Immer mehr Menschen zieht es ins Grüne, ob beim Wandern oder Laufen. Trailrunning auf Naturpfaden boomt – und bringt eine Menge Probleme mit sich. Sobald sich eine kritische Masse abseits von Straßen und Siedlungen bewegt, ist es mit der Idylle vorbei. Das, was wir als so schön empfinden, wird von uns selbst bedroht. Ein Dilemma, für das es nicht die eine große, simple Lösung gibt. Wir können aber einiges tun, um umweltschonend unterwegs zu sein und unseren CO2-Fußabdruck so klein wie möglich zu halten.
Was bedeutet Nachhaltigkeit im Trailrunning?
Beim nachhaltigen Trailrunning geht es darum, verantwortungsbewusst und schonend mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Das betrifft dich selbst sowie Sportartikelhersteller, Tourismusverbände und Laufveranstalter – im Grunde alle, die in irgendeiner Weise mit dem Sport zu tun haben. Jede(r) achtet im Idealfall darauf, dass er ökologisch, wirtschaftlich und sozial so handelt, dass die Umwelt für nachfolgende Generationen erhalten bleibt und auch diese die Trails noch genießen können. Konkret bedeutet das für dich:
- Du läufst ökologisch nachhaltig, indem du die Auswirkungen deiner Trailruns auf Natur und Ökosysteme durch eine schonende Nutzung von Wegen und sensiblen Lebensräumen weitmöglichst minimierst.
- Sozial nachhaltig bist du unterwegs, wenn du auf einen rücksichtsvollen und konfliktarmen Umgang mit anderen Nutzergruppen wie Wanderern und natürlich der einheimischen Bevölkerung achtest.
- Mit dem Kauf langlebiger, umweltverträglicher Kleidung und Ausrüstung sowie einer verantwortungsvollen Mobilität (Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln) handelst du ökonomisch nachhaltig.
Nachhaltige Trailrunning-Ausrüstung: Was du beachten solltest
Wer billig kauft, kauft zweimal: eine Binsenweisheit, die aber beim Laufen doppelt und dreifach gilt. Gerade beim Trailrunning muss die Ausrüstung einiges aushalten und Billigprodukte gehen schnell kaputt. Das ist ökologisch und ökonomisch ein Desaster, da nicht nur Ressourcen bei der Herstellung verschwendet werden, sondern auch unnötig viel Müll anfällt. Ein gutes Beispiel sind Stöcke fürs Traillaufen. Hier gibt es sehr viele preiswerte Angebote bei Faltstöcken, unter anderem bei Discountern. Der Mechanismus ist jedoch empfindlich – so waren bei meinem ersten Paar Stöcke die Spannseile schon nach kurzer Zeit ausgeleiert, die Segmente baumelten in der Luft. Das zweite Paar der Marke Komperdell habe ich dagegen seit Jahren. Es wurde vom Hersteller einmal kostenlos repariert: Diesen Gratis-Service bietet die Firma drei Jahre lang an.
Langlebigkeit und Reparierbarkeit sind zwei elementare Faktoren, auf die du bei der Anschaffung von Trailrunning-Ausrüstung achten solltest. Weiterhin sind folgende Punkte wichtig:
- Verwendung schadstoffarmer Materialien: Bevorzuge nachhaltige Laufbekleidung. Sie besteht nicht aus erdölbasierten Kunstfasern, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen wie Merinowolle oder Lyocell (Tencel). Diese Materialien sind außerdem biologisch abbaubar und belasten die Umwelt beim Waschen nicht mit Mikroplastik-Abrieb.
- Hoher Recyclinganteil: Besteht die Ausrüstung zu einem möglichst hohen Anteil aus recyceltem Polyester, reduziert das Plastikmüll. Umgekehrt sind nachhaltige Laufschuhe, Laufrucksäcke, Trinkgürtel, Flasks und Kleidung im besten Fall selbst wiederverwendbar – das ist heute aber nur bei einem kleinen Teil des Trailrunning-Equipments der Fall.
