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Smartwatch im Test Apple Watch 4 - Eine Uhr für Läufer?

Die neueste Apple Watch ist größer, schneller, lauter und ausdauernder als die Vorgängerversion. Aber macht das die Smartwatch zu einer guten Laufuhr? Ein Test.

Apple Watch Series 4 +
Foto: RUNNER’S WORLD

Auf dem größeren Display der Apple Watch 4 bleibt mehr Platz für Apps, was die Übersicht verbessert und die Bedienung erleichtert.

Die neueste, vierte Version der Apple Watch ist ganz sicher eine gute Smartwatch. Dies zu bewerten überlasse ich aber mal den Kollegen der entsprechenden Computer-Fachzeitschriften – ich konzentriere mich an dieser Stelle ausschließlich auf die Eignung der Apple Watch Series 4 als Uhr für Läufer. Dabei achte ich vor allem darauf, welche Unterschiede es zur Apple Watch Series 3 gibt, die ich im vergangenen Jahr bereits getestet habe.

Größere Displays

Fangen wir bei den äußeren Werten an. Die Apple Watch Series 4 ist im Vergleich zur Vorgängerversion in beiden verfügbaren Gehäusegrößen um zwei Millimeter gewachsen, sodass es nun ein 40-Millimeter- und ein 44-Millimeter-Gehäuse gibt. Die Displays fallen jetzt rund 30 Prozent größer aus – auch weil sie nicht mehr eckig, sondern der runderen Gehäuseform angepasst sind und die Ränder schmaler ausfallen. Dieses Mehr an Platz ist wirklich angenehm, weil so die Displaydarstellung vergrößert wird und die Bedienung leichter fällt. Wer also den Inhalt auf Uhren sonst nur mit Mühe entziffern kann und mit seinen Fingern nur schwer die kleinen Symbole auf dem Display trifft, könnte nun glücklich werden. Die Änderungen erlauben es Apple überdies, mehr Infos in Form von Symbolen und Zeilen auf das Display zu packen. In der Trainings-App (dazu weiter unten mehr) können sich Sportler fünf Messwerte anzeigen lassen. Gleichzeitig ist die Apple Watch 4 0,7 Millimeter dünner. Am Arm fallen diese Neuerungen kaum auf. Selbst an dünnen Handgelenken wirkt das größere Gehäuse nicht klobig.

Besserer Akku

Laut Apple soll die Smartwatch trotz größerem Display und schnellerem Prozessor über eine bessere Akkulaufzeit verfügen. Bei Outdoor-Sportarten ist mit eingeschaltetem GPS von sechs Stunden die Rede. Im Test zeigte die Uhr nach einem 5:14 Stunden langen Trainingslauf noch einen Ladestand von acht Prozent an – für die Mehrheit der Läufer macht die Apple Watch 4 also selbst bei einem Marathon nicht schlapp. Im Alltag bleibt alles beim Alten: Wer die Uhr normal nutzt und dann noch ein Training aufzeichnet, muss sie täglich laden.

Apple Watch Series 4 +
Foto: RUNNER’S WORLD

Die Apple Watch Series 4 misst wie die Vorgänger die Herzfrequenz mittels optischem Sensor in der Gehäuseunterseite. Neu sind die Keramikoberfläche sowie die Sensoren zur EKG-Messung.

Neue Features

Beworben wird die Smartwatch von Apple seit jeher vor allem mit ihrem Nutzen für die Gesundheit. Als Aktivitätstracker zeichnet die Smartwatch Bewegung auf, setzt aber auch Ziele und motiviert so seit der ersten Version vor vier Jahren viele Träger zu mehr Aktivität. Doch es geht auch um handfeste Gesundheitswerte: Der in die Gehäuseunterseite integrierte optische Herzfrequenzssensor misst die Herzfrequenz und warnt nun nicht mehr nur bei ungewöhnlich hoher (100 Schläge in Ruhephasen), sondern auch niedriger Herzfrequenz (unter 40 Schläge über einen Zeitraum von 10 Minuten) – beides kann auf ernste Gesundheitsprobleme hindeuten. Klar, extrem austrainierte Ausdauersportler haben manchmal einen extrem niedrigen Ruhepuls. In so einem Fall lässt sich die Funktion auch generell ausschalten. Übrigens misst der Herzfrequenzsensor im Test bei allen Läufen erstaunlich gut.

