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Abenteuer Kenia: Ein Leben im Läuferland Die ersten Probleme im Paradies

Beek hat Anschluss an die Trainingsgruppen in Iten gefunden. Leider hat er sich gleich bei einem der ersten Läufe verletzt - und auch sonst läuft nicht alles wie geplant.

Iten – Home of Champions +
Foto: Beek Hadler

In Item, dem Home of Champions, treffen sich allmorgendlich hunderte Läufer zum gemeinsamen Training.

Piep, Piep, Piep – Piep, Piep, Piep! 5:50 Uhr, der Wecker klingelt. Raus aus dem Bett und rein in die Laufschuhe. Nach 10 Minuten sind wir bereit, öffnen die Haustür und treten heraus in den noch dunklen Morgen. Es ist kühl und die Luft frisch, in der Nähe kräht ein Hahn, doch sonst ist es ruhig. Wir gehen los zum Treffpunkt in der Ortsmitte. Von unserem Haus ist es nicht weit, nur etwa 300 Meter. Keiner spricht, jeder genießt die letzten ruhigen Minuten vor dem morgendlichen Lauf. Als wir die asphaltierte Hauptstraße erreichen und überqueren wird es plötzlich lauter. Aus allen Himmelrichtungen strömen Läufer herbei, um sich an einer der vielen Straßenkreuzungen zu treffen. Alle sind da! Das französische Team, Julien Wanders und natürlich unzählige kenianische Spitzenläufer.

Ein großgewachsener Läufer trennt sich von der etwa einhundert Mann starken Gruppe und macht in Front von dieser eine Ansage. Ich verstehe sie nicht, ist aber auch egal. Für mich gilt es erst einmal locker zu laufen und mich an die Höhe und das stark profilierte Terrain zu gewöhnen. Pünktlich um 6:15 Uhr traben wir los. Erst ganz langsam, doch das Tempo nimmt immer mehr an Geschwindigkeit zu. Schon nach drei Kilometern lasse ich den Großteil der Gruppe ziehen und laufe mein eigenes Tempo weiter. Auf meinem Rücken verspüre ich eine leichte Wärme, drehe mich um und sehe die ersten Sonnenstrahlen hinter den Baumwipfeln und Hügeln hervorstrahlen. Unbeschreiblich! Die aufgehende Sonne ergibt zusammen mit den leuchtend roten Straßen eine ganz besondere Stimmung.

Doch diese Straßen sind teilweise alles andere als schön, wenn man auf ihnen läuft. Es geht immer nur bergab oder bergauf, niemals findet man ein flaches Stück. Die Aufstiege von bis zu zwei Kilometern Länge haben es teilweise ganz schön in sich und die Höhe von 2400 Metern macht es nicht einfacher. Es ist deutlich zu merken, dass der Sauerstoffgehalt um ein vielfaches geringer ist als im flachen Norddeutschland. Vorbei geht es an Maisfeldern, kleinen Hütten und Farmen, Schulen und Wäldern, bevor ich nach einer guten Stunde wieder daheim bin.

Nach einer eiskalten "Bucket Shower" und etwas Dehnung, gibt es wie jeden Morgen trockenes Toastbrot und Tee zum Frühstück. Danach ist Ausruhen angesagt. Entweder mit Freunden und Nachbarn in der morgendlichen Sonne oder alleine im Bett.
Beek genießt die Natur des Rift Valleys +
Foto: Beek Hadler

Beek genießt die Natur des Rift Valleys.

Die Verletzung

So verliefen für mich die letzten Morgen – bis auf gestern. Auf einem der vielen Steine bin ich umgeknickt und mein Knöchel und die Achillessehne sind nun ordentlich geschwollen. Das bedeutet erst einmal Laufpause, so schwer es auch ist. Zum Glück arbeitet zurzeit ein Physiotherapeut aus den Niederlanden im nahegelegenen Hotel, welcher mich behandeln kann. Ich hoffe, dass ich das Problem schnellstmöglich in den Griff bekomme, denn wenn er in 1,5 Wochen wieder abreist, gibt es hier keine Behandlungsmöglichkeiten mehr.

