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Olympia-Vorschau Afrikas Langstrecklerinnen Favoriten in London

Über 5.000 Meter und 10.000 Meter sind die Läuferinnen aus Kenia und Äthiopien die klaren Favoriten auf olympisches Edelmetall. Im Marathon könnte eine nicht-afrikanische Läuferin überraschen - auch Irina Mikitenko.

Irina Mikitenko +
Foto: photorun.net

Auf Londons Straßen lief es oft gut für Irina Mikitenko.

Afrikas Läuferinnen aus Kenia und Äthiopien sind einmal mehr die großen Favoritinnen über die Langstrecken bei den Olympischen Spielen. Am Freitag beginnt das Leichtathletik-Programm im Londoner Olympiastadion. Am ersten Tag findet dabei das 10.000-m-Finale der Frauen statt. Am Sonntag folgt der Frauen-Marathon, bei dem die nicht-afrikanischen Läuferinnen wohl am ehesten eine Chance haben, eine Langstrecken-Medaille zu gewinnen. Zu jenen Kandidatinnen, die die Afrikanerinnen überraschen können, zählt auch die zweifache London-Marathon-Siegerin Irina Mikitenko (SC Gelnhausen). Im Marathon startet mit Susanne Hahn (SV schlau.com Saar05 Saarbrücken) noch eine zweite deutsche Läuferin. Über 10.000 m ist Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) am Start.

5.000 m (Finale: 10. August, 20.05 Uhr, Ortszeit):

Alles andere als kenianische und äthiopische Medaillengewinnerinnen wären eine Sensation. Zu dominant sind die Läuferinnen aus diesen beiden Ländern, wobei die Kenianerinnen in den vergangenen Jahren den zuvor lange Zeit dominierenden Äthiopierinnen den Schneid abgekauft haben. Vor vier Jahren gewann zum letzten Mal eine Äthiopierin einen globalen Titel über 5.000 m. Das war Tirunesh Dibaba, die bei Olympia in Peking beide Bahn-Langstrecken gewann. Nach Verletzungsproblemen hat sie sich in diesem Jahr zurückgemeldet. Doch hinter ihrer 5.000-m-Titelverteidigung steht noch ein großes Fragezeichen, denn die Äthiopier haben Tirunesh Dibaba vorerst nur als Ersatzläuferin nominiert. Ins Rennen gehen nach dem derzeitigen Stand Meseret Defar, Gelete Burka und Genet Yalew. Sollte Tirunesh Dibaba allerdings über 10.000 m zuvor erfolgreich sein und dann auch über 5.000 m antreten wollen, dürften Äthiopiens Funktionäre dies noch entsprechend verändern.

Ist die erst 26-jährige Weltrekordlerin Tirunesh Dibaba (14:11,15 Minuten) dabei und in Topform, wird es sehr spannend. Die große kenianische Gegnerin der Äthiopierinnen heißt Vivian Cheruiyot. Die 28-Jährige hat bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften in Berlin 2009 und Daegu (Südkorea/2011) jeweils die Goldmedaille über 5.000 m gewonnen. Sie ist zurzeit diejenige, die es zu schlagen gilt. Beim Diamond League-Meeting in Rom hatte Vivian Cheruiyot Ende Mai ihre Vormachtstellung bestätigt. Knapp besiegte sie im Endspurt Meseret Defar – die Olympiasiegerin von 2004 sowie frühere Weltrekordlerin – und stellte mit 14:35,62 Minuten die aktuelle Jahresweltbestzeit auf.

Neben Vivian Cheruiyot werden auch deren zwei Landsfrauen Sally Kipyego und Viola Kibiwott im Finale zu beachten sein. Keine deutsche Läuferin schaffte die Qualifikation für Olympia über 5.000 m.


10.000 m (Finale: 3. August, 21.25 Uhr, Ortszeit):

Vor vier Jahren schrieb Tirunesh Dibaba bei den Olympischen Spielen in Peking Sportgeschichte. Als erste Frau gelang ihr ein Doppelsieg über die beiden Bahn-Langstrecken. Sechs Männer haben dies in der olympischen Geschichte geschafft. Ein einziger konnte diesen Triumph bisher wiederholen: Der Finne Lasse Viren gewann zunächst 1972 in München und dann vier Jahre später in Montreal jeweils beide Distanzen. Tirunesh Dibaba könnte es ihm in London nachmachen. Als Titelverteidigerin tritt sie über 10.000 m an.

