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Nachhaltigkeit

Unsere Tipps So wird Laufen nachhaltiger

Auch als Läufer könnten wir mehr für die Umwelt tun. Wir haben ein paar Vorschläge, die sich ganz einfach umsetzen lassen.

Das Laufen an sich ist eine nachhaltig umweltfreundliche Aktivität: Es erfordert kaum Ausrüstung, keine besondere Infrastruktur und man kann gleich vor der Haustür loslegen“, sagt Paul Suski vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Na prima! Können wir Läufer uns also beruhigten Gewissens zurücklehnen? „Die Herausforderung liegt in den nicht integralen Bestandteilen des Sports“, präzisiert Suski. „Wenn man zum Beispiel regelmäßig mit dem Auto in den Wald fährt, um dort eine Runde zu joggen, ist das schon eine relevante Umweltbelastung.“

Konsum sollte nicht zum Ablasshandel werden

Jeder Läufer weiß: Zu einer zielführenden Marathonvorbereitung gehört, dass man sich auch anstrengenden Trainingseinheiten stellt. Im Schongang gibt’s kein gutes Ergebnis. Mit dem Schutz der Umwelt verhält es sich ähnlich: Allein durch den Kauf recycelter Laufschuhe und fair gehandelter Textilien retten wir nicht den Planeten. Wir sollten nicht in die Falle tappen, die korrekten Konsum zum Ablasshandel werden lässt, mit dem wir uns ein gutes Gewissen erkaufen. Läufer können viel mehr tun! Natürlich erfordert das ein wenig Anstrengung. Aber uns anstrengen, das können wir Läufer doch, oder?

Wir stellen Ihnen einige Tipps zu den Themen Mobilität, Ernährung und Ausrüstung vor – damit können Sie Ihr Läufer-Leben nachhaltiger gestalten.

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Gut 1600 Starter aus Deutschland fliegen jedes Jahr zum weltgrößten Marathon in die USA. Zu den unangenehmen Wahrheiten des Umdenkens für ein besseres Klima gehört, dass wir auf derartige Reisen besser verzichten. „Statt eines Fluges nach New York könnte man von Berlin aus 62 ­mal mit dem Zug zum Marathon nach Paris reisen“, rechnet Paul Suski vor. Der Verzicht auf Flugreisen bedeutet ein gewaltiges Einsparpotenzial in Sachen CO2. Wer das Flair internationaler Stadtmarathons liebt, wird in Europa großartige Alternativen fnden, die bequem per Bahn erreichbar sind: Wien, Kopenhagen, London, Prag, Paris – alles wunderbare Ziele.

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Mit dem Auto zum Training?! Wie kommen Sie zum Startpunkt Ihrer Laufrunden? Laufend ja wohl, oder? Es heißt schließlich Lauftraining. Aber was fällt an den Startpunkten von Lauftreffs am meisten auf? Die vielen Autos. Wir verpesten erst mal die Luft, um sie dann beim Laufen tief einzusaugen. Schluss mit der Bequemlichkeit! Mit Fantasie und gutem Willen kann man solche Fahrten auf ein Minimum beschränken. Eine Option: von der Arbeit oder daheim zum Training laufen und eine lange Einheit daraus machen. Wir müssen andere Prioritäten setzen, wenn wir der Umwelt Gutes tun wollen.

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Am Müll nicht vorbeilaufen: Wenn wir schon laufen, warum nicht dabei Müll sammeln? Der Begriff Plogging ist aus Schweden, zusammengesetzt aus den Wörtern plocka (schwedisch: pflücken, aufheben) und Jogging. In den letzten Jahren breitete sich der Trend über Skandinavien weltweit aus. Es gibt einige Events zum gemeinsamen Müllsammeln, aber es klappt auch eine Nummer kleiner, allein oder mit Lauffreunden zusammen organisiert: Laufrucksack aufsetzen, Müllsack rein und los geht’s in den Park oder Wald. Positive Zusatzffekte: Man macht Gymnastik nebenbei und schärft das Umweltbewusstsein.

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Mehr Radfahren – ohne Strom: Wer das Rad für den Weg zur Arbeit nutzt, absolviert ein super Ergänzungstraining und verliert kaum Zeit dabei. Radfahren kräftigt die Beinmuskulatur und verhindert einseitige Belastung, wenn wir höhere Trainingsumfänge für große Vorhaben abspulen müssen. Einige Arbeitgeber unterstützen dies, indem sie Möglichkeiten zum Duschen und Umkleiden bieten (falls nicht, Betriebsrat fragen!). E­-Biken ist für die Umwelt zwar besser als Autofahren, doch die Ökobilanz der Pedelecs fällt wegen der nur begrenzt recycelbaren Akkus schlechter aus als beim normalen Fahrrad.