- Umweltfreundliche Imprägnierungen und Membranen: Gerade beim Trailrunning kommen häufig wasserdichte Jacken, Hosen und Laufschuhe zum Einsatz. Achte auf PFAS- und PFC-freie Produkte – diese Chemikalien reichern sich in der Umwelt an und belasten Böden und Wasser.
- Funktionserhalt und Waschintervalle: Bei nachhaltiger Ausrüstung kannst du die Funktion idealerweise selbst aufrechterhalten, zum Beispiel durch die Auffrischung der Imprägnierung. Laufbekleidung aus Merinowolle stinkt nicht nach Schweiß, sodass du sie seltener waschen musst – auslüften reicht oft.
- Soziale Standards beachten: Nachhaltigkeit umfasst auch faire Arbeitsbedingungen bei der Rohstoffgewinnung und Produktion der Trailrunning-Ausrüstung. Siegel wie Fair Wear helfen dir, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Umweltbewusstes Trailrunning: Tipps für Trailrunner
Mit einer sorgfältig gewählten Ausrüstung legst du die Basis für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Mit einem bewussten Verhalten auf dem Trail leistet du einen weiteren Beitrag gegen Klimawandel, pro Flora und Fauna sowie zur Abfallvermeidung.
Kurze Wege zum Trail
Trailrunning vor der Haustür erspart lange Anreisen – auch ein kleiner Waldpfad um die Ecke verspricht schöne Trainingseinheiten. Lässt sich eine Anfahrt nicht vermeiden, kannst du das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen und so deinen CO2-Abdruck verkleinern. Fahrgemeinschaften sind eine weitere Möglichkeit, den Schadstoffausstoß zu verringern.
Wege nicht verlassen
Vermeide es, beim Trailrunning Serpentinen zu schneiden und Abkürzungen zu folgen. Das zerstört die Vegetation, fördert Erosion und macht Berghänge instabil – insgesamt ein empfindlicher Eingriff ins Ökosystem: Kleine Unachtsamkeiten können hier auf Dauer große Auswirkungen haben. Ein Sicherheitsplus ist es obendrein, wenn du nicht vermeintlichen Abkürzungen folgst – so mancher Trampelpfad endet in unwegsamem Gelände.
Auf Wildtiere Rücksicht nehmen
Halte dich an die temporären Betretungsverbote von Wald-Wild-Schongebieten. Auf Tourenplattformen wie Outdooractive sind sie ausgewiesen. Planst du einen Trailrun, siehst du sofort, wo du laufen darfst und wo nicht. Meide auch möglichst Läufe in der Morgen- und Abenddämmerung, vor allem im Winter. Das Wild ist in dieser Zeit aktiv auf Nahrungssuche und sehr störanfällig. Vermeide immer unnötigen Lärm, um die Tiere nicht unnötig aufzuschrecken.
Zero Waste und Plogging
Dass du deinen Abfall nicht in die Natur schmeißt, sollte selbstverständlich sein. Besonders umweltverträglich ist es, wenn du selbst gemachte Energieriegel und -gels benutzt. In wiederverwendbare Verpackungen wie Bienenwachspapier gewickelt, spart das eine Menge Abfall. Gels kannst du in die Fläschchen von Trinkgürteln oder in Flasks füllen. Müllsammeln unterwegs (Plogging) ist ein aktiver Beitrag zum Naturschutz.
Nachhaltige Events bevorzugen
Achte bei der Saisonplanung darauf, umweltfreundliche Trailrunning-Wettkämpfe zu favorisieren. Wichtige Punkte sind Abfallvermeidung, Logistik, Streckenführung und regionale Wertschöpfung.
