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Talente Erfolgscoach Hogen zur Talente-Erkennung, Teil zwei

Zu geringer Aufwand oder Drill? Beides ist falsch bei der Arbeit mit Lauf-Talenten, sagt der frühere Coach von Uta Pippig, Dieter Hogen.

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Foto: photorun.net

Dieter Hogen beim Training mit seinen Schützlingen in Kenia.

Was sind die Anzeichen dafür, ob und in welchem Maße jemand talentiert ist? Man könnte natürlich ganz einfach sagen: Talente lernen schneller schnell zu laufen und sind am Ende die Schnellsten.

Die Gesamtheit der Bedingungen formt ein Talent und bringt die gegebene genetische Struktur zur vollen Entwicklung - oder eben nicht. Welche der Voraussetzungen in genau welchem Maße bereits genetisch vorgegeben sind - physisch und charakterlich - und wie sehr sich jedes einzelne Merkmal entwickeln lässt, kann ich nicht sagen. Ebenso ist es unmöglich, die Gesamtentwicklung eines Kindes oder Jugendlichen genau einzuschätzen, woraus die Notwendigkeit resultiert, in der Auswahl großzügig zu sein: Je jünger die Sportler, umso großzügiger. Dies ist außerdem der Grund, weshalb auch ein sehr junger Sportler, der hochgradig veranlagt zu sein scheint, mit altersgerecht hartem, diszipliniertem und systematischem Training konfrontiert werden muss. Dabei ist das emotional positive und motivierende Erleben des Gesamtprozesses für den Sportler entscheidend für seine Perspektive. Disziplin ist auf keinen Fall mit Drill gleichzusetzen. Wer diesen Prozess nicht versteht, wird mit seinen Supertalenten scheitern.

Nichts ist gefährlicher als zu glauben, dass man mit geringerem Aufwand trotzdem auf Dauer besser sein kann als andere. Und nichts ist gefährlicher, als in zu engem Rahmen zu denken, weil es einige in der Welt gibt, die genauso talentiert sind aber möglicherweise nicht nur besser trainiert sind sondern dadurch auch die notwendigen Charaktereigenschaften besser ausgeformt haben. Diese Athleten werden dann die internationale Szene bestimmen – und nicht meiner.

In den ersten zehn Jahren meiner Trainertätigkeit von 1977 bis 1986 habe ich ausschließlich junge, erst 13- bis 15- und dann 16- bis 19-jährige, männliche Mittel - und später Langstreckenläufer betreut. Der gesamte Prozess hat natürlich mit der Talentsichtung begonnen - eine der Hauptaufgaben für einen Jugendtrainer. Innerhalb von wenigen Jahren hatten die von mir ausgewählten Jugendlichen mehr als 50 Landesmeistertitel bei Hallen -, Cross - und Freiluftveranstaltungen sowie einige Medaillen bei internationalen Jugendwettkämpfen gewonnen. Man kann also davon ausgehen, dass nicht nur das Trainingsprogramm sondern auch die Talent-Trefferquote nicht schlecht war. Im Laufe dieser Zeit hatte ich viele hundert Kinder und Jugendliche gesehen, die aus den Trainingszentren im Rahmen des Sichtungsprozesses bei den Sportklubs vorgestellt wurden – heutzutage ist dies nicht mehr als ein Traum.
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Autor: race-news-service.com/Dieter Hogen 17.02.2011
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