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Leserreporter Günter Schmidt Marathon der langen Geraden in San José

Günter Schmidt hat seinen Urlaub in der Karibik mit einem Marathon in San José gekrönt. Was er als einziger Europäer dort erlebte, schreibt er in seinem Leserreport.

Leserreport Günter Schmidt beim San José-Marathon +
Foto: Günter Schmidt

Leserreport Günter Schmidt lief beim Marathon in San José mit.

Als ich am Samstagmorgen zu meiner Marathon-Reise nach San Jose aufbreche, haben sich Anita, Yvette und Quieki zu meiner Verabschiedung eingefunden. Anita auf der Terrasse, Yvette und Quieki im Baum daneben. Anita ist meine Frau, Yvette und Quieki sind Affen. Womit gesagt ist, dass ich nicht in Deutschland aufbreche. Wir sind schon seit drei Wochen an der Karibikküste Costa Ricas. Und werden noch bis März bleiben. Das schreibe ich aber jetzt nur, weil ich an dieser Stelle auch etwas Neid erwarte.

Vier Stunden dauert die Busfahrt bis San Jose. Dort angekommen, begebe ich mich sofort zum Nationalstadion, wo es die Startunterlagen gibt. Durch ein kleines Fenster an der „Boleteria“, den Ticketschaltern des Stadions, erhalte ich einen Beutel mit Chip, T-Shirt und einem Informationsblatt – in Spanisch. Alles für 33 Euro Startgebühr. Berlin ist da teurer, denke ich mir so. Und Berlin ist auch nur eine Hauptstadt.

Das Problem mit den Sicherheitsnadeln

Ein kleines Problem muss ich noch lösen. Ich hatte gehofft (aber selbst nicht daran geglaubt), dass sich im Starterbeutel Sicherheitsnadeln befinden. Da war natürlich nichts. Nun dürfte es aber kein Problem sein, in einer Stadt wie San Jose Sicherheitsnadeln zu kaufen. Dachte ich – denn das Zentrum der Stadt besteht eigentlich nur aus Geschäften.

Erster Versuch in einer Art Drogeriemarkt: Tiene imperdibles – haben Sie Sicherheitsnadeln? Keine Antwort – entgeisterte Blicke des Verkäufers. Er holt eine Kollegin – auch in ihrem Gesicht macht sich Ratlosigkeit breit. Nun gut, mein etwas sächsisch geprägtes Spanisch muss man nicht verstehen. Also zeige ich dieses „imperdible“ im Wörterbuch. Es hilft nichts, es bleibt Ratlosigkeit. An meinem sächsischen Spanisch kann es nicht gelegen haben, mir ist klar, Sicherheitsnadeln heißen in Spanien anders als in Costa Rica.

Die Startnummer wird dann eben selbst gehalten

Auch in den nächsten drei Läden kann man mir nicht helfen. Hätte ich wenigstens eine Sicherheitsnadel – so zum Zeigen. Eine Verkäuferin glaubt zu wissen, was ich suche: Gafetes schreibt sie auf einen Zettel, da es in ihrem Laden auch keine Sicherheitsnadeln gibt. Aber im nächsten Laden, da gebe es besagte „gafetes“. Nach längerem Suchen reicht mir dort der Verkäufer so ein Halsband mit einer Hülle für das Namensschild. Wo leider die Startnummer auch nicht hineinpasst. Nachdem ich etwa 15 verschiedenste Läden aufgesucht habe – nur Bäcker und Fleischer ausgenommen – gebe ich entnervt auf. Da werde ich mir wohl morgen die Startnummer über 42 Kilometer vor die Brust halten müssen.
San José Marathon +
Foto: Günter Schmidt

Beim San José-Marathon waren 3.500 Läufer am Start.

Start ist 6 Uhr. Etwa 30 Minuten zuvor bin ich am Stadion. Würde auch gern rein. Mir ist nach Toilette. Aber ins Stadiongelände darf nur, wer seine Startunterlagen holen möchte. Der Einlassordner verkündet: Einlass für Toilettenbedürftige in 10 Minute! Mein Verdauungstrakt findet das gar nicht lustig.

Nur gut, dass ich schlau bin. Aber da bei dieser Behauptung Anita widersprechen würde, sage ich mal lieber: Nur gut, dass ich Lateinamerika kenne. Mit einer größeren Gruppe Unterlagenabholer schleiche ich mich ein, stürze zur Toilette und frage mich dort sitzend, warum ich eigentlich erst in 10 Minuten hier sitzen sollte.

Wieder in der Öffentlichkeit, schaue ich allen auf die Brust. Egal ob Mann oder Frau. Ich will Startnummern sehen, mit Sicherheitsnadeln befestigt. Und frage mich: Wo haben die nur die Dinger her? Die, die welche haben. Ich frage beim Shirt-Verkauf, bei der Gepäckaufbewahrung. Und alle wollen mir helfen. Mit Klebeband! Was die sich so denken! Startnummern sind mir heilig, heiliger als Urkunden. Die werden ordentlich abgeheftet, da kommt mir kein Klebeband drüber! Und außerdem: So, wie ich immer schwitze, fällt das Klebeband spätestens bei Kilometer 10 ab. Also bleibt die Startnummer im Gepäck.
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Autor: Günter Schmidt 18.12.2015
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