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Rückblick des Eiger Ultra 2017

Ein Erfahrungsbericht zum Eiger Ultra Trail Grindelwald von Thomas Oggier

Alle Infos zum Eiger Ultra Trail Grindelwald
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Da ich letztes Jahr den E51 erfolgreich abgeschlossen habe, habe ich mich entschieden den E101 dieses Jahr in Angriff zu nehmen.

Boom. 15.07.2017, 4:30 Uhr. Ein großer Knall und ein paar "Verrückte" rennen los um ihre Träume zu verwirklichen. Das Tempo am Anfang war recht hoch und dennoch konnte ich recht gut mithalten. Bis nach dem Verpflegungsposten Bort die erste Steigung im Wald mit großen Treppen folgte. Da war sie, die erste Krise, so dachte ich, Krisen sind da zum Überwinden. So kam ich dann auch beim Verpflegungsposten First an. Durch das Überwinden der Krise schöpfte ich neue Kraft. Ich verpflegte mich kurz und ging weiter.

Ein Blick auf meine Suunto gab mir den zusätzlichen Kick, denn ich war bei meiner 20 Stunden Schlusszeit noch dabei. Wenige Meter nach der First kam ich mit einem anderem Läufer ins Gespräch. Dabei erfuhr ich, dass der Eiger bereits sein 11 Ultra war, jedoch erstmals mit so vielen Höhenmetern. Ich erzählte ihm, dass ich bereits 2016 den E51 abschloss und so die Hälfte der E101 kenne. Wir beschlossen zusammen zu laufen und so erfuhr ich seinen Namen: Säm. Er nannte mich dann nur noch Walschi, da ich aus dem Wallis komme.

Nach dem wir uns beim Posten Bussalp verpflegt haben, wartete der Anstieg auf das Faulhorn. Säm ging mir etwas zu schnell in den Anstieg und ich ließ ihn ziehen. Ich fand dann relativ schnell wieder Anschluss an eine Gruppe, welche ein Tempo lief, wo ich problemlos durch die Nase ein- und ausatmen konnte. Da ich zu Vorbereitung zum Eiger bei uns im Wallis neun Gipfel mit bis zu 3.100 Höhenmetern bestiegen habe, wusste ich, dass je länger der Aufstieg dauert, desto besser wird es mir gehen. So war es auch und schon habe ich Säm wieder vor mir gesehen und ich konnte ihn nach ca der Hälfte des Anstieges wieder einholen.

Ich überholte ihn und sagte zu Säm: "Danke, dass du auf mich gewartet hast." "Ich habe nicht unbedingt auf dich gewartet, du bist schneller geworden" war seine Antwort. Noch eine kurze Pinkelpause und da war das Faulhorn, mein zehnter Gipfel 2017. Beim Abstieg zur Schynige-Platte konnten wir beide nochmal so richtig Tempo machen. Unterwegs haben wir dann die Marathondistanz hinter uns gebracht. Das gab uns beiden wieder Zuversicht für das Ziel. Bei den Posten habe ich mich meistens mit Long Energie, Cola und Riegel verpflegt. DANKE an die vielen Freiwilligen Helfer, die wahren Helden des Eiger Ultras seid Ihr.

Säm bevorzugte seine eigene Mischung aus Wasser und Cola. Er verriet mir das er am liebsten alkoholfreies Bier mit Cola hat. Bei manchen Posten war dann auch sein Kumpel da welcher ihm noch zusätzlich Schweppes und mentale Stärke gab.

Da ich wusste, dass der Abstieg nach Burglauenen technisch und lang wird, habe ich Säm empfohlen die Sache langsam anzugehen. Säm hat mir dann verraten, dass er froh um mich war beim Aufstieg zum Faulhorn, denn dort hatte er seine Krise. Wir ergänzten uns sehr gut und haben auch unsere Gedanken und Eindrücke geteilt.

Knacks beim rechten Fuß bei Kilometer 50. Sch... dachte ich, nicht schon wieder meine alte Sehnenentzündung, welche ich vor zwei Jahren hatte. Sofort nahm ich Tempo raus. Es war wieder da, dieses eine Stechen, welches dem Läufer seine Träume nimmt. Als Säm zurücksah, wusste er bestimmt, dass etwas nicht mehr stimmte. "Sobald es um Gelenke oder sonstige langjährige Verletzungen geht, ist es besser aufzuhören." "Ultras geben nicht auf, Sie wollen ins Ziel," war meine überzeugende Antwort. "Ok, wir sehen uns in Burglauenen," war Säms Antwort.

Es wurde nicht besser und so versuchte ich mich mental mit dem Schmerz auseinander zusetzen. Endlich ein Bach mit frischen Bergwasser! Rein mit meinem Fuß. Kühlen hilft bestimmt. Es war wie ein Zeichen von oben als mich bei Kilometer 51 eine Wespe ins Schienbein stach. Wie groß ist schon die Chance, dass dich eine Wespe beim Laufen ins Schienbein sticht?

Von weitem hört man den Speaker die Läufer ankündigen, welche in Burglauenen ankommen. Das gab nochmals Kraft, denn ich wusste, dass ich in Burglauenen meinen Trainingsschuh habe und dass da noch diese eine kleine Hoffnung bestand. Cool, sechs Leute sind vom Wallis angereist um mich zu unterstützen. Bei ihnen angekommen erzählte ich von meinen Verletzungen. Alle rieten mir, ich solle es doch sein lassen es sei jetzt schon eine große Leistung. Dennoch wechselte ich auf meine Trainingsschuhe, nahm noch schnell ein Ultra Pro, und weiter nach Wengen. Inzwischen kam Säm zu mir und sagte, dass er weiter müsse, und fragte, ob ich böse wäre. Wieso sollte ich böse sein? Schließlich hatte ich mit ihm zusammen eine super Zeit. Merci Säm.

Die ersten Schritte waren hart. Vor allem, wenn du siehst wie leicht die anderen an dir vorbeiziehen. Die feuchtwarme Luft im Wald machte die Situation auch nicht unbedingt besser. Bevor ich meine Reise heute Morgen antrat, gab ich meiner Frau und meiner Mutter das Versprechen, dass ich gesund nach Hause komme. Die Entscheidung aufzugeben, war sehr schwer, denn ich wollte niemanden enttäuschen. Vor allem mich selbst nicht.

Meine Frau war noch auf dem E51 unterwegs, als ich sie anrief um von meinen Blessuren zu erzählen. Ich sagte ihr, dass ich in Wengen noch einen Arzt aufsuchen werde. Nach Absprache mit einem Arzt in Wengen habe ich den das Rennen bei Kilometer 62 aufgegeben. Dennoch bin ich sehr stolz, dass ich mein Ego überwunden habe und aufgegeben konnte. Die Zeit war sehr schön und ich nehme viele Eindrücke mit. Ob ich nochmals starten werde? Warum nicht irgendwann einmal... "Glück ist wenn man erkennt, dass man lebt" Danke Ultras!

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