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Sportsfreundin Sylvie im Interview Da geht einiges

Sportsfreunde 2018: 100 km in 24 Stunden, und zwar gehen. Für viele unvorstellbar - für Sylvie war das erst der Anfang ihres sportlichen und glücklicheren Lebens.



Anfang 2014 wollte Sylvie in erster Linie abnehmen und stellte ihre Ernährung um. Ein paar Jahre später meldete sie sich spontan beim Megamarsch Hamburg an: 100 Kilometer unter 24 Stunden um die Hansestadt. Von rund 1.000 Teilnehmern kamen etwa 150 rechtzeitig im Ziel an – unter anderem auch Sylvie. Der Zieleinlauf war allerdings erst der sportliche Startschuss für die zweifache Mutter.

Runner's World:Sylvie, wie kam es, dass du anfangs abnehmen wolltest?
Sylvie: Ein Freund kam uns 2014 besuchen und er erzählte, wie er durch Ernährungsumstellung 6 Kilo verloren hatte. Also habe ich mich abends auf die Waage gestellt und war etwas geschockt. Die 95 wollte ich nicht stehen lassen und habe direkt am nächsten Tag losgelegt.
Wie sah dein Abnehmplan aus?
Ich habe erstmal nur gegessen, wenn ich Hunger hatte und nicht, "weil es Zeit war". Das Frühstücksbrot war zum Beispiel nur Gewohnheit. Stattdessen gab es dann um 10 einen Quark mit Obst. Nudeln, Kartoffeln und Reis habe ich reduziert und mich ab da mit Gemüse satt gegessen.

Du hast auch dein Hobby "gesünder" gestaltet.
Genau. Ich koche und backe gerne und habe angefangen, gesündere Alternativen für klassische Rezepte zu entwickeln. Gute Zutaten, wenige Kohlenhydrate und möglichst viel Eiweiß. Zum Beispiel Couscous-Salat auf Blumenkohlbasis oder Käseschokokuchen auf Kidneybohnenbasis – klingt vielleicht eklig, ist aber total lecker!



Das Kuchenrezept musst du uns unbedingt verraten! Hast du parallel zur Nahrungsumstellung auch Sport gemacht?
Nach ein paar Monaten habe ich mich ans Laufen gewagt, ohne Ausrüstung oder richtige Schuhe. Fühlte sich gut an, auch wenn der erste Lauf mir fiese Blasen an der Ferse beschert hat. Es war aber auch sehr lustig: Da ich schon 10 Kilo verloren hatte, fingen die Sachen an zu rutschen. Und jede Läuferin weiß, wie nervig so eine rutschende Unterhose sein kann.

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Wie hast du zum Extremwandern gefunden?
Ich würde sagen, Extremwandern hat mich gefunden. Auf Facebook habe ich letztes Jahr eine Anzeige gesehen zum Megamarsch in Hamburg: "Bist du bereit für die Challenge deines Lebens?" Ich hatte mittlerweile schon 20 Kilo abgenommen und wollte meine neugefundene Power irgendwie unter Beweis stellen. Also habe ich mich spontan angemeldet.

Und du bist als eine von wenigen ins Ziel gekommen!
Ja, von rund 1.000 Startern kamen etwa 150 unter 24 Stunden im Ziel an – ich auch, nach 22 Stunden. Das war verrückt, denn unterwegs stiegen viele bei Versorgungsstationen aus, einige mussten von Sanitätern versorgt werden. Aber ich, die kleine dicke Frau, die eigentlich nur abnehmen wollte, ich bin einfach immer weitergelaufen. Später, in einem Pausenraum, bin ich aufgestanden und wollte weiter mit den 3 Jungs, die mich in der Nacht begleitet haben. Aber die wollten einfach nicht mehr. Komischerweise hat mich das in die Haarspitzen motiviert und ich war überzeugt, bis ins Ziel zu gehen. Also bin ich grinsend und stolz weitergegangen und habe nur gedacht, "verrückt, aber ich weiß, dass ich es schaffe – ausgerechnet ICH!"

Kannst du beschreiben, was einen 100-Kilometer-Lauf besonders macht?
Es ist definitiv eine ganz spezielle Art der Herausforderung. Viele denken, das ist einfach ein Spaziergang und kein richtiger Sport. Pustekuchen! Ich habe viele Marathonläufer scheitern sehen, also gestandene Sportler, weil die 100 Kilometer unterschätzt wurden. Du schläfst nicht, machst wenig Pausen, läufst die Nacht durch. Aber gleichzeitig ist es großartig, denn der Sport ist sehr kommunikativ. Du triffst unterwegs Gleichgesinnte, kommst ins Gespräch, stehst gegenseitig Schmiere beim Wildpinkeln, teilst Snacks und Süßigkeiten. Am schönsten ist es, wenn du im Ziel andere Läufer wieder triffst und man den Erfolg zusammen feiern kann.


Was waren die verrücktesten Dinge, die du auf der Strecke erlebt hast?
Mittlerweile bin ich 3 Megamärsche gelaufen – 2 in Hamburg, 1 in Berlin – da passieren schon ein paar Dinge. Für mich als Großstadtkind war es ziemlich beängstigend, bei Berlin nachts durch Wildschweinrotten zu laufen. Außerdem hat sich jemand einmal eine wilde Autoverfolgungsjagd mit der Polizei geliefert, wobei wir beinahe angefahren wurden. Langweilig wird’s nie auf 100 Kilometern.

