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Ausprobiert Wie fühlt es sich an, in einer Halle zu laufen?

Für unsere Serie "Ausprobiert" hat Chefredakteur Martin Grüning seine Runden in einer klimatisierten Leichtathletikhalle gedreht, um dem Winter ein Schnippchen zu schlagen.

Ausprobiert +
Foto: Jörg Modrow

Eine Hallenrunde ­beträgt 200 Meter. Das ist nicht viel. Will man auf ein paar Laufkilometer kommen, muss man Runde um Runde um Runde drehen.

Die Bedingungen:
1. Als Laufterrain diente eine sogenannte Leichtathletikhalle, klimatisiert und mit einer 200-Meter-Rundbahn versehen.
2. Die Laufzeit sollte mindestens 60 Minuten betragen, in dieser Zeit durfte die Halle nicht verlassen werden.
3. Art und Intensität des Trainings waren frei­gestellt und blieben dem Testläufer überlassen.


Draußen war es kalt. Und nass. Die Wege waren dreckig, der Wind pfiff. Winter eben. Doch ich merkte davon nichts, lief nur mit einem T-Shirt bekleidet zügigen Schrittes leicht daher. Mitten im Winter, bei frühlingshaften 16 Grad – in ­einer großen Halle. Ich drehte schon seit zehn Minuten meine Runden, in der Halle gab es eine 200-Meter-Rundbahn mit überhöh­ten Kurven, der Belag war aus Kunststoff. Der Boden federte in den Kurven leicht, wobei mich beim Dauerlauftempo die Überhöhung im Kurvenrund beim Fußaufsatz merklich störte.

Und bald wurde mir langweilig. Runde um Runde wurde mir langweiliger. Wer mag schon Runden drehen? Aber irgendwann bekam das Ganze dann auch wieder etwas Meditatives. Ich dachte an nichts mehr, lief einfach nur. Keine Unebenheit störte den Schritt, keine Orientierung war nötig. Immer am weißen Strich entlang. Und dann zählte ich die Runden. Ich konnte mich des Drangs nicht erwehren und fand das ein paar Runden lang ganz lustig, dann aber bald wieder fad. Erst als ich mit dem Tempo zu spielen begann, wurde es auf der Bahn interessant. Ich stoppte einzelne Runden und wollte jede weitere Runde eine Sekunde schneller sein als die vorherige. Jetzt nahm das Laufen in der Halle Fahrt auf. Ich rannte eine Runde, so schnell ich konnte. Stoppte natürlich die Zeit. War am Ende des Trainings vollkommen erschöpft, hatte mich total verausgabt. Das ist nett, wenn man es einmal macht. Doch man ahnt das Fazit: Ein Training in einer Halle ist etwas für Laufprofis, nichts für Freizeitathleten und ohnehin nur dann wirklich sinnvoll, wenn man am entsprechenden Tag schnell laufen will (Intervalltraining!).

In der Halle fehlt so vieles, was das Laufen attraktiv macht: die Natur, die Begegnungen mit Menschen und Tieren, wechselnde Ansprüche des Bodens, des Profils. All das vermisste ich tatsächlich auf den letzten langsamen Minuten in der Halle, die ich für ein Cool-down nutzte. Und es drängte mich, das Auslaufen nach draußen zu verlegen. So wie wir es früher immer gemacht hatten. Ja, ich habe Indoor-Erfahrung: Zu meiner Laufprofi-Zeit rannten wir ein paar Winter regelmäßig in einer Halle. Aber irgendwann riet mir ein kluger Trainer, im Winter Tempo, Kraft und Schnelligkeit lieber bewusst im Ge­lände zu schulen (Crosslauf!), anstatt in einer Halle Runden zu drehen. Ein weiser Mann. Ich wollte seine Weisheit 30 Jahre später einfach noch mal überprüfen. Und nun weiß ich endgültig: Hallentraining ist nichts für Dauerläufer, wie ich einer bin.
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Autor: Martin Grüning 28.12.2015
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