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Inoffizieller Marathon-Rekord Eliud Kipchoge verpasst die 2:00-h-Marke

Eliud Kipchoge lief am Morgen des 6. Mai 2017 in Monza/Italien den Marathon in einem inoffiziellen Rennen in 2:00:25 Stunden - 2:32 Minuten schneller als der offizielle Weltrekord.

Breaking2 Eliud Kipchoge +
Foto: Nike

Eliud Kipchoge zeigte, dass die 2:00-h-Marke im Bereich des Möglichen ist.

Drei Jahre hat Nike an seinem Projekt „Breaking2“ gearbeitet: es sollte gelingen, den ersten Menschen unter 2:00 Stunden über die Marathondistanz von 42,195 Kilometern zu bringen. Doch der 32-jährige Kenianer Eliud Kipchoge verfehlte die magische Marke um 25 Sekunden, nur um 25 Sekunden stellten die Experten anschließend einhellig fest. Nach 2:00:25 Sekunden überquerte der Olympiasieger bei idealen Bedingungen, elf Grad, Windstille, kein Niederschlag, die Ziellinie auf dem Formel-1-Parcours von Monza. Dort hatten die Verantwortlichen eine 2,4-km-Runde abgemessen, auf der Kipchoge und seine zwei Mitstreiter, der Halbmarathon-Weltrekordler Zersenay Tadese aus Eritrea und der zweifache Boston-Marathon-Sieger Lelisa Desisa aus Äthiopien, den Rekordversuch über 17,6 Runden wagten. Die Bedingungen des Rennens entsprachen nicht den Regeln des Internationalen Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF): unter anderem wechselnde Tempomacher und Verpflegung, die den Athleten vom Begleitfahrrad gereicht wurde, machten den Lauf von vorneherein zu einem inoffiziellen Rekordversuch, das machte auch Nike in den Monaten der Vorbereitung des Events immer wieder klar.



In der Bildergalerie ober- und unterhalb dieses Artikels finden Sie ein paar Impressionen vom Marathon auf der Formel-1-Strecke von Monza.

Bis Kilometer 32 im Plan

Lange sah es danach aus, dass Kipchoge und Co. tatsächlich eine Chance haben würde, die 2:00 Stunden zu unterbieten. 2:50-51 Minuten pro Kilometer waren das geforderte Tempo und bei den ersten Zwischenzeiten lagen Kipchoge, Tadese und Desisa, geführt von ihren Tempomachern, voll im Plan. 14:14 Minuten für die ersten fünf Kilometer, folgten 14:07 Minuten für die zweiten fünf (10-km-Zwischenzeit: 28:21 Minuten), und 14:13 Minuten für den dritten 5-km-Abschnitt (15-km-Zwischenzeit: 42:34 Minuten). Da musste allerdings der erste der drei Athleten abreißen lassen, Lelisa Desisa fiel aus der Gruppe zurück und der Fokus richtete sich jetzt alleine auf Tadese und Kipchoge. Doch knapp vor der 20-km-Marke (56:49 Minuten) konnte auch Tadese das Tempo nicht mehr mitgehen und verlor Meter um Meter auf den Kenianer und seine Pacer. Insgesamt dreißig Tempomacher standen bereit, von denen je sechs auf der Strecke in Pfeilformation den Protagonisten Windschutz gaben und die Tempoarbeit verrichteten. Kipchoge passierte die Halbmarathon-Marke in 59:57 Minuten, 25 Kilometer in 1:11:03 Stunden und erst bei der 30-km-Marke (1:25:20 Stunden) lag die prognostizierte Zeit erstmals ganz knapp über 2:00 Stunden. Aber bis Kilometer 35 (1:39:37 Stunden) lag er weiter im Plan und erst ab Kilometer 37 wurden ihm die Beine sichtlich schwerer und geriet die 2:00-Stunden-Barriere Kilometer für Kilometer weiter außer Reichweite. Bei Kilometer 40 (1:54:04 Stunden) war der Traum schließlich ausgeträumt. Sichtlich erschöpft kam der Kenianer die Zielgerade heruntergesprintet und musste sich hinterm Ziel erst einmal auf den Boden legen, um wieder zu Kräften zu kommen. Kipchoge schien tatsächlich enttäuscht, dass er das Ziel, die 2:00 Stunden zu brechen, nicht erreicht hatte, obwohl er doch sensationelle 2:32 Minuten unter dem offiziellen Weltrekord von Dennis Kimetto (Berlin 2014) blieb und 2:40 Minuten unter seiner Bestzeit von 2:03:05 Stunden, die er 2016 als Sieger des London-Marathons aufgestellt hatte.

