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Lauf-Abenteuer planen Leitfaden für Traumreisen

Exotische Lauf-Events werden immer beliebter. Kein Wunder: Eine malerische Naturkulisse oder ein historisches Stadtbild sorgen für unvergessliche Erlebnisse. Unser Autor erklärt, worauf man dabei achten sollte.

Laufreisen +

Perfekte Entspannung: Reisen entspannt, Laufen noch viel mehr – und die Kombi aus beidem ist das perfekte Wohlfühlprogramm.

Ein Berlin-Marathon ist die leichteste Übung: mit der S-Bahn in zehn Minuten vom Hotel zur Haltestelle „Brandenburger Tor“, dann 600 Meter bis zur Straße des 17. Juni. Vom Frühstückstisch bis zum Marathon-Start können es Eilige in einer Stunde schaffen. Der New-York-Marathon erfordert da schon früheres Aufstehen: Fünf Stunden vor dem Start muss sich das Feld der Normalläufer auf den Weg machen – und wartet dann an der Verrazano-Narrows-Bridge geduldig in der Morgenfrische. Und der Nepal-Marathon? Statt Bus-Transfer oder U-Bahn-Fahrt steht erst eine etwa zehntägige Bergtour an, bis man das Basislager auf fast 5.400 Meter Höhe erreicht. Hier startet jährlich am 29. Mai der Tenzing-Hillary-Everest-Marathon. Morgenfrische? Auf dem „Dach der Welt“ zeigt das Thermometer dann 15 Grad minus. Trotz dünner Luft, frostiger Temperaturen und schlafloser Nächte – die Ziele und Strecken deutscher Lauf-Enthusiasten werden immer exotischer. Abwechslung und Abenteuer sind gefragt!

Individual- oder Pauschalreise?

Mehr als 50 Veranstalter kümmern sich hierzulande um die reiselustige Klientel. Vergleicht man die Angebote, zeigt sich: Abgesehen von den 42,195 Kilometern Laufdistanz haben die meisten Marathon-Veranstaltungen außerhalb der großen Metropolen nicht viel gemeinsam. Folge: Die Orientierung durch den Angebotsdschungel kann für Interessierte zu einem wahren Hindernislauf werden.

Die Vorteile einer Veranstalterreise liegen auf der Hand: ein ideales Hotel mit zentraler Lage und frühem Frühstück am Starttag (oftmals ein Diskussionsthema an der Rezeption), ein bequemer, perfekter Transfer zum Start, eine Streckenbesichtigung, ein letztes „Einlaufen“ am Vortag sowie ein touristisches Rahmenprogramm (besonders beliebt bei nicht laufenden Begleitpersonen). Alles ist organisiert – und Deutsch spricht man noch dazu. Es kann kaum etwas schiefgehen.

Eine Marathonabsage wie in New York 2012 kann zwar selbst der beste Laufreiseanbieter nicht verhindern, doch bei der Rückerstattung der Startgebühr übernimmt der Anbieter in der Regel die bürokratische Abwicklung. Ein weiterer Vorteil: Spätentschlossene können sich für ausgebuchte Marathons über ein Reisearrangement auch kurzfristig noch Startplätze sichern. Nachteil: meist allerdings nur in der (eher kostspieligen) Kombination mit Hotel und Anreise.

Individualisten stellen die berechtigte Frage: Was lernt der pauschalreisende Läufer von Land und Leuten kennen? Die Antwort fällt, auch wenn die Reiseveranstalter jetzt vehement widersprechen werden, zumeist einseitig aus: Man trifft „Mitläufer“ aus der deutschen Heimat. Und so kann es einen guten Grund geben, auch mal auf eigene Faust das internationale Abenteuer zu wagen: Erst individuell wird eine Laufreise zu einem internationalen Event! Zudem erlebt der individuelle Läufer eine Stadt aus einer ganz anderen Perspektive – er ist einfach näher dran. Öffentliche Verkehrsmittel, regionales Ambiente, lokale Küche, so lauten die perfekten Zutaten für ein globales Laufabenteuer. Wer reise- und auslandserfahren ist, sollte über einen individuellen Start nachdenken. Organisatorische Kopfschmerzen sind beim „Alleingang“ jedoch nicht auszuschließen: Wer beim Shanghai-Marathon als Neuling an der Prachtstraße Bund einst auf der falschen Straßenseite stand, hatte ein massives Startproblem. Es dauerte gut eine halbe Stunde, bis das Feld der 5-Kilometer-Hobbyläufer den Übergang zum Marathonblock ermöglichte. Doch es bleibt die (eigentlich selbstverständliche) Erkenntnis: vor jedem Start den Plan des Startbereichs studieren.
Klassiker weiterhin gefragt, so zum der New-York-Marathon, ein Traumziel für jeden Marathonläufer. +

Marathonreisen in beliebte Städte werden weiterhin gefragt sein.

Dagegen lässt sich der Start beim Pjöngjang-Marathon in Nordkorea kaum verpassen. Die Sportler werden vom Militär dorthin eskortiert. Wer auf seiner Kleidung verbotene „amerikanische Symbole“ trägt, hat jedoch Schwierigkeiten, das Ziel zu erreichen. Einzige Möglichkeit: umziehen und neutrale Straßenkleidung tragen.

