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Yoga, Run, Enjoy - der erste Halbmarathon

Ein Erfahrungsbericht zum Malta-Marathon von Hanna Sikora

Alle Infos zum Malta-Marathon
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Um es vorweg zu nehmen; Ich bin ein Bewegungsmuffel, wie er im Buche steht. Aber ich liebe das Unterrichten. Man könnte sogar sagen, dass ich danach süchtig bin. Vor fast 10 Jahren fuhr ich zum ersten Mal in einen Ashram. Zu dieser Zeit praktizierte ich selbst schon einige Jahre, denn es tat mir gut. Allerdings mehr aus dem Bauch heraus.

Ein Ashram ist eine Art Kloster, in dem Yoga und Meditation praktiziert wird. Ohne Klostermauern ? das wäre für einen freiheitsliebenden Menschen, wie ich es bin, ein absolutes NoGo! Ich traf auf Menschen, die einen spirituellen Weg suchen und beschreiten und im ersten Moment war mir alles zuviel. Dennoch bekam meine Praxis in den angeleiteten Stunden eine ungeahnte Tiefe. Und die Begegnungen, die ich an diesem ersten Wochenende erlebte, berührten mich zutiefst. Schnell war klar: Das ist mein Ort, mein Weg und ich absolvierte die Yogalehrer- und Yogatherapieausbildung, sowie einige andere Seminare. Ich baute zwei Studios auf und gab sie wieder ab, da ich vom Leben im Ashram so fasziniert war, dass es mich immer wieder dorthin zog. Ich lernte Menschen kennen, die zu Freunden wurden. Diese Bekanntschaften sind es, die mich weiter praktizieren lassen. Auch dann, wenn mein innerer Bewegungsmuffel laut wird.

Vor gut einem Jahr bekam ich dann den Auftrag für einen mehrwöchigen Bürojob ? ohne unterrichten. Letzteres wusste ich vorher nicht. Sonst hätte ich dankend abgelehnt. So ging ich durch die harte Zeit. Und irgendwann, als ich gerade aufgeben wollte, sagte jemand zu mir: ?Kauf dir ein paar Laufschuhe und geh mal raus. Du bist nicht auszuhalten.? Am Ende der nächsten Tiefenentspannung sah ich mich leichtfüßig durch den Park joggen ? mit meinen Hunden, gut gelaunt und kein bisschen angestrengt. Ich fuhr sofort los und kaufte ein paar Laufschuhe, zog sie an und...

Von Leichtfüßigkeit keine Spur. Nach einem gefühlten Marathon (laut Handy-App 800 Meter), war ich völlig außer Puste. Der Schweiß lief und unter meinen Füssen hatte ich mehrere mittelschwere Erdbeben ausgelöst. Wie war das möglich? 108 Sonnengrüße, Hanuman-Fitnesstraining waren problemlos, versetzten mich geradezu in Hochstimmung. Wieso konnte ich so etwas Einfaches und Natürliches wie Laufen nicht?

Ich nahm mir einen Coach und bekam fortan Trainingspläne und siehe da. 6 Wochen später startete ich zu meinem ersten Straßenlauf in Berlin. 5 km. Ich finishte in 48 Minuten und war stolz wie Oskar. Allerdings spürte ich sämtliche Gelenke und auch einige andere Stellen meines Körpers ziemlich unangenehm. Aus dem Yoga kannte ich das Gefühl der Anstrengung und immer hatte ich es genossen. Lernte Gewebe spüren, von denen ich vorher keine Ahnung hatte, dass sie da waren. Schmerzen, die mich in die Bewegungsarmut zwangen, kannte ich nicht. Egal. Ich war angekommen, hatte Berlin mit meinem polternden Laufstil nicht zum kompletten Einsturz gebracht und allein das war großartig - das wollte ich öfter. Also trainierte ich weiter. Im August dann der nächste Lauf in Dresden: 35 Minuten. Wow. Dann ging es auf die 10 km und auch dort kam ich an - mit 1:30h inklusive Toilettenpause mit Anstehen.

Zeiten waren und sind mir allerdings nebensächlich. Meine Frage lautet, wie kann man beim Laufen entspannen und was kann ich aus meinem 45-jährigen Körper herausholen? Was muss ich tun, damit laufen tatsächlich meditativ wird?

Der nächste Zehner stand an ? beim Piepenbrock-Marathon in Dresden. Auf der Messe hatten wir Günter von Laufreisen.de kennengelernt und er hatte seine Laufbegeisterung mit uns geteilt. Ich konnte sie nach wie vor nicht nachvollziehen. Zugegeben: meine Form war besser. Meine km-Zeit hatte sich um 2 Minuten gesteigert. Aber noch immer erinnerte mein Laufstil eher an einen ungeschickten Elefanten, denn an eine Gazelle.