Was geht in dir vor, wenn du nach 100 Kilometern über die Ziellinie gehst?
Das war immer unterschiedlich. Beim ersten Mal musste ich sehr mit den Tränen kämpfen, in Berlin bin ich glücklich über die Ziellinie gehüpft. Beim 2. Hamburger Megamarsch hatte ich meinen sentimentalen Punkt 2 Kilometer vorm Ende.

Da fällt bestimmt eine Menge Anspannung ab, nach solchen Strapazen.
Ja, definitiv. Es ist aber vor allem immer wieder eine schöne Erfahrung, trotz blutigen Blasen an den Füßen und dem Muskelkater danach. Vor allem zeigt es mir, wie richtig und wichtig es war, dass ich einfach losgelegt habe mit der Ernährungsumstellung und dann dem Sport. Ich war so lange eine dieser klassischen Karteileichen im Fitnessstudio. und nach den Geburten standen natürlich erstmal die Kinder im Lebensmittelpunkt. Ich habe lange sozusagen fremdbestimmt gelebt, darum genieße ich es so sehr, beim Sport voll und ganz auf mich hören zu können.

Du bist nicht nur Extremwanderin, du betreibst noch mehr Sportarten.
Ja, ich gehe noch zum "Hit&Run Boot Camp", dort gibt es intensive Zirkeltrainings, da kann ich mich komplett auspowern. Natürlich jogge ich weiterhin und nehme mittlerweile auch an Hindernisläufen wie Xletix teil.



Wie kommt dein sportlicher Lebenswandel bei deiner Familie an?
Mein Mann und meine Kids sind sehr stolz auf mich und unterstützen mich immer. Ich kenne einige Frauen, deren Männer genervt sind von ihren sportlichen Aktivitäten. Ich kann alles machen, zu jeder Veranstaltung fahren. Der Familienurlaub ist dieses Jahr auch in den Niederlanden, weil ich dort die Vierdaagse-Wanderung mitmache, quasi DIE Veranstaltung dieser Art, da kommen fast 50.000 Menschen zusammen, um 4-mal 50 Kilometer in 4 Tagen zu laufen. Danach holt mich meine Familie ab und es geht in den gemeinsamen Urlaub. Und mein Mann hat durch mich auch wieder mit dem Joggen angefangen, im Herbst bestreiten wir zusammen den Köhlbrandbrückenlauf in Hamburg.

Welche positiven Dinge kannst du noch aus dem Sport ziehen?
Ich ruhe heute in positiver Hinsicht viel mehr in mir. Das war nicht immer so. In meiner Kindheit wurde mir eingeredet, ich sei klein, dick und hässlich, sogar mein Vater hat mich in schlimmsten Zeiten "Pferd" genannt. Sehr lange habe ich geglaubt, dass ich dankbar sein muss, wenn mich jemand trotzdem mag. Als Erwachsene war ich dann tatsächlich dick und unzufrieden, habe mich auch im heißesten Sommer verhüllt. Aber die Zeiten sind vorbei! Heute bin ich richtig zufrieden und ich glaube, das strahle ich auch aus. Das Selbstbewusstsein, alles schaffen zu können, was ich wirklich will, ist auch da.



Der Sport ist auch gut für deinen Job als Grundschullehrerin.
Körperliche Fitness hilft immer. Ich hatte mal eine Situation, in der mir ein Schüler weglief und ich ihn einfach nicht einholen konnte. Das passiert mir heute nicht mehr. Und meine Schüler sehen mich als Vorbild und wollen auch mal so sportlich werden wie ich – das beflügelt definitiv.

Du motivierst nicht nur deine Schülerin, sondern auch deine Mitläufer.
Ich bekomme auf Märschen oft die Rückmeldung, dass ich "Schuld bin", dass andere weitergemacht und nicht aufgegeben haben. Das Lehrer-Gen hat da bestimmt ein bisschen Schuld daran, dass ich versuche, die Leute mitzuziehen. Dazu fragen mich viele Freunde – auch diejenigen, die ich beim Laufen und Wandern kennengelernt habe – immer mal wieder nach Ernährungstipps. Irgendwann hat mich einer meiner Freunde gefragt, warum ich nicht Coach werden will. Und irgendwie hat mir die Idee sehr gefallen.

Hast du neben dem Vierdaagse weitere sportliche Pläne und Ziele?
Auf jeden Fall will ich das 4-Tage-Rennen in Holland durchziehen, vor allem, weil ich mich für die Männerstrecke gemeldet habe. Nächstes Jahr möchte ich gerne einen Halbmarathon laufen und das große Ziel für 2020 ist der Jakobsweg. Mein ganz großer Lebenstraum ist es, einmal die Alpen zu Fuß zu überqueren. Neben den läuferischen Zielen möchte ich unbedingt eine Trainerausbildung machen, um hoffentlich vielen Menschen auf ihrem Weg in ein fitteres Leben zu unterstützen. Ich bin noch lange nicht auf meinem sportlichen Höhepunkt angekommen – da geht noch so einiges!

Auch unsere Partnerseiten Men’s Health und Women’s Health stellen im Rahmen unserer Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten vor. Lass dich auch von ihnen motivieren und inspirieren!
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Autor: Michel Gandon 15.08.2018
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