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Dauertest Oakley Radar Pace – die sprechende Sport-Sonnenbrille

In unserer Rubrik "Dauertest" wird Laufausrüstung von der Redaktion einem Stresstest unterzogen. Dieses Mal war die Oakley Radar Pace an der Reihe, eine Sonnenbrille mit Sprachsteuerung.

Oakley Radar Pace +
Foto: RUNNER'S WORLD

Die sprachgesteuerte Oakley Radar Pace.

Eins vorweg: Die Oakley Radar Pace hat einen großen Funktionsumfang, aber fliegen kann man mit ihr nicht. Eine Sonnenbrille mit Sprachsteuerung – sicher etwas, das die meisten Läufer nicht benötigen. Doch für Technik-Freaks ist die Radar Pace ein Produkt, das durchaus Spaß machen kann. Auf den ersten Blick wirkt die Sonnenbrille im Vergleich zu anderen Modellen – auch aus der Oakley EVZero-Kollektion – recht sperrig. Doch die Konstruktion ist leicht und das Tragegefühl durchaus angenehm. Die Kopfhörer sind optional tragbar. Über einen Micro-USB-Anschluss, der auch zum Laden dient, können sie in die Bügel gesteckt werden.

Smartphone als ständiger Begleiter

Bevor die Brille in Betrieb genommen werden kann, muss zuerst die Radar-Pace-App auf das Smartphone geladen werden, was stolze 950 Megybyte beansprucht. Nachdem die Sprachsteuerung zuerst nicht wollte, löste sich das Problem schnell durch ein Update der Firmware, das installiert wurde. Also Kopfhörer rein, App starten und los geht’s. Aufgezeichnet wird automatisch, sobald man losläuft. Praktisch gestaltet sich natürlich, dass die Brille nicht nur Sprachangaben zu aktuellen Trainingswerten macht, sondern man mit der Oakley Radar Pace auch einen Kopfhörer-Ersatz eingeschlossen hat und nebenher Musik hören kann. Die Kopfhörer selbst sind extrem genau justierbar und über zwei Gelenke sowie ein Kugelgelenk bestens individuell einstellbar. Die Klangqualität ist solide, wenn auch nicht ganz so gut wie bei hochklassigen Lauf-Kopfhörern. Was etwas stört, ist der recht lose Sitz, der durch die Erschütterung des Laufens verursacht wird. Zwar werden zwei Paar Ohreinsätze mitgeliefert, aber für einen richtig festen Halt sorgen diese bei mir nicht.
Oakley Radar Pace +
Foto: RUNNER'S WORLD

Das Training kann mit der Radar-Pace-App direkt auf dem Smartphone ausgewertet werden.

Überzeugende Sprachsteuerung – auch auf dem Rennrad

Das charakteristische Hauptmerkmal bildet bei der Oakley Radar Pace die Sprachsteuerung. Befehle wie beispielsweise „Tempo“, „Distanz“ oder „Zeit“ werden unkompliziert verarbeitet und die jeweiligen Trainingsdaten angesagt. Über den Befehl „Fortschritt“ erhält man gleich ein Rundum-Update über das Training. Auch eine automatische Rückmeldung über die Schrittfrequenz und -länge wird regelmäßig gegeben – so hat man quasi stets einen Trainer im Ohr.

Überraschend gut gestaltete sich die Sprachsteuerung auch auf dem Rennrad. Der extra für den – gegenüber dem Laufen – deutlich höheren Fahrtwind mitgelieferte Aero Clip erwies sich als nicht einmal unbedingt nötig. Ansagen in Zimmer-Lautstärke wurden einwandfrei aufgenommen. Durch die weniger stoßgeprägte Bewegung auf dem Rad sitzen hier die Kopfhörer deutlich ruhiger und müssen nicht so oft reingedrückt werden. Ein besonderer Clou stellt die Steuerung der Musikwiedergabe dar. Durch eine Streichbewegung auf einem Touchpad am linken Bügel entlang lässt sich die Lautstärke regulieren. Ein- bis dreifaches Berühren ersetzen die Pause-, Weiter- und Zurück-Tasten.

