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Brooks CEO im Interview

6 Fragen an Brooks-Chef Jim Weber

Wir trafen Brooks CEO Jim Weber im Rahmen der Leichtathletik-Europameisterschaften 2016 zum Interview im EMEA Headquater in Amsterdam.

Jim Weber Brooks CEO CHEF +
Foto: Brooks

Jim Weber im neuen Hauptsitz von Brooks in Seattle.

Brooks als Hauptsponsor der Leichtathletik-Europameisterschaften 2016 in Amsterdam: Was hat Sie zu diesem Engagement bewogen?
Brooks ist seit den 1980er-Jahren in Europa aktiv. 2003 haben wir entschieden, unsere Produkte selbst in Europa zu vertreiben. Deutschland war das erste Land, in dem wir so operiert haben. Seitdem sind immer mehr Länder und immer mehr Mitarbeiter in Europa hinzugekommen. Vor nun etwa drei Jahren haben wir entschieden ein EMEA-weites Büro zu eröffnen, um eine einheitliche Strategie zu entwickeln und weiter wachsen zu können. Bei der Suche nach dem richtigen Standort haben wir uns für Amsterdam und die Büros im alten Olympiastadion von 1928 entschieden. Als dann klar war, dass die Leichtathletik-Europameisterschaften hier ausgetragen werden, haben wir gesagt: Natürlich werden wir Sponsor. Obwohl wir unsere Energie und Strategie voll auf den Laufsport ausgerichtet haben, ist Brooks immer noch ein wohlgehütetes Geheimnis. Die Europameisterschaften sind eine großartige Möglichkeit sich europaweit als Laufmarke zu präsentieren und zu zeigen: Wir sind hier!

Sie erwähnten es: Brooks ist ein Geheimtipp. Zwar kennen langjährige Läufer Brooks längst, Einsteiger hingegen nicht. Mit welcher Strategie möchten Sie Ihre Bekanntheit als Marke bei diesen Kunden verbessern?
Vertrauen spielt hier eine wichtige Rolle. Schaut man sich die erfolgreichen Sport-, Fitness- oder auch Lifestyle-Marken an, kann man die Glaubwürdigkeit einer Marke immer auf fantastische Produkte zurückführen. Diese Produkte werden entweder durch gesponserte Profisportler oder durch die mündliche Empfehlung unter den Kunden bekannter. Besonders im Laufsport muss man sich Vertrauen verdienen. Sitzt ein Schuh nicht gut, hat ein Schuh eine Schwachstelle, hält ein Schuh nicht lange, führen die Kunden das auf die ganze Marke zurück. Man bildet das Vertrauen in eine Marke also am besten dadurch aus, indem man fantastische Produkte liefert. Erfahrene, langjährige Läufer wissen, dass wir Premium-Schuhe liefern und schätzen uns dafür. Aber es strahlt auch auf die Lifestyle-Läufer und Einsteiger aus, weil wir eben diese Glaubwürdigkeit unter den erfahrenen Läufern haben. Solange wir also weiterhin die besten Schuhe produzieren, werden wir automatisch bekannter. Wir sind noch lange nicht die Nummer Eins, gerade in Europa, aber wir machen enorme Fortschritte.

Wie sehen Sie Ihre Chancen in einem stagnierenden Markt?
Wir versuchen großartige Produkte zu entwickeln und den Kunden ein besonderes Erlebnis zu vermitteln, damit sie immer wieder zu Brooks greifen. Ich bin optimistisch und glaube nicht, dass der Markt kleiner wird. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass in zehn Jahren weit mehr Menschen laufen als heutzutage. Es ist gibt eine generelle Fitness- und Gesundheitsbewegung. Laufen steht dabei ganz klar im Mittelpunkt. Selbst wenn sich weniger Menschen als Läufer bezeichnen, laufen sie dennoch. Vielleicht als Ausgleich zum Alltag oder als Ergänzung zu ihrer Hauptsportart. Und selbst wenn Laufen nicht ihre primäre Sportart ist, tragen die allermeisten im Fitnessstudio, beim Crossfit oder bei welcher Aktivität auch immer Laufschuhe. Unsere Mission ist, jeden zu einem aktiven Lifestyle zu bewegen. Zudem sehe ich gute Perspektiven im Trailrunning.

Brooks hat im vergangenen Jahr eine selektive Handelspartnerschaft eingeführt und beliefert hauptsächlich stationäre Händler. Die Folge: Umsatzeinbußen von rund 15 Prozent. War es das wert?
Wir wussten, dass es einen Umsatzrückgang geben wird, bevor wir das Programm eingeführt hatten. Warum wir es dennoch getan haben: Wir sind verantwortlich dafür, dass unsere Kunden zufrieden mit den Produkten sind. Dafür benötigen wir Handelspartner, die ein Laufsortiment vermarkten, das glaubwürdig ist, und die den Kunden helfen, die richtigen Produkte zu finden. Wir möchten, dass unsere Partner unsere Produkte gut und richtig repräsentieren. Die selektive Handelspartnerschaft war richtig und wichtig, da Brooks in Europa noch im Anfangsstadium ist, seine Marke aufzubauen. Es ist unsere Aufgabe, gute Produkte zu liefern, und die Aufgabe der Händler, uns mit den Läufern in Verbindung zu bringen. Natürlich müssen wir als Marke heutzutage im Internet sein, das erwarten die Kunden, auch weil sich die Einkaufsgewohnheiten verändern. Viele informieren sich erst online und kaufen anschließend im Laden. Manche kaufen auch online. Für uns spielt die Verantwortung gegenüber unseren Kunden eine wichtige Rolle. Wir wollen die Nummer Eins in Amsterdam werden. Wir wollen die Nummer Eins in Hamburg werden. In Prag. In jeder kleinen Stadt. Wir brauchen die Händler in jeder Stadt, da Schuhe nie ausschließlich nur übers Internet gekauft werden. Davon bin ich überzeugt. Die Kunden wollen die Schuhe anziehen und ausprobieren. Sie wissen, dass sie die richtigen Schuhe brauchen, um sich nicht zu verletzen und lange Freude zu haben. Wurden Sie einmal gut beraten und haben den für sich richtigen Schuh gefunden, bleiben sie bei der Marke, weil sie ihr vertrauen. Es geht um Loyalität. Für diese Beratung brauchen wir die richtigen Händler.

