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Schneller durch Energie-Balance Wirken sich längere Beine auf das Tempo aus?

Ausschlaggebender Faktor für die Schnelligkeit ist die Schrittlänge, die nicht von der Körpergröße abhängt.

"Spielt die Beinlänge im Verhältnis zur Körpergröße bei der maximal erreichbaren Laufgeschwindigkeit eine Rolle?"

Tobias Bauge, München

Dr._Thomas_Wessinghage +
Foto: RUNNER´S WORLD

Dr.Thomas Wessinghage, RUNNER'S-WORLD-Trainingsexperte

RUNNER'S-WORLD-Trainingsexperte Dr. Thomas Wessinghage antwortet:

Die ideale Größe eines Langstrecken-läufers spielte in den Überlegungen von Trainern und Athleten immer schon eine bedeutende Rolle – vor allem beim Fachsimpeln. Gern erinnert man sich an große Rennen wie das des „tapferen“ kleinen Japa-ners Murakoso beim olympischen 10.000-Meter-Lauf in Berlin 1936 -gegen die langen Finnen Salminen, Ritola und Iso-Hollo.

Auffällig ist jedenfalls die Häufung kleinwüchsiger Läufer auf den Langstrecken – eine Regel mit allerdings hundertfachen Ausnahmen. Je höher die Laufgeschwindigkeit, desto größer die Schrittlänge – auch hier gibt es Ausnahmen, aber das Prinzip ist nachweislich korrekt. Biomechanisch liegt auf der Hand, dass längere Schritte zu höherer Geschwindigkeit befähigen – jedenfalls auf kurzen Strecken – und dass aufgrund der längeren Hebel gleichzeitig die erforderlichen Kräfte ansteigen. Die erforderliche höhere Muskelkraft wiederum geht mit einer höheren Masse (also auch Körpergewicht) einher, einem für lange Distanzen sehr negativen Begleitumstand. Man betrachte sich nur die Konstitution der ostafrikanischen Läufer, die sich vor allem durch ihren grazilen Körperbau auszeichnen – weitgehend unabhängig von ihrer Körpergröße.

In nur indirektem Zusammenhang zu anthropometrischen Überlegungen steht die Schrittlänge, die ja unabhängig von der Körpergröße vom Läufer aktiv beeinflusst werden kann (siehe zum Beispiel Haile Gebrselassie). Fest steht, dass eine kürzere Schrittlänge die Auf-und-ab-Bewegungen des Körperschwerpunkts vermindert und insofern zu höherer Laufökonomie beiträgt.

Die von Ihnen konkret gestellte Frage suggeriert Folgendes: Ein größerer Läufer mit längeren Beinen müsste – bei gleichem Fitness-Stand – theoretisch eine größere Strecke in gleicher Zeit zurücklegen wie der kleinere Läufer. Richtig? Ja, aber dafür benötigt er mehr Kraft. Das bedeutet einen höheren Energieverbrauch und damit schnellere Ermüdung und eine langsamere Endzeit. Insofern ist die Energie-Balance die entscheidende Größe: Wie viel Mehr-Energie muss er für ein wie viel höheres Tempo einsetzen und wie lange kann er das durchhalten?

Die Antwort ist wie so oft in Medizin und Anthropometrie ausweichend: Es gibt Beispiele für alles und jedes – für den erfolgreichen großgewachsenen Läufer wie auch für den kleinen, und darin ist sicherlich ein Vorteil der Leichtathletik gegenüber anderen Sportarten (wie etwa Basketball) zu sehen. Gut so!

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30.11.2009
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