In Burma lauern die Gefahren nicht auf, sondern neben der Strecke: „Unbedingt auf einen Toilettenstopp im Gebüsch verzichten!“, warnt der Veranstalter. Kein Wunder: Über 100 Schlangenarten tummeln sich im Unterholz von Bagan! Und wer im thailändischen Khao-Yai-Nationalpark startet, sollte sich auf die Begegnung mit wilden Elefanten einstellen. Andere Länder, andere (Lauf)-Sitten, davon kann fast jeder Finisher berichten.

Spezialreisen sind im Kommen

Alle klassischen City-Marathons von Äthiopien (Addis Abeba) bis Zypern (Limassol) lassen sich als Laufreise buchen. Komplizierter wird es im boomenden Markt der Trailrunning- und Ultra-Events, bei denen vor allem Individualität beim Organisieren gefragt ist. Etwa beim sechstägigen Transalpine-Run: Wer nicht „pauschal“ in Turnhallen nächtigen will, muss sich seine Unterkünfte selbst suchen. Wichtig: möglichst nah an der Ziellinie schlafen! Nach einer Tagesetappe mit 40 Kilometern und über 2.000 Höhenmetern in den Beinen wird selbst eine nur 1.000 Meter entfernte Unterkunft zu einer beschwerlichen Herausforderung, die es zu vermeiden gilt.

Bei vielen Trail-Races heißt es ohnehin: Zelt statt Hotel. Eine gute Isomatte, Ohropax und eventuell ein gewohntes Kopfkissen sind wichtige Voraussetzungen für eine ruhige Nacht. Doch derartiger Schlafkomfort hat sein „Gewicht“ – womit ein anderes Problem droht: Der Umfang des Laufgepäcks ist oft streng reglementiert. Meist liegt die Grenze bei fünf bis zehn Kilogramm. Oberste Priorität hat daher die Bekleidung (Ersatzschuhe und eine zweite Garnitur mitgerechnet, auch wenn beides oft nicht gebraucht wird). Anschließend gilt es, das Thema gewohnte Ernährung zu klären (inklusive Gels oder Müslis: am besten Tagesrationen abpacken).

Immer wichtiger wird auch die passende Stromversorgung für Uhr, Kamera, Smartphone und Stirnlampe. (Achtung: unterschiedliche Steckersysteme im Ausland bedenken!) Erst wenn diese drei Punkte geklärt sind, kann das Gepäck um „Luxus“-Artikel ergänzt werden – zum Beispiel ein Stück Schokolade, das auch die größten Anstrengungen für einen Moment versüßen kann.

TIPPS FÜR IHRE REISE

DIE ANREISE

Zeitverschiebung meistern
Die Faustregel: Für jede Stunde Zeitunterschied sollte man einen Tag für die Anpassung einplanen. Doch die Theorie ist grau, denn wer kann schon sechs oder gar zehn Tage vor dem Start vor Ort sein? Daher gilt es auch, sich möglichst schnell an den örtlichen Tag­Nacht­Rhythmus anzupassen. Die Einnahme von Melatonin ist umstritten.

Schuhe stets ins Handgepäck
Ohne Schuhe läuft am Zielort absolut nichts. Und verloren gegangenes beziehungsweise verspätetes Gepäck ist leider keine Seltenheit.

Kompressionsstrümpfe
Was auf Flugreisen (hin­ und zurück!) für „Normal“-­Touristen gilt, sollten auch Läufer unbedingt beherzigen: Das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist sehr hilfreich und empfehlenswert.

Perfekte Packliste
Das Motto lautet auch hier: Weniger ist mehr. Bei Trailreisen, aber auch bei längeren, mehrtägigen Events ist das zulässige Gepäckgewicht oft streng limitiert. Die beste Pack-Reihenfolge: 1. Laufkleidung, 2. Verpflegung, 3. Stromversorgung, 4. persönliche Ausrüstung / Gegenstände. Tipp: Wenn man Trocken-­ oder Astronautennahrung einpackt, lässt sich damit viel Gewicht einsparen. Nicht vergessen: ausreichend Medikamente und Gels einpacken!

VOR DEM START

Der beste Standort
Nicht die Anzahl der Hotelsterne, sondern die Entfernung zum Startpunkt sollte die Hotelwahl bestimmen. Dabei gilt die Regel: Es sollte so nah und verkehrstechnisch günstig gelegen sein wie nur möglich.

Badewanne statt Meerblick
Für Läufer ist die Aussicht aus dem Hotelzimmer zweitrangig. Viel wertvoller ist eine Badewanne zur Entspannung.

Bitte keine Verspätung
Gehen Sie am Vortag den Ablauf bis zum Start noch einmal durch (Abfahrtszeiten der öffentlichen Verkehrsmittel, Lage der Kleiderabgabestation, Startblock­-Zugang etc.).

Frühes Frühstück
Oftmals ein Problem: Hotels, die nicht auf Läufer eingestellt sind, eröffnen ihr Frühstücksbuffet zu spät.

DAS RENNEN

Kein prima Klima
Unterschiede bei den klimatischen Verhältnissen (Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit – vor allem in Asien und Südamerika) bestimmen das Lauftempo. Faustregel: langsam starten, viel trinken.

Fremder Geschmack
Es empfiehlt sich, eigene Verpflegung mitzunehmen. Andere Länder haben andere oder gar keine Gels (New York: Gatorade), mitunter gar nur Wasser. Seien Sie autark!

Nicht jeder Marathon endet im Ziel
Daher einen Zettel mit Hoteldetails und Kleingeld fürs Taxi mit auf die Strecke nehmen (am besten unter die Schuhsohle).
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Autor: Peter Hinze 20.01.2016
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