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Im zweiten Anlauf an die Spitze Herbert Steffny

Herbert Steffny, heute Autor von Lauf-Büchern, zählte in den achtziger Jahren zur deutschen Marathon-Elite.

Herbert Steffny 1988 +
Foto: Claus Dahms

Herbert Steffny als Sieger der Deutschen Meisterschaften über 25 km 1988.

Geboren am 5. September 1953 in Tier
1,79 Meter, 67 Kilogramm (Gewicht zu Wettkampfzeiten)
Beruf: Diplom-Biologe, Unternehmer

Seinen ersten Marathon lief Herbert Steffny mit 30 Jahren. Das war 1983 in Echter­nach (Luxemburg). Er siegte auf Anhieb in 2:20:05 Stunden. Diese beachtliche Leistung verursachte damals zwar kein großes Aufsehen, denn die Topläufer der deutschen Marathonszene waren zu jener Zeit von einer ganz anderen Klasse als heutzutage. Doch für die Experten war klar, dass in diesem gar nicht mehr so jungen Läufer noch einiges an Potenzial steckte. Offensichtlich trug dieser Mann ein Ausdauer-Gen in sich, denn sein zwölf Jahre älte­rer Bruder Manfred war 1968 und 1972 Olympia-Teilnehmer im Marathonlauf und einer der besten deutschen Langstreckenläufer seiner Zeit gewesen.

Herbert Steffny tastete sich Schritt für Schritt in die Karriere eines Hochleistungssportlers vor. Sein außergewöhnliches Talent hatte er schon mit 17 Jahren bewiesen, als er bei den Deutschen Crosslauf-Meisterschaften in der Jugendklasse (Langstrecke) den zweiten Platz belegte. Im selben Jahr wurde er außerdem westdeutscher Meister über 3000 Meter und lief deutschen Jugendrekord über 3000 Meter in der Halle (8:39,8 Minuten). Mit 19 verabschiedete er sich dann jedoch vom Leistungssport und widmete sich dem Studium der Biologie in Freiburg, das er mit Diplom abschloss. Sein Spezialgebiet: Schmetterlinge.

Nachwuchsathlet mit 31 Jahren
Steffnys später Einstieg in den Hochleistungssport vollzog sich vergleichsweise zügig. Seinem ersten Marathon-Debüt ließ er 1984 einen zweiten Platz bei den deutschen Marathon-Meisterschaften in Kandel folgen (Sieger: Ralf Salzmann). Obwohl er dabei die für die Olympia-Teilnahme geforderte Qua­lifikationszeit unterbot, nominierte ihn der Deutsche Leichtathletik-Verband nicht für die Olympischen Spiele in Los Angeles. Ein bereits 31 Jahre alter Marathonläufer, der zudem gerade erst in der Leistungselite aufgetaucht war, erschien den Bürokraten in Darmstadt suspekt. Beim Marathon in Los Angeles siegte dann übrigens ein 37 Jahre alter Portugiese mit olympischem Rekord. Und ein Jahr später lief derselbe Läufer Weltrekord. Sein Name: Carlos Lopes.

Noch im Herbst desselben Jahres zeigte Herbert Steffny den Funktionären, wozu er imstande war: Bei großer Hitze belegte er den dritten Platz beim New-York-Marathon. Wiederum ein Jahr später gelang ihm ein glänzen­der Sieg beim Hoechst-Marathon in Frankfurt. 1985 wurden dort erstmals deutsche Marathon-Meisterschaften im Rahmen eines City-Marathons ausgetragen. Entsprechend groß war das Medienecho auf Steffnys Sieg gegen gute internationale Konkurrenz. Frankfurt erlebte ein großes Marathonfest. Steffny repräsentierte mit seiner Siegerzeit von 2:12:12 Stunden internationale Klasse.

1986 erfolgreichstes internationales Jahr
Herbert Steffny +
Foto: Claus Dahms

Steffny nach dem Marathon in Duisburg.

1986 wurde dann zu Steffnys international erfolgreichstem Jahr. Zusammen mit Ralf Salzmann lief er beim Europameisterschaftsmarathon in Stuttgart ein großes Rennen und kam auf Rang drei ins Ziel, Salzmann wurde Vierter. Dass diese Bronzemedaille vor heimischem Publikum errungen und dazu live von der ARD übertragen wurde, spielte eine nicht zu unterschätzende Rolle für Steffnys weitere Zukunft als Marathonläufer und später als Selbstvermarkter in Sachen Laufseminare, Personal Trainer und Buch­autor. Wenige Monate später gelang ihm in Chicago mit 2:11:17 Stunden seine Karriere-Bestzeit. Diese Zeit repräsentiert ein Leistungsniveau, das damals für inter­nationale Anerkennung sorgte, schließlich stand der Weltrekord seit 1985 bei 2:07:12 Stunden und Afrikaner spielten auf der Marathon-Bühne noch keine signifikante Rolle.

Der Fitmacher des Außenministers
Sowohl die Weltmeisterschaften 1987 in Rom als auch die Olympischen Spiele 1988 in Seoul waren für Steffny dann aber kein gutes Pflaster. In Rom blieb er unter seinem Leistungsvermögen und landete auf Rang 17 (2:19:24), in Seoul reiste er schon krank an und konnte wegen einer Virusgrippe gar nicht an den Start gehen. Von da an war er regelmäßig bei deutschen Marathonläufen am Start. Steffny wusste, wie man seinen Marktwert hält. Außerdem hatte er in ausreichendem Maße gezeigt, dass er das internationale Pflaster nicht scheut – ganz im Gegensatz zu manch anderem deutschen Marathonläufer, der lieber für sichere Startgroschen im eigenen Land antrat, als zu versuchen, in schnellen Rennen auf internationalem Parkett sein Profil zu schärfen. Steffny gewann zweimal den Frankfurt-Marathon (1989, 1991), den München-Marathon (1989) sowie gegen Ende seiner Karriere 1991 den Marathon von Pittsburgh.

Nach Achillessehnen-Problemen feierte Steffny in den Neunzigerjahren ein Comeback in der Masters-Klasse (über 40 Jahre) und erzielte noch einige bemerkenswerte Leistungen und Erfolge. Ins öffentliche Interesse rückte er als persönlicher Trainer des Grünen-Vorsitzenden Joschka Fischer, den er im Frühjahr 1998 bei dessen Marathon-Premiere in Hamburg begleitete. Fischer wurde im selben Jahr Außenminister und lief den Berlin-Marathon, wiederum begleitet von Herbert Steffny sowie mehreren Sicherheitsbeamten.

Heute ist Steffny als Co-Kommentator bei Marathonläufen im Einsatz, zum Beispiel in Berlin und Frankfurt. Daneben veranstaltet er mit seiner Run Fit Fun GmbH Laufkurse und Workshops in Titisee im Südschwarzwald. Außerdem hält er Vorträge und schreibt Bücher - und läuft weiterhin regelmäßig.

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Autor: Thomas Steffens 03.03.2008
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