Vielseitige Auswertungs-Möglichkeiten auf dem Smartphone

Nach dem Training lassen sich die Daten auf dem Smartphone mittels Radar-Pace-App leicht auswerten. Auch eine Kopplung mit Strava ist möglich. Beide Apps liefern Werte wie Zeit, Distanz, Durchschnitts-Tempo oder Höhenmeter und zeigen alles in mehreren Diagrammen an. Als mehrjähriger Nutzer der Polar V800 und Polar-Flow-App, sind die Auswertungen durchaus ähnlich, auch wenn ich persönlich Polar Flow bevorzuge. Auffällig und zu kritisieren gestalteten sich allerdings die zum Teil sehr stark abweichenden Distanzen. Im Vergleich zur Polar V800 wichen die Distanz-Angaben – und damit auch die Tempo-Angaben – beim Laufen um bis zu sieben Prozent ab. Die größte Differenz ergab sich bei einem genau 20 Kilometer langen Dauerlauf, bei dem die Brille bei gleicher Bewegungszeit nur 18,56 Kilometer aufzeichnete. Auf dem Rennrad stimmte die Streckenangabe wiederum mit der der GPS-Uhr überein. Die Probleme sind hier aber eher auf der Seite des Smartphones zu suchen.
Oakley Radar Pace +
Foto: RUNNER'S WORLD

Über die Genauigkeit und Sinnhaftigkeit der Trainingsbereiche und des nach wenigen Fragen erstellten Trainingsplans lässt sich streiten.

Die Radar Pace lässt sich auch mit Sensoren zur Herzfrequenz- oder Wattmessung koppeln und kann so noch mehr Trainingswerte aufzeichnen. Auch ohne Herzfrequenz-Messung werden nach zwei bis drei Laufeinheiten die Trainingsbereiche, nach Tempoangaben eingeteilt, angezeigt. Als ganz grobe Richtwerte für Einsteiger sind diese sicherlich ausreichend, ersetzen aber keine Leistungs-Diagnostik und sollten nicht zu ernst genommen werden. Gleiches gilt für die App-Funktion, sich einen Trainingsplan nach Beantwortung von ein paar Fragen entwickeln zu lassen. Die recht unkonkreten und monotonen Einheiten dürften den Ansprüchen von ambitionierten Sportlern, die vor allem zur Zielgruppe gehören, kaum gerecht werden.

Fazit: viel geboten für viel Geld

Natürlich dürfen auch die primären Eigenschaften einer Sport-Sonnenbrille nicht vergessen werden. Hier empfand ich die Tönung und auch Größe der Scheibe als durchaus angenehm. Die vier Aussparungen an der Oberkante der Scheibe sorgen für eine verbesserte Luftzirkulation, auch wenn ich an heißen Tagen dahinter recht schnell ins Schwitzen kam. Der Funktionsumfang der Oakley Radar Pace ist beeindruckend, jedoch lässt sich auch über die Sinnhaftigkeit streiten. Für mich ist die Sprachsteuerung eine Spielerei, die man nicht braucht, aber Spaß machen kann. Dennoch schaue ich lieber auf meine Uhr und lasse mein Smartphone zuhause liegen. Und für 439 Euro bekommt man allemal eine Mittelklasse-GPS-Uhr und eine gute Sport-Sonnenbrille.

Unkomplizierte, gut funktionierende Sprachsteuerung

Ausgeklügelte und praktische Steuerung der Musikwiedergabe

Recht angenehmes Tragegefühl

Einfache und anschauliche Trainings-Auswertung

Kein fester Sitz der Kopfhörer während des Laufens

Teilweise extrem hohe Distanz-Abweichungen und unausgereifte App-Funktionen

Sehr hoher Preis

Tester: Patrick Brucker
Testprodukt: Oakley Radar Pace
Testdauer: 8 Wochen
Kaufpreis: 439 Euro
Webseite: www.oakley.com
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Autor: Patrick Brucker 09.08.2017
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