Der Alltag

Doch was mache ich eigentlich mittags, nachmittags und abends? Mittags gehe ich gerne in einem der nahegelegenen Restaurants essen. Für nur einen Euro bekommt man hier einen riesigen Teller mit allerlei Speisen. Danach laufe ich gerne ein wenig herum und erkunde die Gegend. An jeder Ecke werde ich angesprochen: „Hey, how are you?" Nach einem Händeschütteln kommt es dann meistens zu einem kleinen Gespräch und so konnte ich schon einige nette Leute kennenlernen. Es ist unglaublich, wie freundlich und offen die Kenianer mit einem umgehen. In den letzten Tagen habe ich bestimmt fünfzig neue Hände geschüttelt und wurde öfters auf einen Tee eingeladen oder der Familie vorgestellt. Auch bekam ich schon zweimal eine Einladung zum Abendessen, die ich dankend annahm. Bei meinen Nachbarn und den Besitzern eines kleinen Restaurants, verbrachte ich tolle Abende und wurde super nett empfangen. Gerade Vivian und Martin, die tagsüber ihre kleine Gastwirtschaft betreiben, hießen mich herzlichst willkommen und sind mittlerweile richtig gute Freunde. Gestern nahm mich Martin mit zum "View Point", von dem man das riesige Tal des Rift Valleys überblicken kann. Die Aussicht ist einfach fantastisch und danach zeigte er mir noch einige andere tolle Plätze in Iten. Es wurde nicht nur ein Foto geschossen und wir hatten viel Spaß.
Sonnenaufgang in Iten +
Foto: Beek Hadler

Ein solcher Sonnenaufgang kann nicht beschönigen, dass es in Kenia Probleme gibt.

Die Probleme

Doch es ist nicht alles toll in Kenia. So habe ich das blöde Gefühl, dass meine Mitbewohner mich ausnutzen. Ich musste unverhältnismäßig viel Geld ausgeben und sie beteiligten sich so gut wie nie an den Einkäufen. Ich weiß, dass Elkana sehr wenig Geld hat, finde es aber trotzdem nicht fair auf den Kosten anderer zu leben. Auch benutzen sie einfach alle meine Sachen ohne zu fragen und möchten ständig Geld von mir, was ich aber mittlerweile verweigere. Sie sind sehr verstockt in ihren Denkweisen und lassen wenig andere Meinung zu. Auch Neid ist bei Elkana ein großes Thema. Deswegen werde ich mich nach einer eigenen Wohnung umschauen, auch wenn das etwas teurer wird.

Doping in Kenia ist nur ein Gerücht? Ich glaube nicht, denn ich hatte gestern ein Erlebnis, welches mich stutzig werden ließ. Als ich alleine in unserem Zimmer war, kam plötzlich ein fremder Mann in den Raum und sagte, dass er hier vorher gewohnt hat und etwas vergessen hätte. Er griff in ein Versteck unter der Zimmerdecke und holte ein kleines Päckchen hervor. Als ich ihn fragte was das sei, lachte er und meinte, dass er hier sein "Candy" versteckt hätte. So schnell wie er gekommen war, verschwand er auch wieder. Vorsichtig erwähnte ich den Vorfall bei einem Gespräch mit meinen Mitbewohnern und sie fanden das überhaupt nicht ungewöhnlich. Schon etwas komisch!

Nun sitze ich im kleinen Restaurant meiner neuen Freunde umd genieße einen Tee, sowie ein paar Chapati, während ich diesen Blog verfasse. Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen. Ich werde auf jeden Fall weiter erzählen wie es mir ergeht und über verschiedenste Themen berichten.

Bis dann,
Beek
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24.09.2018
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