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Weniger Fleisch und Wurst, mehr Obst und Gemüse: Durch vegetarische Ernährung ließe sich die globale Emission von Treibhausgasen im Nahrungsmittelsektor in den nächsten drei Jahrzehnten um bis zu 70 Prozent reduzieren, wie eine Studie der Universität Oxford zeigt. Laut Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz trägt bei uns in Deutschland „die Ernährung jährlich mit rund 1,75 Tonnen an den klimarelevanten Emissionen pro Person zu den Treibhausgasemissionen durch privaten Konsum“ bei. Das ist ungefähr genauso viel, wie durch Mobilität entsteht. Wenn Sie Ihren

Fleisch- und Wurstkonsum deutlich einschränken und dafür mehr Obst und Gemüse essen, tun Sie also nicht nur etwas für Ihre Fitness und Gesundheit, sondern auch für die Umwelt.

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Regionale Produkte kaufen:Frisches Obst und Gemüse verlieren durch Lagerung und Transport viele Vitamine und Nährstoffe. Produkte aus der Region, die nach der Ernte schnell im Handel sein können, sind hier im Vorteil. Wenn man für den Einkauf nicht kilometerweit mit dem Auto zum Bauernhof fährt, sondern „das Essen von nebenan“ auf dem Wochenmarkt im Viertel kauft, ist es besser fürs Klima, da es nicht um den halben Erdball geschippert werden muss. Aber: „Zwischen April und August hat der saisonale Apfel aus Neuseeland einen kleineren ökologischen Fußabdruck als der über Monate gelagerte deutsche Apfel aus dem Vorjahr“, sagt Paul Suski. Die energieintensive Kühlung über so lange Zeit schlägt stärker zu Buche als der Transport per Schiff.

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Die Saison beachten: Erdbeeren im Februar, Spargel im September – betrachtet man die Obst- und Gemüsetheken im Supermarkt, scheint es nie an irgendetwas einen Mangel zu geben. Aber die obendrein noch preisgünstige, fast ganzjährige Versorgung geht zulasten schlecht bezahlter Tagelöhner und der Umwelt, die durch weitläufige Monokulturen, lange Transportwege und gigantische Plastikplanen zur Verlängerung der Saison geschädigt wird. Als Läufer wissen wir, wie gute Saisonplanung funktioniert. Übertragen wir diese Fähigkeit auf den Einkauf, dann setzen wir im Herbst auf Kürbis, Äpfel und Birnen, im Winter auf Kohl und Wurzelgemüse, im Sommer auf Beeren und Salat. Schöner Nebeneffekt: Die Qualität ist besser und die Preise sind niedriger. Saisonkalender, die man ausdrucken und sich zur täglichen Erinnerung an den Kühlschrank kleben kann, findet man zuhauf im Internet.

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Bio ist nicht immer besser: Bioprodukte sind auf dem Vormarsch. Sogar beim Discounter, wo Lidl mit zertifizierter Ware aus dem Verband Bioland neue Maßstäbe setzt. Dabei ist auch der ökologische Landbau kein Musterbeispiel für nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherheit, wie die Universität Göttingen in einer Metastudie herausfand. So benötigt er deutlich mehr Fläche als der konventionelle, was zulasten von Wäldern und anderen natürlichen Lebensräumen geht. Außerdem sind einige Bio-Pestizide wie Kupferverbindungen keinesfalls unbedenklich und importierte Ware verursacht hohe Emissionen durch lange Transportwege. Nötig wäre eine intelligente Kombination aus ökologischen und konventionellen Methoden, so die Forscher. Für den Verbraucher ist die Sache aber nicht allzu kompliziert: Denn wer regionale und saisonale Erzeugnisse kauft, die möglichst bio sind, macht schon viel richtig.

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Bye-bye, Pastaparty! Vor einem Marathon müssen die Energiespeicher des Körpers gut gefüllt sein. Deshalb geben viele Veranstalter am Abend vor dem Marathon Pastapartys, bei denen bergeweise Nudeln vertilgt werden können. Aber das ist nicht besonders gut für die Umwelt: Berechnungen des Schweizer Unternehmens Eaternity weisen für Weizennudeln fünfmal höhere CO2-Emissionen aus als für frische Kartoffeln. Kein Wunder, handelt es sich doch um ein hochverarbeitetes Getreideprodukt. Eine gute Alternative: In Thüringen werden bei Laufveranstaltungen wie dem Rennsteiglauf traditionell Kartoffelklöße zum Carboloading serviert. „Wenn jeder von uns sich dreimal pro Woche klimafreundlich ernähren würde, ergäbe das die gleiche Treibhausgas-Einsparung wie ein Sechstel weniger Autos auf den Straßen“, sagen die Experten von Eaternity. Das kann doch eigentlich nicht so schwer sein!

