen im Kopf. Gerade das Trainingslager im portugiesischen Monte Gordo verlangte mir einiges ab. Mit der Unterstützung meiner beiden kongenialen Laufpartnern der Roadrunners Südbaden, Natalie Wangler und Patrick Brucker, fand jedoch jede Einheit irgendwann ein Ende. Fit für meinen bereits 16. Marathon ging es also mit Natalie nach Paris, wo wir beide wieder die zwei Ziele hatten, die mich seit Jahren begleiten: Bestzeit und besondere Erinnerungen.

In Paris angekommen holten wir bereits am Freitag unsere Startnummer im Salon du Running ab und schlenderten über die Marathonmesse, die für mich meinen bisherigen Favoriten in nichts nachstand. Auch den Breakfast Run am Samstag nahmen wir mit, bevor wir uns mit Teamkollege Joachim auf der Grünfläche vor dem Eiffelturm trafen und Natalies 21. Geburtstag entspannt genossen.
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Foto: Maindru Photo

Wie bei fast jedem Marathon liefen für Jonas Müller auch in Paris die ersten Kilometer locker und leicht.

Stürmischer Start und die besonderen Momente des Paris-Marathons

9. April, 5:30 Uhr – Marathontag. Inzwischen war die Entspannung der Anspannung gewichen. Mit Wärmefolie, aber ohne Beutel ging es um 6:30 Uhr los Richtung „Arc de Triomphe“. Nach einer halben Stunde Metrofahrt dort angekommen, folgten die üblichen Startvorbereitungen. Da wir ziemlich weit vorne starteten und die Organisation im Startbereich außergewöhnlich gut war, konnten wir in Ruhe unsere Plätze im Startblock einnehmen. Um 8:20 Uhr startete das Rennen, das Läuferfeld preschte die Champs-Élysées herab und der erste Wow-Moment war gekommen. Nie zuvor hatte ich auf dem ersten Kilometer einen Blick über die Schulter geworfen. Dieses Mal tat ich es. Einmal. Zweimal. Und nach kurzem Zögern noch ein drittes und ein viertes Mal. Ein unglaublicher Blick, wie das große Läuferfeld noch zwischen Startbogen und Triumphbogen stand und man selbst mit den Schnellsten schon auf den Place de la Concorde zustürmte. Noch beeindruckt vom Start versuchte ich, rasch mein angestrebtes Tempo zu finden. Auch wenn ich den Place de la Bastille und somit die Fünf-Kilometer-Marke wenige Sekunden zu früh erreichte, war ich im Rennen. Bis zwei Tage vor dem Lauf hatte ich mich mit einer Erkältung herumgeschlagen, wie sie in einer anstrengenden Marathon-Vorbereitung nicht unüblich ist. Das Problem war einzig, dass sie nicht in den Wochen eins bis elf auftrat, sondern in der zwölften Woche, der Marathonwoche. So dachte ich zwischenzeitlich, meine sportlichen Ziele schon fast begraben zu müssen, lief aber nun doch auf Bestzeit an.

Nach 37:48 Minuten waren die ersten zehn Kilometer geschafft. Alles lief perfekt. Langsam blendete die Sonne jedoch ein wenig und bereits am östlichsten Punkt der Strecke, am Château de Vincennes, war mir klar, dass die Hitze schneller aufkommen würde als gedacht. Meine Taktik passte ich auf der ersten Hälfte nicht weiter an, da ich wusste, dass es so oder so eine ganz enge Sache werden würde. Auf dem Weg zurück in Richtung des Place de la Bastille erreichte ich die Halbmarathon-Marke nach 1:20:22 Stunden. Der weitere Streckenverlauf führte uns Läufer ans Ufer der Seine, das nach 23 Kilometern erreicht wurde. Die folgenden neun Kilometer waren abwechslungsreich, sehr warm und von guter Stimmung geprägt. Diese konnte einzig durch mehrere Unterführungen und einen längeren Tunnel unterbrochen werden. Auch wenn ich das Durchlaufen der Unterführungen und gerade auch des Tunnels trotz des Schattens eher als unangenehm empfand, war ich begeistert, welchen Aufwand die Veranstalter betrieben hatten. Während im Tunnel eine Flugzeug-Startbahn simuliert wurde, herrschten in einer längeren Unterführung die Themen Ruhe und Entspannung. Zum ersten Mal hörte ich somit bei einem Marathon Entspannungsmusik und Vogelgezwitscher. Schon mental etwas von den immer schwieriger werdenden Wetterbedingungen gezeichnet, holte auch ich noch einmal tief Luft und probierte kurz zu entspannen. Wenige Sekunden später war die Ruhe vorbei. Aus Entspannung wurde ein zweites Mal Anspannung, aus Ruhe wieder der geliebte Zuschauerlärm. „Allez, allez!“, riefen die begeisterten Zuschauer ein ums andere Mal. Als das Wahrzeichen der Stadt, der Eiffelturm, nach 29 Kilometern passiert war, wurde aus „Allez!“ zunehmend „Bon courage!“, was man nicht nur mit „Viel Erfolg!“ und „Viel Glück!“ übersetzen kann, sondern auch mit „Halt die Ohren steif!“. Ich versuchte sie trotz des Lärms steif zu halten, alles aufzusaugen und dies in zusätzliche Energie umzusetzen, die an diesem Tag zum Erreichen meines Ziels nötig war.
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Foto: Maindru Photo