Doch auf eine Funktion ist Apple besonders stolz: die EKG-Funktion. Die Apple Watch Series 4 Uhr soll in gerade mal 30 Sekunden ein Elektrokardiogramm erstellen. Noch ist diese Funktion nicht verfügbar (Stand: 02. Oktober), soll aber durch ein Update der Software (watchOS) nachgeliefert werden. So wird mit der neuen Apple Watch Series 4 das Szenario immer realistischer, bei dem die Smartwatch zum verlängerten Arm des Arztes wird.

Ebenfalls positiv auf die Gesundheit kann sich eine Funktion namens Sturzerkennung auswirken. Dabei soll die Apple Watch mittels der integrierten Beschleunigungssensoren Stürze erkennen und den Träger erst nach seinem Befinden fragen und dann, sollte eine Rückmeldung ausbleiben, selbstständig die Notfallkontakte kontaktieren und einen Notruf mitsamt Koordinaten absetzen. Für Läufer, die etwa im Wald ungünstig stürzen, kann das eine lebensrettende Funktion sein. Im Testzeitraum ereignete sich (zum Glück) kein echter Sturz – und bei gestellten Stürzen passierte auch nichts, obwohl die Funktion eingeschaltet war.

Fehlende Rückmeldung

An der Grund-Bedienung hat sich nichts geändert. Es gibt an der rechten Gehäuseseite eine drehbare Krone und einen Knopf. Die meisten Befehle erfolgen über das Touchdisplay, welches sich schnell aktiviert, wenn man den Arm hebt und empfindlich auf Fingereingaben reagiert. Doch wie ich schon im letztjährigen Testbericht geschrieben habe, komme ich damit vor allem beim Sport nicht wirklich klar. Jede Eingabe muss ich mit einem Blick auf das Display kontrollieren. Es fehlt die Rückmeldung. Ein Touchdisplay kann für mich keine Knöpfe ersetzen. Apple scheint es ähnlich sehen und spendiert der drehbaren Krone immerhin ein haptisches Feedback. Heißt: Sie vibriert beim Drehen leicht.

Optimierte Trainings-App

Mehr Funktionen hat Apple auch der Trainings-App in watchOS 5 spendiert, welches auch auf älteren Apple Smartwatches läuft. Neben Laufen zeichnet die App auch viele weitere Sportarten auf. Beim Laufen gibt es vier Funktionen, die erwähnenswert sind:

1. Die Uhr erkennt nun von selbst, dass man aktiv ist und fragt, ob man eine Aktivität starten möchte. Gleiches gilt, wenn man vergisst, eine Einheit zu beenden.

2. Vor einem Lauf kann man "Pace-Hinweis" auswählen. Ist dieser Modus aktiv, meldet sich die App, wenn man zu schnell oder zu langsam ist. Dabei kann man wählen ob dabei die Durchschnitts-Pace aller gelaufenen Kilometer berücksichtigt wird oder die des "rollenden Kilometers".

3. Beim "rollenden Kilometer" misst die Uhr das Tempo, dass man im Schnitt auf dem zurückliegenden Kilometer gelaufen ist. Dabei aktualisiert sie den Wert konstant (sekündlich), was dazu führt, dass man sehr gleichmäßig laufen kann. Übrigens ist es möglich, den "rollenden Kilometer" als Datenfeld der Trainings-App permanent angezeigt zu bekommen.

4. Neu ist ebenfalls, dass die Apple Watch nun auch die Schrittfrequenz misst und anzeigt.

Was leider immer noch fehlt, ist die Möglichkeit, eine Einheit auf der Uhr auszuwerten. Hierfür muss stets das Smartphone bemüht werden, welches übrigens unbedingt ein iPhone (5s oder neuer) sein muss.