Nachhaltige Trailrunning-Events und -Veranstaltungen
Wie sehen solche Läufe konkret aus und wie findest du sie? Nachhaltige Trailrunning-Wettbewerbe zeichnen sich durch ein schlüssiges Umweltkonzept mit folgenden Bestandteilen aus:
Ökologische Streckenplanung
Die Natur sollte nach der Veranstaltung möglichst so aussehen wie vorher. Dafür kann der Veranstalter einerseits durch eine verträgliche Streckführung über vorhandene Pfade sorgen, andererseits durch eine Limitierung der Teilnehmerzahl. Ein kleines Starterfeld ist für die Umwelt und Tierwelt verträglicher. Die Streckenmarkierung sollte mit biologisch abbaubaren Farben und wiederverwendbaren Markierungen erfolgen. Nach dem letzten Läufer bzw. der letzten Läuferin sollten Fähnchen, Bänder und Co. abgebaut und Müll eingesammelt werden.
Logistik- und Mobilitätsmanagement
Die An- und Abreise der Teilnehmenden macht bis zu 80 % der gesamten CO2-Bilanz einer Veranstaltung aus. Deshalb ist eine Partnerschaft mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr wirksam – gilt die Startnummer als Fahrkarte, reisen die Läuferinnen und Läufer eher mit Bus oder Bahn an. Auch Shuttle-Busse zum Start bzw. Ziel reduzieren den Individualverkehr.
Abfallvermeidung und Ressourcenmanagement
Auf einer nachhaltigen Trailrunning-Veranstaltung kommen so wenig Einwegmaterialien wie möglich zum Einsatz. Das bedeutet keine Plastikbecher an den Verpflegungsstationen, sondern du musst Faltbecher oder Flasks selbst mitbringen. Statt gedruckter Programmhefte oder Starterlisten gibt es die Infos digital, in den Starterpaketen sind keine unnötigen Goodies enthalten. Finishershirt und -medaille gibt es optional oder aus hochwertigen bzw. umweltfreundliche Materialien – immer mehr Veranstalter setzen etwa auf Medaillen aus Holz.
Regionale Wertschöpfung und Klimabilanz
Eine Kooperation mit Partnerhotels, -pensionen und Campingplätzen stärkt die heimische Wirtschaft. Das gilt auch, wenn es an den Verpflegungsständen bevorzugt Lebensmittel von Erzeugern aus der Region gibt. Ein Angebot an veganer Nahrung auf der Strecke und bei der Zielverpflegung verbessert die Klimabilanz.
Soziale Nachhaltigkeit und Inklusion
Im Hinblick auf die soziale Komponente, sollten Dienstleister des Trailevents fair bezahlt und freiwillige Helfer mit einer kleinen Wertschätzung wie Volunteer-Ausrüstung und Gratis-Verpflegung bedacht werden. Die aktive Förderung der Teilnahme von unterrepräsentierten Gruppen kommt der Diversität und Inklusion zugute.
Nachhaltigkeit und Naturschutz beim Trailrunning
Um die Natur und ihre Bewohner beim Trailrunning bestmöglich zu schützen, empfehlen sich folgende Maßnahmen, die vielleicht nicht so offensichtlich sind:
- Dosiere Nachtläufe und setze deine Stirnlampe zurückhaltend ein. Die höchste Helligkeitsstufe ist eine regelrechte Lichtverschmutzung für Tiere – wähle möglichst eine niedrigere Helligkeit und wärmere Farbtemperaturen.
- Schleppe keine Keime in andere Gebiete. Die Erreger der Salamanderpest etwa können an Laufschuhsohlen haften und so in bisher verschonte Gebiete gelangen. Für geschützte, seltene Arten wie den Feuersalamander kann das tödlich enden. Warst du in einem verseuchten Terrain laufen, solltest du anschließend die Sohlen reinigen, bevor du woanders auf den Trail gehst.
- Das Pflücken geschützter Pflanzenarten wie Edelweiß ist selbstredend tabu. Gehe aber auch mit anderer Flora sorgsam um und vermeide Querfeldeinläufe durchs Unterholz und Jungbaumanpflanzungen.