Der Paris-Marathon war für Jonas Müller wie bereits die 15 vorherigen wieder einmal unvergesslich.

Enge Gassen wie bei der Tour de France

Während ich in Berlin 2013 nicht unter den ersten 1.000 Läufern finishen konnte und ich in New York City als 400. Läufer ins Ziel kam, war ich dieses Mal unter den schnellsten 200 unterwegs. So ergab es sich, dass nach rund 31 Kilometern die frenetisch feiernden Zuschauer am Straßenrand den wenigen Läufern eine schmale Gasse bildeten, die man sonst nur von der Tour de France kennt und durch die man nun ziemlich alleine lief. Ein weiterer Moment, den man nur während eines Marathons erleben kann – oder eben durch einen Start bei der Tour de France. Auf den folgenden Kilometern hatte ich immer stärker mit der Hitze und der zunehmenden Erschöpfung zu kämpfen. Während das Tempo ganz zu Beginn noch bei 3:45 Minuten pro Kilometer lag, hatte ich jetzt meine Mühe und Not überhaupt unter vier Minuten pro Kilometer zu bleiben. Auf den Kilometern 33 und 34 gelang mir dies erstmals nicht, sodass ich damit rechnete, dass ich ohne einen größeren Einbruch meine Bestzeit aus Schottland um rund eine Minute verpassen würde. Bei Kilometer 35 hatte die Strecke den lichten Wald Bois de Boulogne erreicht, durch den es bis wenige hundert Meter vor dem Ziel von nun an gehen sollte. Auch wenn die erhofften Schattenpassagen weitestgehend ausblieben, spürte ich, dass ich zwar erschöpft, aber noch nicht am Ende, war.

Großer Kampfgeist sorgt für ein perfektes Ende

Motiviert, jede noch so kleine Chance, die mir blieb, nutzen zu wollen, begann ich zu rechnen. Nach einer kurzen Steigerung auf 3:50 Minuten pro Kilometer und weiteren Kilometern, die alle unter vier Minuten waren, realisierte ich, dass mir ein Tempo von vier Minuten pro Kilometer für die letzten 3,195 Kilometer zu einer hauchdünnen Bestzeit-Verbesserung reichen würde. Was folgte, war ein finaler Steigerungslauf. Kilometer 40 – 4:00 Minuten, Kilometer 41 – 3:50 Minuten und die letzten 1.195 Meter schloss ich ab, wie ich 160 Minuten zuvor auf der Champs-Élysées begonnen hatte: 3:40 Minuten pro Kilometer – dieses Mal allerdings mit dem Blick nach vorne. Raus aus dem Wald, große S-Kurve und ab auf die Zielgerade. Mit dem Wissen, es wieder einmal geschafft zu haben und einen weiteren einmaligen Marathon erfolgreich beendet zu haben, stoppte ich nach 2:43:07 Stunden meine Uhr. Bestzeit, 39 Sekunden schneller als in den schottischen Highlands. Dieses Mal ohne Highland-Rinder, dafür aber mit französischer Wärme und einem Hauch Tour de France. Als nach 3:12:36 Stunden meine Freundin Natalie ihren zweiten Marathon ebenfalls in neuer Bestzeit finishte, war der Tag perfekt.

Neben beiden Bestzeiten und vielen schönen Erinnerungen stand am Ende des Tages ein 167. Gesamtplatz aller männlichen Starter für mich und ein 75. Gesamtplatz bei den Damen für Natalie. Eine sehr intensive, monatelange Trainingsphase, in der alles auf diesen einen Tag ausgerichtet war, ging so ein weiteres Mal zu Ende. Aber wie sagte Sepp Herberger 1954: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ – Mein nächstes Ziel habe ich daher schon im Hinterkopf. Nach zahlreichen Marathons im Ausland möchte ich im Herbst nach über vier Jahren wieder in Deutschland auf die Jagd gehen: nach einer neuen Bestzeit und weiteren unvergesslichen Momenten.
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Autor: Jonas Müller 28.04.2017

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