Genaue Sensoren

Bei allen Testläufen fiel mir auf, dass die Apple Watch Series 4 bei allen Messwerten (Distanz, Geschwindigkeit, Höhe und Herzfrequenz) überzeugende und verlässliche Werte liefert. Als Referenz diente eine Fenix 5 von Garmin mit Pulsgurt. Zeigte die Apple Watch Series 3 gerade beim Puls noch Fantasiewerte an, konnte ich ein solches Verhalten bei der Series 4 nicht beobachten. Die Apple Watch Series 4 besitzt damit den ersten optischen Herzfrequenzsensor, der mich positiv beeindruckt.

Herunterladbare Podcasts

Viele Läufer hören auf ihren Runden Musik oder Podcasts. Wieso auch immer, war es bislang nicht möglich, Podcasts auf der Uhr zu speichern und offline (ohne Smartphone) zu hören. Mit watchOS 5 besteht diese Möglichkeit nun. So synchronisiert die Uhr neue Folgen der abonnierten Podcasts selbstständig, sobald sie geladen wird und mit einem W-LAN verbunden ist.

Lautere Laufsprecher

Apropos offline: Natürlich verfügt auch die Apple Watch 4 in der Cellular-Variante (ab 529 Euro) über eine eingebaute SIM (eSIM). Ein dafür benötigter Multi-SIM-Tarif, den es bislang nur von Telekom und Vodafone gibt, kostet rund fünf Euro zusätzlich zum normalen Mobilfunktarif. Dank eSim funkt die Apple Watch ins Mobilfunknetz, sodass Anrufe, E-Mails und alles, was übers Mobilfunknetz funktioniert, ohne iPhone in der Tasche klappen – sind Smartphone und Uhr jedoch in Reichweite, nutzt die Uhr die Verbindung des Smartphones. Wer beim Laufen telefonieren und/oder Sprachnachrichten verschicken möchte, wird sich freuen, dass die Apple Watch Series 4 nun deutlich lauter ist. Bei Probe-Telefonaten an befahrenen Straßen konnte man mit der Uhr problemlos telefonieren.
Apple Watch Series 4 +
Foto: RUNNER’S WORLD

Leider gibt es nach wie vor keine Ansicht der absolvierten Trainingseinheiten auf der Apple Watch – dafür muss man die "Aktivität"-App des iPhone bemühen.

Eindeutiges Fazit

Schon die dritte Apple Watch war eine tolle Smartwatch, mit der die meisten Läufer, denen es darum geht, zu wissen wie weit und wie schnell sie gelaufen sind, bestens ausgekommen wären. Die Apple Watch Series 4 ist meiner Meinung nach nun noch eine Nuance mehr für Läufer geeignet – vornehmlich wegen der genaueren Messung von Herzfrequenz und GPS sowie der verbesserten Akkulaufzeit. Ich persönlich würde sie aber nicht als "meine" Laufuhr wählen, weil mir die Bedienung auf dem Touchscreen zu wenig intuitiv ist. Die vierte Version bekommt von mir daher die gleichen Plus- und Minus-Punkte zugerechnet wie die dritte. Einziger Unterschied: Diesmal überzeugen mich die Messwerte der GPS-, Herzfrequenz- und Höhen-Sensoren.

tolle Verarbeitung

unzählige Apps

barometrischer Höhenmesser

genauer optischer Herzfrequenzsensor

logische Bedienung, aber ...

Touch-Bedienung beim Laufen nicht blind möglich

Smartwatch-typische Akkulaufzeit

Tester: Henning Lenertz
Testprodukt: Apple Watch Series 4
Testdauer: 2 Wochen
Kaufpreis: ab 429 Euro (Cellular: ab 529 Euro)
Webseite: www.apple.de
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Autor: Henning Lenertz 03.10.2018
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