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Marvin Running Biorhythmus-Boogie

Wir sind um 4:15 aufgestanden. Gleich laufen wir 30 Kilometer. Ich rebelliere – der Köper leider nicht.

Noten +

Marvin hat keine Ruhe, auch nicht um 5:30 Uhr. Neben ihm rocken die Mitochondrien, dabei will er einfach nur schlafen.

Mittlerweile ist es kurz nach 5:30 Uhr. Die Hamburger City liegt noch im Tiefschlaf. Das Umschalten der Verkehrsampeln das einzig halbwegs Bewegte in der Dunkelheit. In Abwesenheit von Verkehr wirkt es wie ein Selbstgespräch.

Herrchen startet seinen Lauf von vier Alsterrunden, etwa 30 Kilometern.

Ich stelle fest: »Mir ist kalt, mir ist schlecht, ich will schlafen, das ist absurd.«

»Ich finde es eigentlich sogar ganz schön«, meint er.

»Sind wir endlich fertig?«, maule ich.

»Ein wenig dauert es schon noch«, sagt er. »So zweieinhalb Stunden.«
Diese Vorstellung ist wie die Beringsee der Depression. Groß, tief, kalt.

Es sind ja nicht nur die zweieinhalb Stunden Langweile und Unbequemlichkeit, die mich nerven. Das Schlimmste ist eigentlich, dass man nicht seine liebe Ruhe haben kann. Gemütlichkeit kann man vergessen, es ist, als würde man aus seinem Fernsehsessel direkt in eine Studentenparty gekippt. Furchtbar. Überall Betrieb, Lautstärke, Rhythmen und spontanes Zusammenspiel der Beteiligten; überall rocken die Mitochondrien, schäkern die Blutkörperchen, schmusen Kapillaren mit Muskelfasern, und dazu schmeißt die Hypophyse eine Endorphin-Lokalrunde nach der anderen. Alle fressen meine Vorratsschränke leer und ich hänge unbeachtet in der Küche herum wie der Kalender vom letzten Jahr.

Er meint, die erste Alsterrunde sei für das Hier und Jetzt. Dafür, dass sich die Muskeln lockern und mit ihrer Kraft spielen. Für eine Ode an die Freude der Bewegung, Tochter aus Gymnasium.

Die zweite Runde sei für das Heute. Der Tatsache, dass wir tagsüber konzentrierter und leistungsfähiger sein werden. Dass Stress einfach an uns abperlen wird und wir souverän mit ihm spielen können.

Runde drei sei für Fitness, Widerstandskraft, Wohlsein. Und warum nicht auch noch gleich für Weltfrieden oder schuppenfreies Haar.

Und Runde vier sei dafür, dass wir immer noch genug Kraft haben. Sogar für Sprints am Schluss reicht es noch.

Am Ende meint er, die Zeit sei wie im Flug vergangen. Körper und Geist sind trotz des frühen Aufstehens hellwach. Er ist high. Und wir werden das nächste Woche wieder tun.

Seufz.
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