Es konnte nur Kipchoge sein

Eliud Kipchoge galt schon vor dem Rennen als der aussichtsreichste unter den drei Kandidaten, sieben Siege in seinen acht Marathonrennen, darunter der Olympiasieg in Rio, machen ihn zum derzeit besten Marathonläufer der Welt. „Die 25 Sekunden werden auch noch fallen“ meinte Kipchoge nach dem Rennen, es scheint aber eher wahrscheinlich, dass er nun im Herbst in Berlin versuchen wird, einen offiziellen Weltrekord aufzustellen und so, wie er in Monza auftrat, ist das auch sehr realistisch. Ob es allerdings einen nächsten Versuch geben wird, die 2:00 Stunden unter ähnlichen Bedingungen wie in Monza zu brechen, wollten sowohl Nike wie auch Kipchoge und sein Manager Jos Hermens jetzt noch nicht bestätigen. Es sollte zu erwarten sein.

Mehr als eine Randnotiz war es wert, dass sowohl Zersenay Tadese wie auch Lelisa Desisa das Rennen beendeten: Tadese blieb in sehr guten 2:06:51 Stunden knapp vier Minuten unter seiner Bestzeit (2:10:41 Stunden, London 2012), Desisa in 2:14:10 Minuten über neun Minuten über seiner Bestzeit (2:04:45 Stunden, Dubai 2013).

Eine neue Dimension

Wie ernst man das Resultat unter den gegebenen „Laborbedingungen“ nehmen kann, zeigte die Einschätzung Eliud Kipchoges im Interview nach dem Rennen, in welchem er ausdrücklich dieses Rennen als „das wichtigste meiner Karriere“ bezeichnete, immerhin die Worte eines Marathon-Olympiasiegers und 5000-m-Weltmeisters. Die Kritik, dass das ganze Projekt „Breaking2“ nur ein Marketinginstrument sei, ließ sich Nike gerne gefallen, alleine 4,5 Millionen Aufrufe des Livestreams vom Rennen sprachen eine deutliche Sprache für den Erfolg des Events. Den Vorwurf, dass man das Dopingthema nicht ernst nehmen würde, versuchten die Verantwortlichen vor Ort zu entkräften, ein unabhängiges Dopingkontrolllabor soll zumindest den Kontroll-Standard, wie er bei den großen Stadt-Marathons üblich ist, gewährleistet haben. „Unabhängig von allen ‚Regelverstößen‘“, sagte Jos Hermens, der Manager von Eliud Kipchoge nach dem Lauf, „dieser Tag hat das Marathonlaufen in eine neue Dimension geführt.“ Dem darf man solch ein Urteil zutrauen, schließlich hat Hermens jahrzehntelang „Wunderläufer“ Haile Gebrselassie betreut.


Das machte den Marathon-Rekord einzigartig (und inoffiziell)

+ Wechselnde Tempomacher
+ Verpflegung, die vom Begleitfahrrad gereicht wurde
+ eine variable Startzeit, die sich nach dem Wetter richtete
+ ein 17,6-Runden-Parcours auf einer Formel-1-Strecke
+ ein neuartiger Laufschuh mit innovativer Zwischensohle
+ Tapes an den Waden, die die Aerodynamik verbessern sollten

Das waren die Zwischenzeiten von Eliud Kipchoge

5 km - 14:14 min
10 km - 28:21 min (14:07 min)
15 km - 42:34 min (14:13 min)
20 km - 56:49 min (14:15 min)
21,1 km - 59:57 min
25 km - 1:11:03 h (14:14 min)
30 km - 1:25:20 h (14:17 min)
35 km - 1:39:37 h (14:17 min)
40 km - 1:54:04 h (14:27 min)
42,195 km - 2:00:25 h
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Autor: Martin Grüning 08.05.2017
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