Brooks ist bekannt für ein grünes Bewusstsein mit veganen Schuhen, recycelten Rohstoffen, nachhaltigen Büros und einer transparenten Lieferkette. Was steckt hinter diesem Bewusstsein?
Der Ursprung geht sicherlich auf unseren Unternehmensstandort in Seattle zurück. Seattle ist eine grüne Stadt, die Leute sind gerne in der Natur. Das gilt auch für unsere Mitarbeiter dort, die sich sehr für Nachhaltigkeit einsetzen. Zudem bekommen wir immer wieder Rückmeldungen unserer Kunden, die als Läufer natürlich gerne in der Natur unterwegs sind und uns fragen, was Brooks in Sachen Nachhaltigkeit, Sozialverantwortung und Umweltschutz macht. Es ist der richtige Weg, da es ein Unternehmenswert ist, der sich über die Jahre auszahlen wird. Es steht Brooks einfach gut zu Gesicht. Inzwischen stellen wir uns bei jeder Entscheidung die Frage: Können wir das verantworten? Können wir das nicht auch ökologischer umsetzen? Klar, es ist ein schmaler Grat, weil wir Produkte herstellen und sie über den gesamten Globus verschicken. Selbstverständlich hinterlassen wir dabei einen Fußabdruck. Aber wir machen auch großartige Fortschritte in den Letzten Jahren, diesen Fußabdruck zu verkleinern. So konnten wir zum Beispiel die CO2-Emmission pro Schuh auf 2,19 Kilogramm reduzieren. 2011 lag dieser Wert noch bei 2,55 Kilo. Ein weiteres Beispiel, auf das ich besonders stolz bin, sind unsere Verpackungen: Wir produzieren jedes Jahr 9 Millionen Schuhkartons. Das heißt auch, dass 9 Millionen Kartons weggeworfen werden. Seit 2009 bestehen die Schuhkartons daher aus 100 Prozent recyceltem Material und wir stopfen die Schuhe nicht mehr mit Papier aus. Durch diese Maßnahmen haben wird seitdem 250.000 Bäume verschonen können. Manchmal wünscht sich unser Marketing-Team aufwändigere Kartons, weil sie schön aussehen, aber das passt nicht zu Brooks. Ein Symbol für unsere CSR-Aktivitäten ist auch unser neues Hauptquartier. Das Gebäude arbeitet mit 75 Prozent weniger Wasser und Energie als ein normales Bürogebäude in den USA. Das ist aber recht leicht, weil es einfach neu gebaut wurde. Auf der Produktseite ist es eine größere Herausforderung, nachhaltiger zu sein, weil einerseits eine lange Lieferkette daran hängt und andererseits ein attraktives Produkt – preislich, optisch und funktional – dabei herumkommen muss. Die Kunden erwarten, dass wir so nachhaltig wie möglich produzieren, aber sie wollen noch nicht mehr dafür zahlen.

Welchen Laufschuhtrend werden wir als nächstes erleben?
Wir erleben gerade eine sehr dynamische Phase, in der viel passiert. Einen alles dominierenden Trend erkenne ich nicht. Allerdings denke ich, dass Performance-Produkte die Zukunft sind. Damit meine ich nicht den Schuh, mit dem jemand Weltrekorde läuft. Es geht um Komfort. Ein Schuh muss bequem sein. Das gilt bei der Anprobe im Geschäft, nach den ersten 20 Kilometern und erst recht bei Kilometer 42 im Marathon. Die Leute achten darauf, wie sich der Schuh anfühlt. Wir arbeiten stark an der Verbesserung unserer Mittelsohlenmaterials DNA und neuen Außenmaterialen. Zu diesem Gedanken zählt auch, das Zehenboxen etwas breiter werden, um den Zehen Platz zu geben.
Run Signature setzt ebenfalls hier an, da es ein Analyseverfahren ist, bei dem die Biomechanik des Läufers eine Rolle bei der Schuhauswahl spielt. Läufer wollen einen Schuh, der zu ihren Bedürfnissen passt, egal ob es ihnen um Geschwindigkeit, Dämpfung, Unterstützung oder Laufgefühl geht. Run Signature ist ein geniales Werkzeug, das wir in die Läden bringen. Es hilft unseren Kunden, ihren eigenen Körper zu verstehen, und uns, unsere Kunden besser zu verstehen. Was ist der richtige Schuh für sie? Welche Bedürfnisse haben sie? Wenn wir damit den richtigen Schuh verkaufen können, wächst wiederum das Vertrauen in uns als Marke.
Foto: iStockphoto.com / Vernon Wiley (oben)
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