Auf der Strecke in Dresden standen Verkehrshütchen. Ich weiß nicht mehr, ob sie vor einem Schlagloch oder eine Stufe warnen sollten, denn ich bin über das Hütchen gefallen. Irgendwie kam ich trotzdem ins Ziel. Aber mein Bewegungsmuffel erklärte mir, dass es unvernünftig ist mit der Verletzung weiter zu trainieren. Das bestätigte auch der Arzt und so wurde meine Yogapraxis sanft und die Turnschuhe begannen ihren Winterschlaf. Dank unserer Hunde absolvierte ich trotzdem die tägliche Runde - im Walking.

So vergingen Monate, ohne das sich an meinen Gelenken oder meiner Kondition auch nur die kleinste Verbesserung einstellte. Ganz im Gegenteil. Dabei wollte ich mich im März an die Halbmarathondistanz wagen. Wehmütig blätterte ich immer wieder im Katalog, den Günter uns mitgegeben hatte. Und irgendwann buchte ich den Tromsö-Polarnachtlauf. Vielleicht hilft ja Wettkampffeeling aus dem Tief und Polarlichter wollte ich immer schon mal sehen. Die Reise war toll. Die 10 km samt Schneehagel und Glatteis finishte ich in meiner alten Zeit. Die Laufgruppe harmonisierte wunderbar und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl zu wenig zu können oder zu langsam zu sein. Die Nachwirkungen das Laufes ließen leider nicht allzulange auf sich warten. Die Schmerzen waren da und das Training funktionierte genauso schlecht wie vorher. Der Bewegungsmuffel hatte gewonnen.

Malta und der Halbmarathon rückten immer näher. Freude am Laufen? Fehlanzeige. Stürze und Umknicken waren an der Tagesordnung - sogar ohne Lauftraining und ich tröstete mich mit der Hoffnung auf das Wetter in Malta. Und so kam der große Tag. Ohne Vorbereitung flogen wir los. Anstelle der Morgenläufe fuhr ich in den achten Stock und genoss es morgens in der Sonne unter freiem Himmel zu meditieren und meine anschließende Yogastunde zu praktizieren. Wenn ich zum Duschen wieder ins Zimmer kam, stand unter dem Balkon die Laufgruppe beim Abschlussdehnen.

Die erste gemeinsame Aktivität, an der ich teilnahm war der Beach-Run über 7 km durch eine überfüllte Flaniermeile. Alle liefen fröhlich los. Ich stolperte beim Versuch einer älteren Dame auszuweichen über eine Bordsteinkante, knickte um und fiel der Dame samt Rollator genau vor die Füße. Also Schuhe und Socken aus und ab ins Mittelmeer zum Kühlen. Als die anderen fast vollständig im Ziel waren, hatte ich es auch geschafft zurück zu humpeln. Den zweiten Lauf ließ ich weg. Ich wollte zum Halbmarathon wieder halbwegs fit sein. Und endlich war es soweit.

Der Bus brachte unsere Gruppe zum Start. Es wurde ein bisschen über die Strecke gefachsimpelt, Fotos geschossen und viel gelacht. Mit getapten Knien, bandagierten Fußgelenken und Lampenfieber wie schon lange nicht mehr, wartete ich im hinteren Bereich des Läuferfeldes. Dann fiel der Startschuss. Mein Plan: Laufen und walken. Hauptsache ankommen. Mein Mann lief neben mir und ich spürte ein wenig das schlechte Gewissen, denn er ist viel schneller und ausdauernder als ich. Aus Angst vor einem neuen Sturz hatte ich ihn verpflichtet, neben mir zu bleiben. Und da wir beide ständig beruflich unterwegs sind, hatte ich auch eine zweite gute Begründung: Gemeinsam etwas erleben!

Nach 12 km zeigte die Laufuhr eine Stunde und 12 Minuten. Wow. Bestzeit. Und die Erkenntnis; Der Halbmarathon ist unter 3 Stunden zu schaffen, auch wenn der schwierigere Teil der Strecke noch vor uns lag. Nils von Laufreisen.de überholte uns und machte ein Foto. Er ließ sich kurz aufhalten für ein Gegenfoto mit ihm und einen kurzen Smalltalk, dann tauchte er in der Läuferschar vor uns unter.

Kleine Gruppen, die Musik machten standen am Straßenrand. An Steigungen (die ich eigentlich walken wollte) standen Fotografen. Also weiter laufen. Schließlich hatte ich eine rote Startnummer vor dem Bauch und war so als Läufer unterwegs. Die Stimmung war toll. Die Aussicht vor uns einzigartig. Die Sonne strahlte vom Himmel, um uns anzufeuern. Und trotz meines bebenden Laufstils blieb Malta stehen ? unglaublich.

