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Evangelische Bischöfin Ein Lauf mit Bischöfin Kirsten Fehrs

Seit einem Jahr ist Kirsten Fehrs Bischöfin in Hamburg. Ideen für ihre Predigtanfänge fallen ihr oft beim Laufen an der Alster ein.

Trainingstagebuch
Strecke: Außenalster, Hamburg
Wetter: bedeckt, 12° C
Distanz: 5 Kilometer
Zeit: 33 Minuten
Tempo: 6:36 min/km

Vor Ihrer Bischofseinführung 2011 sagten Sie: „Hoffentlich muss ich danach nicht aufs Laufen verzichten.“ Hat sich Ihre Hoffnung erfüllt?

Kirsten Fehrs: Ja. Auch wenn ich morgens weniger Zeit habe als früher, habe ich mich dazu diszipliniert, wenigstens ein paar Kilometer an der Alster zu laufen.

Und wie oft in der Woche schaffen Sie das?

Kirsten Fehrs:
Mindestens dreimal, normalerweise viermal – und noch schöner ist es, wenn es fünfmal funktioniert.

Der Sonntag als Lauftag scheidet ja aus, oder?

Kirsten Fehrs:
Sonntags bin ich mit dem letzten Feinschliff an der Predigt beschäftigt und feiere Gottesdienst.

Kann man eine Predigt denn nicht beim Laufen konzipieren?

Kirsten Fehrs:
Unbedingt! Für das Feilen an den Formulierungen eignet sich das Laufen nicht, aber für die Entwicklung der Grundgedanken. Beim Laufen sortiert sich im Kopf so viel. Vor allem die Predigtanfänge fallen mir oft beim Laufen ein. Der Anfang ist sehr wichtig, weil der den ganzen Gedankengang nach vorne bringt. Von da aus muss sich die Predigt logisch und stringent, aber in emotionaler Sprache weiterentwickeln.

Waren Sie schon immer sportlich?

Kirsten Fehrs:
Ja, ich habe lange und gern rhythmische Sportgymnastik gemacht, weil ich das tänzerische Element darin schätze. Leider bin ich in meinem Alter für diese wunderschöne Art der Bewegung nicht mehr flexibel genug.

Ist das Leben einer Bischöfin ähnlich ungesund wie das Leben eines Bürgermeisters – mit vielen Empfängen, ungesundem Essen und langen Meetings?

Kirsten Fehrs:
Es gibt jede Menge ungesunder Brötchen und jede Menge Sitzungen statt „Stehungen“. Wenn man da nicht diszipliniert ist, wird es in der Tat ungesund. Aber ich habe da ein funktionierendes Gegenprogramm, zu dem auch mein Laufen gehört. Außerdem bestehe ich schon mal darauf, frisches Obst zu bekommen.

Jetzt beginnt ja die Adventszeit, eigentlich eine Fastenzeit, für die meisten jedoch besonders stressige Wochen. Was empfehlen Sie Menschen, die inmitten des Vorweihnachtstrubels Ruhe suchen?

Kirsten Fehrs:
Suchen Sie die Lebensfreude in gemeinsamen Ritualen mit Freunden und Familie! Ich erinnere mich zum Beispiel besonders gerne an das gemeinsame Sternebasteln in meiner Kindheit.

Und wer nicht das Glück hat, in einer Familie zu leben?

Kirsten Fehrs:
Einsame Menschen spüren ihre Einsamkeit in der Advents- und Weihnachtszeit besonders stark. Die kann ich nur ermutigen, die Weihnachtsfeiern am Heilig Abend aufzusuchen. Ich glaube, dass Kirchen besonders gut eine Form der Gemeinschaft anbieten können, die den Teilnehmern ihre Individualität lässt.

Sie waren vor Ihrer Wahl zur Bischöfin Hauptpastorin der wichtigsten Pilgerkirche im Norden, der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg. Kann man auch laufend pilgern?

Kirsten Fehrs:
Das glaube ich nicht. Beim Laufen steht das körperliche Wohlgefühl im Vordergrund. Das Pilgern ist eine Art des In-sich-gehens, die ihren eigenen Ritualen folgt, eine besondere Einsamkeit und Ruhe fordert. Das sportive Element fehlt hier, wenngleich man zum Pilgern natürlich eine gute Kondition braucht.

Rituale und Meditation lassen sich ja aber auch mit dem sportiven Laufen verbinden.

Kirsten Fehrs:
Absolut. Ich glaube, jeder entwickelt ganz automatisch einen eigenen Ritus beim Laufen. Ich zum Beispiel zähle die Schritte immer zweimal bis Acht, danach einmal bis Vier. Das ist eine Meditationsübung, die ich mit einem speziellen Atemrhythmus – vier Schritte ein-, vier Schritte ausatmen – verbinde. Sie hilft mir, komplexe Zusammenhänge zu analysieren, und sie gibt mir ein Gefühl der Verlässlichkeit, mit dem man sich gedanklich einfacher an Neues heran traut.

Die Landeskirche Hannover organisiert einen der schönsten Etappenläufe Deutschlands, den Nordseelauf. Wann gibt es etwas Vergleichbares von der neuen Nordkirche?

Kirsten Fehrs:
In der Nähe von Lübeck gibt es bereits einen Drei-Kirchen-Lauf. Für die gesamte Nordkirche ist das aber eine gute Idee! Wenn wir die arbeitsreiche Vorbereitung für den nächsten Kirchentag in Hamburg hinter uns haben, können wir das gerne aufnehmen. Und wenn meine Archillessehnen es weiterhin mitmachen, bin ich gern dabei!

Interview: Frank Hofmann
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Autor: Frank Hofmann 21.11.2012
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