Doch ganz so stark wie vor vier Jahren scheint Tirunesh Dibaba nach Verletzungsproblemen nicht mehr zu sein. Beherrschte sie die Konkurrenz damals mit Tempohärte und einem enormen Schlussspurt, dürfte es dieses Mal deutlich enger werden. Tirunesh Dibaba ist trotz ihrer Jahresweltbestzeit von 30:24,39 Minuten nicht die große Favoritin. Denn mit der Kenianerin Vivian Cheruiyot ist die aktuelle Weltmeisterin am Start, die es bei den globalen Titelkämpfen in Daegu im vergangenen Jahr Tirunesh Dibaba nachmachte und beide Bahn-Langstrecken gewann. Damals fehlte die Äthiopierin. Vivian Cheruiyot hat keine Angst vor der Äthiopierin: „Ich freue mich, dass wir dieses Mal gegen Dibaba rennen – das ist lange her, dass ich zuletzt gegen sie gelaufen bin. In den großen Rennen triffst du auf die Besten“, erklärte die Kenianerin. Nicht nur Vivian Cheruiyot sondern noch eine zweite Kenianerin startet in London sowohl über 5.000 als auch über 10.000 m: Sally Kipyego peilt ebenfalls zwei Medaillen an.

Für die einzige deutsche Läuferin im 10.000-m-Finale, Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg), könnte in etwa eine Platzierung wie vor vier Jahren in Peking möglich sein. Damals lief sie bei den Spielen in Peking ihr bestes Rennen bei einer großen Meisterschaft und belegte Rang 13. Die 31-Jährige wollte sich zunächst auf den olympischen Marathon konzentrieren, schwenkte dann jedoch um auf die 10.000 m. Hier waren die Leistungen zuletzt unterschiedlich. In Bilbao qualifizierte sie sich Anfang Juni beim Europa-Cup als Vierte mit einer Zeit von 31:36,76 Minuten für London und zeigte aufsteigende Form. Doch bei den Europameisterschaften in Helsinki blieb sie knapp einen Monat später mit Platz fünf unter den Erwartungen.
Vivian Cheruiyot +
Foto: photorun.net

Vivian Cheruiyot (vorne) hat die Chance, zwei Goldmedaillen zu gewinnen.

Marathon (Finale: 5. August, 11 Uhr, Ortstzeit)

Der Marathon bietet die beste Chance für die nicht-afrikanischen Langstrecklerinnen, eine Medaille zu gewinnen. Nie hat in den letzten 20 Jahren die große Favoritin beim olympischen Rennen über die 42,195 km triumphiert: Wanda Panfil (Polen) scheiterte 1992 in Barcelona ebenso wie danach Uta Pippig (Deutschland) 1996 in Atlanta, Tegla Loroupe (Kenia) 2000 in Sydney und Paula Radcliffe (Großbritannien) 2004 in Athen sowie 2008 in Peking, wobei sie bei letzterem Rennen schon vorher verletzungsbedingt nicht mehr in Topform war. Der Überraschungssieg von Constantina Dita (Rumänien), die als 38-Jährige vor vier Jahren Gold gewann, zeigt, dass in diesem Rennen sehr viel möglich ist. Die Rumänin hatte sich in Peking frühzeitig von den Konkurrentinnen abgesetzt, was unter anderen die am Ende zweitplatzierte Kenianerin Catherine Ndereba nicht bemerkt hatte.

Auch vor dem Rennen am kommenden Sonntag gibt es eine große Favoritin: Mary Keitany. Die neue Afrika-Rekordhalterin aus Kenia (Bestzeit: 2:18:37 Stunden) hat im April bereits den hochkarätigen London-Marathon gewonnen. Ihre schärfsten Konkurrentinnen dürften ihre Landsfrau Edna Kiplagat (amtierende Weltmeisterin) und die drei äthiopischen Läuferinnen Tiki Gelana, Aselefech Mergia sowie Mare Dibaba sein. Mit sensationellen 2:18:58 Stunden hatte die erst 24-jährige Tiki Gelana im April den Rotterdam-Marathon gewonnen. Fragezeichen gibt es dagegen bezüglich der Russin Liliya Shobukhova. Seit ihrem Sieg beim Chicago-Marathon 2011 ist die amtierende World Marathon Majors (WMM)-Gewinnerin nirgendwo mehr aufgetaucht.

Auf der kurvenreichen Rundstrecke sind taktische Überraschungen, so wie von Constantina Dita vor vier Jahren in Peking, möglich. Die US-Amerikanerin Shalane Flanagan, die Chinesin Jiali Wang oder auch Irina Mikitenko sind Läuferinnen, die eine Rolle spielen können. Für die zweite deutsche Starterin, Susanne Hahn, wäre dagegen eine Platzierung im Bereich von Rang 20 ein Erfolg. Verletzungsbedingt passen musste, wie berichtet, die britische Weltrekordlerin Paula Radcliffe.
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Autor: race-news-service.com 01.08.2012
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