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Baumanns Lauf der Woche Das ist eine Revolution!! Oder wahlweise: Heuchelei.

NADA-Vorstand Lars Mortsiefer, fordert, die deutschen Athleten mögen vor ein ordentliches Gericht ziehen. Aber genau das ist laut Athletenvereinbarung verboten. Betont Dieter Baumann in seiner Kolumne.

Lieber Herr Mortsiefer, Lassen Sie doch generell die deutschen Gerichte entscheiden! +
Foto: iStockphoto

Lieber Herr Mortsiefer, lassen Sie doch generell die deutschen Gerichte entscheiden!

Lauf der Woche
Donnerstag 27.09.2018
Tübingen / Bonn
Ein-Ordentlicher-Gerichts-Dauerlauf


Ich melde mich vom Dauerlaufen heute vor Gericht. Ja, Lars Mortsiefer, der NADA-Vorstand (Nationale Anti Doping Agentur), forderte in dieser Woche, die deutschen Athleten mögen doch vor ein ordentliches Gericht ziehen.

Waaaaaas? Deutsche Athleten vor ein ordentliches Gericht? Herr Mortsiefer, das ist eine Revolution!! Oder wahlweise: Heuchelei.

Letzte Woche hat die WADA-Executive entschieden, dass der russische Sport endlich und ohne große Konsequenz wieder teilnehmen darf. So mit allem. Drum und dran. Mit dem russischen Anti-Doping-Labor, mit internationalen Meisterschaften, mit allen Athleten, mit Dopingärzten, Pharmakologen und dem Geheimdienst.

Die WADA ist so was wie die Cheforganisation der NADA und damit auch so was wie der Chef von Herr Mortsiefer. Der IOC-Boss-Thomas Bach wird nicht müde, das WADA-Gremium als unabhängig anzupreisen, was es, nach der Besetzung zu urteilen, nicht ist. Thomas Bach übrigens ist froh, dass endlich ein Schlussstrich unter das russische Staatsdoping gezogen wurde. Aufarbeitung gleich null - wohlgemerkt.

Lars Mortsiefer empfiehlt nun deutschen Athleten zu klagen. Vor ordentlichen deutschen Gerichten. Auf Schadensersatz. Das, liebe Freunde der Laufkunst, ist ein Treppenwitz.

Lieber Herr Mortsiefer, haben sie die Athletenvereinbarung vergessen? Auf die sie in Verfahren gegen deutsche Athleten so großen Wert legen.

Ja, die deutschen Sportfunktionäre und ganz sicher auch Herr Mortsiefer, wurden nicht müde, so lange auf die Politik Einfluss zu nehmen, dass die Unterzeichnung der Athletenvereinbarung in das Anti-Doping-Gesetz von Deutschland aufgenommen wurde. Ohne Unterschrift ist die Teilnahme an internationalen Meisterschaften nicht möglich. Ich könnte auch Knebelvertrag oder Erpressung dazu sagen. Neben vielen Paragraphen, ist die wesentliche Aussage der Athletenvereinbarung, dass es den Athleten bei Streitfragen untersagt ist, vor ein ordentliches Gericht zu ziehen.

Zuständig soll das IOC-Schiedsgericht sein. Selbstverständlich völlig unabhängig, wie es IOC-Boss Thomas Bach sagt. So unabhängig wie die WADA eben.

Der Anti-Doping-Kampf ist wie viele andere Bereiche im Sport ein Hort von Heuchelei, Bestechlichkeit und Korruption. Der deutsche Gesetzgeber hat den deutschen Athleten mit dem Anti-Doping-Gesetz einen Bärendienst erwiesen. Sie werden in ein Sportrechts-System gezwungen, dass jede Rechtstaatlichkeit, jede Objektivität vermissen lässt.

Es ist geradezu ein Armutszeugnis, wenn Herr Mortsiefer nun die Athleten in die Pflicht nehmen möchte, gegen die Entscheidung der WADA vor ein ordentliches Gericht zu ziehen. Ganz offensichtlich ist weder die NADA noch der DOSB in der Lage für die Rechte der Athleten zu sorgen. Lieber Herr Mortsiefer, bevor Sie die Athleten in die Verantwortung nehmen, schaffen sie doch vorher die WADA mitsamt der NADA ab. Die Schiedsgerichtvereinbarung gehört in dieser Form auf den Müll. Die Autonomie des Sports gehört abgeschafft. Lassen Sie generell die deutschen Gerichte entscheiden.
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Autor: Dieter Baumann 27.09.2018
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