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Jurist Torsten Schmitz Rechtliche Fragen zum New-York-Marathon 2012

Was passiert, wenn ich nicht oder erst später zum NY-Marathon komme? Ist mein Geld weg? Der Jurist und Marathonläufer Torsten Schmitz weiß die Antwort.

Jurist Torsten Schmitz zum New-York-Marathon 2012 +
Foto: Torsten Schmitz

Torsten Schmitz ist selbst begeisterter Marathonläufer und konnte sich so gut in die Materie einarbeiten.

Wer zahlt mir was, wenn ich ein Komplettangebot (Flug, Übernachtung, Transfers, Anmeldegebühr) bei einem Reiseveranstalter gebucht habe, ich aber gar nicht nach NY fliegen kann (= Flug und Reise komplett gestrichen)?

Bei der Wahl eines Komplettangebots hat der Reisende den großen Vorteil, dass der Reiseveranstalter eigenverantwortlich für die ordnungsgemäße Erbringung der einzelnen Teilleistungen, also etwa den Transport zum Veranstaltungsort, die Unterkunft und die Anmeldung zum Lauf, als Gesamtheit einstehen muss.

Vertragspartner des Reisenden ist damit ausschließlich der Reiseveranstalter.
Wird die Reise nun infolge bei Vertragsabschluss nicht voraussehbarer höherer Gewalt wie etwa einer Naturkatastrophe erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt, so kann jede Partei den Vertrag kündigen. Der Reisende kann in einem solchen Fall den bereits gezahlten Reisepreis vom Reiseveranstalter zurückverlangen. Klauseln im Reisevertrag, welche dieses Recht ausschließen oder beschneiden wollen, sind unwirksam.

Dies bedeutet Folgendes: Kann der Reiseveranstalter eine zentrale Reiseleistung aufgrund höherer Gewalt nicht wie geschuldet erfüllen, hat er keinen Anspruch auf den Reisepreis und muss diesen dem Reisenden zurückerstatten. Im Ergebnis ist es bei Buchung eines Komplettangebots für den Reisenden daher unerheblich, ob die New Yorker Flughäfen wegen der Folgen von Hurrikan "Sandy" geschlossen bleiben und er nicht anreisen kann oder ob er sich zwar auf den Weg in die USA machen könnte, der Marathon selbst aber nicht stattfindet. In jedem Fall hat der Reisende bei Kündigung vor Reisebeginn einen Anspruch auf Rückzahlung des bereits entrichteten Reisepreises.
Wer zahlt mir was, wenn ich ein Komplettangebot (Flug, Übernachtung, Transfers, Anmeldegebühr) bei einem Reiseveranstalter gebucht habe, ich aber nicht zum gebuchten Zeitpunkt fliegen kann, sondern z.B. erst Samstag anstatt Mittwoch (= Flug verschoben, 3 Übernachtungen nicht wahrnehmbar)?

Kann der Reisende den Flug zum Veranstaltungsort erst erheblich verspätet antreten, so stellt dies einen Mangel dar. Die tatsächliche Beschaffenheit der Reise weicht dann von der vertraglich Vereinbarten ab. Auch ist im gebildeten Beispiel das Maß einer noch zu tolerierenden Unannehmlichkeit überschritten. Nach der Rechtsprechung haftet der Reiseveranstalter grundsätzlich verschuldensunabhängig für den Erfolg der Reise. Insbesondere kommt es also nicht darauf an, ob die Umstände, die zu einem Reisemangel führen, für diesen beherrschbar sind.

Der Reisende hat in diesem Fall verschiedene Möglichkeiten:
Der Reisende hat zunächst ein Kündigungsrecht und kann den bezahlten Reisepreis zurückfordern, sofern seine Reise durch den Mangel erheblich beeinträchtigt ist oder ihm die Reise infolge des Mangels aus einem wichtigen, dem Reiseveranstalter erkennbaren Grund nicht zuzumuten ist. Dies ist stets anhand der Umstände des Einzelfalles zu entscheiden, der Zweck und die konkrete Ausgestaltung der Reise, die Art und Dauer der Beeinträchtigung sowie subjektive, in der Person des Reisenden liegende Gründe, bilden hierbei jedoch entscheidende Faktoren. Es lässt sich daher sehr gut argumentieren, dass eine Anreise nur Stunden vor dem NYC-Marathon angesichts des auftretenden Jetlags und der fehlenden Akklimatisierungsmöglichkeiten für den Reisenden unzumutbar ist, insbesondere vor dem Hintergrund der mit dem Lauf verbundenen enormen körperlichen Anstrengungen.

Alternativ kann der Reisende sich bei Vorliegen eines Mangels auch auf das "Abenteuer" einer späten Marathon-Anreise einlassen. Zeigt er den Mangel dem Reiseveranstalter gegenüber an, mindert sich der Reisepreis kraft Gesetzes. Hat der Reisende den Reisepreis bereits vollständig bezahlt, erhält er also einen Rückzahlungsanspruch in Höhe der Minderungsquote gegen den Reiseveranstalter. Wie hoch diese Quote im vorliegenden Fall ausfällt, lässt sich jedoch kaum vorhersagen, da sie der richterlichen Schätzung im Einzelfall unterliegt. Auszugehen wäre bei der Berechnung des prozentualen Abschlags vom Gesamtpreis der Reise und nicht lediglich vom Entgelt für die Marathonteilnahme bzw. die entgangenen Hotelübernachtungen.
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Autor: Torsten Schmitz, LL.M. 02.11.2012

Hier finden Sie weitere Informationen zum New-York-Marathon 2017.

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