3 km vor dem Ziel bekam ich Hunger. Die Überlegung auf die Zeit unter drei Stunden zu verzichten und einen kurzen Abstecher ins Straßencafe zu unternehmen wurde drängend. Aber mein Mann blieb an meiner Seite und munterte mich auf. Auf der Ziellinie ein letzter Fotograf. Wir posierten ein bisschen, bis wir feststellten, dass wir genau vor der Ziellinie standen und die Uhr noch lief. Also ein letzter Schritt und die Uhr blieb bei 2:59:50 stehen.

Irgendwer hängte mit eine Medaille um den Hals, drückte mir eine Banane und ein Iso-Getränk in die Hand. Das Gedränge hinter der Ziellinie war unglaublich. Alles zog vorüber, ohne dass ich es wahrnehmen konnte. Und plötzlich stand Elke mit der Fahne von Laufreisen.de vor uns und strahlte uns an. ?Ihr habt´s geschafft?, sagte sie und richtete den Fotoapparat auf uns. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich gerade 21 km gelaufen war (und immer noch tierischen Hunger hatte). Jemand mit einem Tablett schlängelte sich durch die Reihen und verteilte Nudeln. Lecker.

Nach und nach gesellten sich immer mehr Läufer unserer Gruppe zu der Fahne. Von allen Seiten kamen Glückwünsche, die wir genauso gern und herzlich zurück gaben. In der internen Siegerehrung stellte René dann die Frage, wann es auf die Marathondistanz geht. ?Nicht gleich nächste Woche.?, antwortete mein Mann schlagfertig und mir klappte die Kinnlade runter. Marathon? Ich? Ob das überhaupt irgendwann funktionieren kann? Immerhin bin ich 45 und Anfänger...

Am nächsten Morgen hatte ich keine Beine, sondern Baumstämme unter meinem Becken. Unbeweglich, steif und mit schmerzenden Gelenken. Egal. Ich war 21 km gelaufen und die anderen, wesentlich geübteren Läufer staksten auch ziemlich steif durch die Gegend. Okay, viele von Ihnen waren den vollen Marathon gelaufen. Aber irgendeinen Trick, warum meine Gelenke schmerzten und alle anderen einfach nur schwere Beine hatten, musste es geben. Also recherchierte ich, kaum dass wir wieder in Deutschland waren, weiter und stieß nach einigen Tagen auf einen Artikel über Laufstile. Darin wurde beschrieben, dass Fersenläufer häufig mit Gelenkproblemen kämpften und auf langen Strecken das Vorfußlaufen besser wäre. Ich probierte es direkt aus. Aus meinem 8:30 Durchschnittstempo wurden spontan 5:47. Bei weniger Anstrengung, gleicher Schrittfrequenz und schmerzfrei. Ganz davon abgesehen, dass die Erdbeben hinter mir ausblieben, da ich nicht mehr stampfte, sondern endlich tatsächlich im Laufen angekommen war.

?Serve, Love, Give, Purify?, sang mir meine Tochter in die Ohren. ?Om Bhur Bhurva Swaha?, ertönt meine eigene Stimme im Kanon dazu. Es ist ein Ausspruch von Swami Sivananda, dem Begründer der Tradition in der ich Yoga unterrichte: Diene, Liebe, Gib, Reinige Dich, Meditiere und erreiche die Selbstverwirklichung ist die Aussage. Das zweite Mantra - das Gayatri-Mantra, beschreibt die höheren geistigen Ebenen, die man auf dem Weg zur Selbstverwirklichung durchläuft. Sie sollen sich wie ein Flow anfühlen - allerdings einer der schlussendlich anhaltend wird. Was für eine Aussicht. Dafür lohnt es sich immer wieder die Turnschuhe zu schnüren und auf der Matte zu praktizieren. Bei diesem Gedanken nickt sogar mein innerer Bewegungsmuffel.

Wenn ich allein laufe, begleitet mich dieses Mantra in Schlaufe aus dem mp3-Player. Die Idee dazu war mir bei einer meiner ersten Trainingsrunden gekommen, als nach einem Regenschauer ein kleines Mädchen mit knallroten, weiß gepunkteten Gummistiefeln an der Hand ihrer Oma vor mir her hüpfte und dabei fröhlich in jede Pfütze sprang. Trotz der Anstrengung war das eine meiner schönsten Laufeinheiten, weil ich dank des Mädchens die ganze Zeit vor mich hin grinsen musste. Das Mantra hat genau den Rhythmus meiner Schrittfrequenz und noch immer sehe ich die knallroten Gummistiefel mit den weißen Punkten vor mir und muss einfach grinsen, was das Training viel einfacher macht.

Verschwitzt und heftig atmend kam ich wieder zu Hause an, ging auf die Matte und erlebte eine unglaubliche Yogapraxis. Tief und intensiv wie schon lange nicht mehr. Und nach der Tiefenentspannung wusste ich, dass ich gefunden hatte, wonach ich schon so lange suchte: Die Verbindung aus Yoga und Laufen, die zu Stille; tiefer innerer Freude und einem Auflösen jeglicher Begrenzungen führt.

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