Top Themen: Laufhelden | Individuelle Trainingspläne | Laufschuh-Datenbank | Uhren-Datenbank | Lauftrainer-App | Laufen anfangen | Laufen

Eliud Kipchoges Wasserträger "Ich musste das nicht üben"

Claus-Henning Schulke hat seinen Anteil an Eliud Kipchoges Marathon-Weltrekord. Als Helfer überreichte er ihm die Getränkeflaschen - wieso er nach jeder Übergabe jubelte, verrät er im Interview.

Eliud Kipchoge und Claus-Henning Schulke +
Foto: Global Sports Communications

Marathon-Weltrekordhalter Eliud Kipchoge und Flaschenanreicher Claus-Henning Schulke.

Der Berlin-Marathon Mitte September wurde zur großen Show des Eliud Kipchoge. Der Kenianer pulverisierte den Marathon-Weltrekord um eine Minute und 18 Sekunden und zementierte somit seinen Status als bester Marathonläufer der Geschichte. Einen Anteil an diesem Erfolg hatte auch Claus-Henning Schulke. Der Deutsche, der seit 25 Jahren als Volunteer beim Berlin Marathon arbeitet, war dafür verantwortlich, dass Kipchoge bei jedem Verpflegungsposten die Flasche mit seinem persönlichen Getränk erhielt. Wie wichtig das war, zeigte sich in der Reaktion von Claus-Henning Schulke nach jeder gelungenen Übergabe: Er klatschte in die Hände und feierte seine eigene kleine Party, ehe er sich auf sein Rad schwang und zum nächsten Verpflegungsposten raste. Bilder, die um die Welt gingen – im Video weiter unten können Sie die Szenen nochmal ansenen. Im Interview erklärt Schulke, warum die Übergaben so wichtig waren und wie ihm Eliud Kipchoge nach dem Rennen dankte.

Claus-Henning Schulke, Gratulation, Sie haben Eliud Kipchoge zum Weltrekord verholfen und sind dabei gleichzeitig zu einer kleinen Berühmtheit geworden.
(Er lacht) Ich wusste ja gar nicht, dass ich gefilmt werde. Meine Frau und meine Freunde haben mir dann aber gesagt, dass im Internet und im Fernsehen überall über mich geredet wird. Das ist wirklich verrückt.

Schon vor dem Rennen hat Eliud Kipchoge ein Bild mit Ihnen auf den sozialen Medien gepostet und Sie als seinen persönlicher Helfer vorgestellt.
Das hat mich natürlich gefreut. Schon 2017 war ich für Eliud verantwortlich und habe ihm die Flaschen gereicht. Dieses Jahr kam Renndirektor Mark Milde zu mir und hat mir gesagt, dass ich Eliud wieder betreuen soll, weil es im Vorjahr so gut funktioniert hat. Ich habe Eliud vor dem Rennen getroffen, es gab ein großes Hallo, wir haben uns ausgetauscht, über seine Ziele für den Marathon geredet. Wir haben einen guten Draht zueinander, er ist ein toller Mensch, sehr ruhig und bescheiden.

Wie haben Sie sich auf das Rennen vorbereitet?
Eliud hatte klare Vorgaben an mich. Ich solle ihm die Flaschen immer von unten reichen, damit er sie von oben her greifen kann. Ich musste das aber nicht üben, ich mache selber seit 30 Jahren Triathlon und weiß, wie die Verpflegung funktioniert.

Waren Sie nervös?
Oh ja, und wie! Meine Erwartung an mich selber ist riesig. In den Tagen vor so einem Rennen wächst die Anspannung enorm, das ist nicht immer einfach für meine Frau. In der Nacht vor dem Rennen habe ich kaum geschlafen.

Während des Rennens hat aber alles funktioniert – und Sie haben nach jeder geglückten Übergabe in die Hände geklatscht und gefeiert.
Logisch, ich war immer so erleichtert. Ich sagte mir: Claus, das muss unbedingt klappen, jedes Mal, damit der Eliud sein Getränk aus Zucker und Algen ja auch bekommt. Er hat mich immer erst kurz vor der Verpflegungsstelle wahrgenommen, obwohl ich gerufen habe wie ein Wahnsinniger. Er ist ja während des ganzen Rennens im Tunnel, bekommt von außen fast nichts mit. Und wenn es dann geklappt hat, ja, dann hat sich alle Anspannung bei mir gelöst.

Beim letzten Verpflegungsposten hat Kipchoge seine Flasche verpasst, von Ihnen war keine Spur.
Oh, das ärgert mich! Ich war da, aber die Zuschauer haben mir den Weg versperrt. Ich war drei Meter oder so hinter dem Tisch, als Eliud vorbeigestürmt ist – da war es schon zu spät. Ich darf ihm ja nicht nachrennen und ihm die Flasche reichen, das wäre gegen die Regularien des IAAF. Da habe ich mich natürlich genervt, obwohl ja alles gut kam am Schluss. Aber Eliud war nach dem Rennen nicht sauer auf mich, er sagte mit einem Lächeln: „Kein Problem, Claus.“

Hatten Sie direkt nach dem Rennen mit Kipchoge Kontakt?
Nein, mein Job war nach 40 Kilometern erledigt. Er hatte ja genug zu tun nach seinem Zieleinlauf, 100 Interviews und alle wollen was von ihm. Da zog ich mich lieber zurück.

Trotzdem haben Sie ihn nochmals getroffen nach dem Rennen.
Ja, das war wirklich schön. Am Montag nach dem Rennen rief mich Renndirektor Milde an, ich solle doch bitte ins Athleten-Hotel kommen, Eliud frage nach mir. Im Hotel traf ich zuerst Eliuds Trainer, Patrick Sang. Er fiel mir sofort um den Hals, dankte mir tausendmal und sagte mir, ich sei ein Held. Und danach traf ich Eliud. Er hatte seine Startnummer bei sich, darauf hatte er eine schöne Danksagung für mich geschrieben. Ich habe ja nur eine Promille zu seinem Rekord beigetragen, er hat den ganzen Rest gemacht. Und trotzdem dankte er es mir so, das war sehr emotional für mich.

Und nächstes Jahr werden Sie ihm wieder die Flaschen reichen?
Ich hoffe es doch. Er hat mir gesagt, dass er nächstes Jahr wieder nach Berlin kommen will und dass wir uns dann wiedersehen werden. Vielleicht gibt es dann wieder eine Überraschung.
Jetzt noch besser laufen: aktuelle Lauftipps, News und Tests >>

Autor: Tobias Müller 21.09.2018

Hier finden Sie weitere Informationen zum Berlin-Marathon 2019.

Lesen Sie auch: "Mein Training hat sich stark verändert"
Kostenloser Newsletter
RUNNER'S WORLD ERLEBEN
Mehr zu Community
"Mein Training hat sich stark verändert"
Sabrina Mockenhaupt Interview 12.11.2018

Foto: Privat

Sabrina Mockenhaupt verriet in einem ausführlichen Interview Details zu ihrem Training, ih... ...mehr

Das Trainingsmittel, das Freude bringt
Dieter Baumann

Foto: Privat

Dieter Baumann empfiehlt in seinem Video den ruhigen Dauerlauf als das Trainingsmittel für... ...mehr

Keine Lust - Was tun?
Dieter Baumann beim Lauf der Woche

Foto: Privat

Graues Dezemberwetter und keine Lust zum Laufen: Dieter Baumann erklärt in seinem Video, w... ...mehr

Sie sind hier: >> >> >>"Ich musste das nicht üben"
(©) Motor Presse Hearst GmbH & Co KG Verlagsgesellschaft