- Benutze biologisch abbaubare Sonnencremes und Lippen-/Hautpflegeprodukte. Es mögen geringe Spuren sein, die du in der Natur über den Schweißverlust hinterlässt – aber bei tausenden Besuchern täglich summieren sie sich.
- Bist du mit Hund unterwegs, solltest du ihn zum Schutz von Wildtieren anleinen bzw. konsequent bei Fuß führen. Füttere Tiere nicht an oder streichle sie gar – Rehkitze etwa werden durch den menschlichen Geruch von ihren Müttern dann nicht mehr angenommen.
- Musst du ein Geschäft erledigen, grabe es bitte ein – Waldbesitzer, Jäger und Bauern ärgern sich zu Recht über offene Hinterlassenschaften. Papiertaschentücher bzw. Klopapier gehören mitgenommen, zum Beispiel im Hundekotbeutel.
Checkliste: 10 Tipps für nachhaltiges Trailrunning
Mit der folgenden Checkliste kannst du die wichtigsten Punkte für ein nachhaltiges Trailrunning abhaken:
✅ 1. Kurz anreisen: Ab der Haustür oder mit Bahn, Bus, Fahrrad oder Fahrgemeinschaft.
✅ 2. Auf den Wegen bleiben: Vermeide Abkürzungen, Querfeldeinpassagen und Serpentinen schneiden.
✅ 3. Wildtiere schützen: Beachte Betretungsverbote und Schonzeiten, meide die Dämmerung und mache keinen unnötigen Lärm.
✅ 4. Nutze hochwertige Trailrunning-Ausrüstung: Bevorzuge langlebige Produkte aus nachhaltigen Materialien und mit PFAS-/PFC-freien Imprägnierungen.
✅ 5. Nimm deinen Müll mit: Lasse nichts in der Natur zurück, auch keine Papiertaschentücher oder Klopapier.
✅ 6. Gestalte Nachtläufe umsichtig: Setze deine Stirnlampe sparsam und nicht mit höchster Lichtstufe ein.
✅ 7. Bevorzuge nachhaltige Events: Wähle Trailrunning-Wettkämpfe mit guter Streckenplanung, wenig Einwegmaterial, regionaler Verpflegung und fairen Standards.
✅ 8. Nimm auf andere Rücksicht: Praktiziere ein faires Miteinander mit Wanderern, Bikern, Forstwirten und Einheimischen.
✅ 9. Setze auf wiederverwendbare und biologische Produkte: Energieriegelverpackungen, Sonnencreme und Trinkflaschen sollten die Umwelt möglichst wenig belasten.
✅ 10. Erreger nicht verschleppen: Reinige deine Schuhe nach Läufen in sensiblen Gebieten, bevor du woanders läufst.
FAQ zu Nachhaltigkeit im Trailrunning
Hier sind insbesondere die Marken Allbirds, Brooks, Giesswein, Merrell, NNOrmal, On, Reebok, Salomon, Saucony und Veja zu nennen. Sie haben Schuhe mit einem Anteil recycelter bzw. pflanzenbasierter Materialien im Sortiment.
Vor allem dadurch, dass sie auf den Wegen bleiben, Dämmerung und Nacht im Wald möglichst meiden, ihre Hunde anleinen und Schutzgebiete respektieren.
Empfehlenswert ist Kleidung aus Merinowolle, Lyocell/Tencel, recyceltem Polyester und biobasiertem Polyamid. Wasserdichte Ausrüstung sollte PFAS-/PFC-freie Membranen enthalten.
Nutze einen speziellen Waschbeutel, der Mikroplastikfasern zurückhält, die sich beim Waschen aus synthetischer Sportkleidung löst. Verwende biologisch abbaubare Flüssigwaschmittel ohne Weichspüler, um die Membranen zu schonen und die Gewässer nicht unnötig zu belasten.