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Kleidung bewusster kaufen: Auch Läufer sind nur Menschen: Wenn wir uns belohnen wollen, etwa für ein Wettkampfergebnis oder als Entschädigung für eine Verletzungspause, gehen wir shoppen. Und natürlich achten wir auf das Aussehen und erwerben gleich mehrere, farblich zueinander passende Laufsets aus Shirts, Shorts und Socken. Dabei sollten wir wissen, dass die Textilbranche – nach der Ölindustrie – der zweitgrößte Verursacher klimaschädlicher Emissionen ist. Dazu kommen ein enormer Verbrauch und die starke Verschmutzung von Wasser – Tendenz steigend. Die sogenannte Fast Fashion, also der Trend zu Kollektionen mit immer kürzerer Halbwertszeit, trägt erheblich zu dieser Entwicklung bei. Lösung: Weniger, dafür wertigere und haltbare Kleidung kaufen oder gebraucht erwerben. Wie das erfolgreich funktioniert, zeigt die Facebook-Gruppe Trailrunners Börse mit über 6000 Mitgliedern aus Deutschland.

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Mehr als ein paar Laufschuhe parallel nutzen: Die beste Nachricht für konsumfreudige Läufer betrifft die Schuhauswahl. Hier darf es auch gern ein zweites oder drittes Paar zum Wechseln sein. Hintergrund: Wer regelmäßig mehrmals pro Woche läuft, verlängert so die Haltbarkeit der Schuhdämpfung vieler Modelle, denen Erholung guttut. Auf lange Sicht besteht solides Einsparpotenzial beim Schuhverbrauch – wenn man es nicht übertreibt und für jeden Wochentag ein anderes Modell (oder gar mehrere) im Schrank hat.

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Wolle oder Kunstfaser? Gemessen an den Potenzialen bei Ernährung, Mobilität und der Kleidungsmenge schlägt die Frage der Materialwahl für den Schutz der Umwelt kaum zu Buche. Trotzdem ergeben sich positive Effekte, wenn man auf langlebige, gut verarbeitete Textilien setzt. Baselayer mit Schurwollanteilen hemmen die Geruchsbildung und landen deshalb seltener in der Wäsche, was die Haltbarkeit erhöht und den Energie- sowie Wasserverbrauch senkt. Vorreiter auf dem Gebiet der Geruchshemmung ist der schwedische Hersteller Polygiene, der in seinen Textilien Silbersalze verarbeitet, welche aus Industrieabfällen recycelt werden und sich nicht

auswaschen. Im Herbst kommt die Firma mit einem neuen Stoff namens Odor Crunch auf den Markt, der mit Bestandteilen von Quarzsand auf mechanische Weise Geruchsmoleküle zerlegen soll.

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Weniger waschen: Eine der effektivsten und dennoch stark unterschätzten Möglichkeiten, die Umwelt zu schonen, besteht ganz einfach darin, weniger zu waschen. Experten schätzen, dass 50 Waschmaschinengänge für ein Shirt in etwa der Umweltbelastung gleichkommen, die mit der Herstellung eines Neuteils verbunden ist. Ein einfacher Trick, um viele Waschgänge zu sparen (und die Geruchsbildung zu reduzieren): Nach dem Training das Laufshirt mit unter die Dusche nehmen und kurz auswaschen. Das Wasser läuft ja sowieso.

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PFC vermeiden: Für die Herstellung regendichter Sportkleidung werden oft perfluorierte Kohlenwasserstoffe (auch: Fluorcarbone oder PFC) verwendet. „PFC sind extrem langlebige chemische Verbindungen, die in der Natur nicht abgebaut werden können. Einige können Krebs und weitere gesundheitliche Schäden verursachen und sind schon aus vielen Herstellungsprozessen verbannt“, erklärt Manfred Santen von Greenpeace. Andere dagegen werden noch eingesetzt, obwohl ihre Unbedenklichkeit nicht einwandfrei geklärt ist. Dabei gibt es schon Alternativen.

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Schuhe & Ausrüstung Schuhe & Ausrüstung Ausprobiert: Plogging Beim Laufen Müll sammeln?

Beim "Plogging" wird die Laufrunde zum Müllsammeln genutzt.

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