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Baumanns Lauf der Woche Der Baumann, der am seidenen Faden hing

Beim Training für den Hannover-Marathon scherzte eine mitlaufende Dame und plauderte, während Dieter Baumann am seidenen Faden hing.

Baumanns Lauf der Woche +
Foto: eichels: Event

Eine Gruppe von Marathonläufern trainierte mit Dieter Baumann am Maschsee in Hannover.

Lauf der Woche
Dienstag 12.03.2013
Ort: Hannover, Maschsee
24 Kilometer, immer weiter, immer schneller


Ich melde mich vom Dauerlaufen und diese Zeilen sind als Entgegnung der landläufigen Meinung zu verstehen, dass Laufen stinklangweilig sei, sich nichts und nirgendwo auch nur irgendetwas ereigne.

In der vergangenen Woche war sowas von viel los, wobei ich zugeben muss, dass Dauerlaufen in der Tat langweilig ist und daher fast alle „Läufe der Woche“ in den vergangen Jahren erstunken und erlogen waren. Selbstverständlich nicht das Laufen – immer bin ich gelaufen. Jeden Tag! Mindestens zweimal. Aber die Geschichten drum rum. Oder glauben sie wirklich, dass Michael Ballack bei einer Künstlerin seine Skulpturen einkauft wie ich? Noch dazu bei einer Künstlerin aus Tübingen? Oder ist es etwa glaubhaft, dass ich in Berlin im Grunewald im Gebüsch hocke und Niels Bubbels ein Hallo zurufe? Oder sind Sie gar auf die Geschichte reingefallen, dass die Leistungsfähigkeit im Alter nachlässt? Bei Ihnen vielleicht, aber doch nicht bei mir! Manchmal muss ich mir beim „Lauf der Woche“ die Geschichten aus den Rippen schwitzen. Beim Laufen selbstverständlich.

Genug der Vorrede, in der vergangenen Woche war es anders. Da flogen mir die Geschichten nur so zu. Am Dienstag das erste öffentliche Training für alle Unter-Drei-Stunden-Läufer (oder die es werden wollen). Es war in Hannover am Maschsee. Nach meiner Kolumne über den Rückgang der Unter-Drei-Stunden-Marathonläufer, bekam die Redaktion unglaublich viele Zuschriften. Was sich der Baumann erlaube, von Honorarkürzungen war die Rede, ein Rausschmiss wurde angeregt, nein gefordert. Um die Wogen zu glätten, bot ich ein Training an. Ein Vorbereitungslauf um den Maschsee in Hannover. Eine sechs Kilometer Runde. Drei Runden sollten gelaufen werden. Die erste langsam, die zweite medium, die dritte in Renntempo: 4:15 Minuten pro Kilometer.

Es kamen 36 Läuferinnen und Läufer. Und wirklich, alle haben sich fürchterlich aufgeregt. Sie schimpften, maulten und zeterten vor sich hin, aber nicht wegen der Drei-Stunden-Marathonschelte, sondern wegen dem Anfangstempo in der ersten Runde. „So langsam“, „kann nicht so lange auf einem Bein stehen“, „Kindersport“.

Liebe Leserinnen und Leser, Läufer können grausam sein. Aber ich hielt diesem Druck stand. Bremste, spielte „alter Mann“, vermittelte den Eindruck außer Puste zu sein, atmete hörbar ein und aus. Nach einem Heißgetränke am Ende der ersten Runde wurde das Tempo gnadenlos erhöht: 4:40–iger Schnitt. 25 Mann und eine Dame hielten mit. Sie scherzte und plauderte mit mir, während ich am seidenen Faden hing. Dann in der dritten Runde, beim Schnitt von 4:10 hatte ich die Führung übernommen (weil Tempomacher und so). Jetzt spielte ich nicht mehr alter Mann. Jetzt war ich einer. Ich atmete schwer und für alle die in Hannover einen vernünftigen Pacemaker erwarten: viel Glück. Auf jeden Fall lief so ein junger Kerl auf mich auf und meinte, ob er dem Laufexperten (ja, er meinte mich) mal eine Frage stellen dürfe. „Klar“, presste ich einsilbig das Wort zwischen zwei Atemzügen heraus. „Warum muss man bei diesem langsamen Tempo immer pinkeln?“ Zur Strafe liefen wir noch eine vierte Runde.

Bis heute denke ich über die Frage noch immer nach, möchte aber von Freitag berichten. Ein Spendenlauf in Ludwigsburg. 17 Kilometer auf einer 550-Meter-Runde. 33 Runden. Intervall, eine schnell, eine langsam. Ich dachte, da schlägt mich keiner. Doch einer lief 40 Runden. In 1:30 Stunden. Danach war ich beim Interview beim kleinsten Radio Deutschlands. Bei Herbert Friesendorff. Radio Ludwigsburg, ein Internetradio. Wir saßen in seinem Wohnzimmer und sendeten ins global village. Ab nächsten Montag wird es ein Laufradio geben. Aus welchem Wohnzimmer? Na, schätzen Sie mal.
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