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Olympiasieger 2000 Ein Lauf mit Nils Schumann

Nils Schumann holte bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney Gold. Heute arbeitet er als Personal Trainer und Laufexperte. Sein nächstes Ziel: die Teilnahme am New-York-Marathon.

Trainingstagebuch
Strecke: Luisenpark, Erfurt
Wetter: Sonne, 10 Grad
Distanz: 10 Kilometer
Zeit: 42 Minuten
Tempo: 4:12 min/km

Vor zwölf Jahren haben Sie bei den Olympischen Spielen in Sydney Gold über 800 Meter geholt. Wie erinnern Sie sich heute daran?
Es war eine Riesenehre, in Australien gegen die Besten der Welt antreten zu dürfen. Dann noch ein Quäntchen Glück zu haben und zu gewinnen – wow! Alle anderen Titel, die ich errungen habe, verblassen im Angesicht dieses Olympia-Siegs.

Reizt es Sie, noch einmal an Olympia teilzunehmen?
Für mich war 2009 die Zeit gekommen, um aufzuhören. Nach fünf, sechs Jahren mit vielen Erfolgen und einigen Jahren, in denen ich mit Verletzungen zu kämpfen hatte, kannte ich alle Facetten. Zum Leistungssport gehört die mentale Fähigkeit, an seine absolute Grenze zu gehen. Mit 30 Jahren ist mir das nicht mehr so leicht gefallen. Da muss man ehrlich sein und erkennen: Die Zeit ist reif, Platz für jüngere Athleten zu schaffen.

Nach Ihrem Erfolg hat kein deutscher Läufer mehr olympisches Gold geholt. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?
Ich werfe den Jungs, die sich jetzt an der Qualifikationsnorm die Zähne ausbeißen, nichts vor. Junge Athleten müssen heute gegen viele Umstände im Alltag ankämpfen. Zwei der größten Probleme sehe ich nach wie vor im Fehlen finanzieller Reize, die junge Sportler brauchen, und in dem Mangel an erfahrenen Trainern, die Sportler bis zu Olympia bringen können.

Warum haben Sie sich für das Personal Training und nicht für das Trainieren des Nachwuchses entschieden?
Das hatte die unterschiedlichsten Gründe. Zum Beispiel gibt es wenig in­teressante Trainerstellen. Und als Personal Trainer und Laufexperte für Sport-Scheck habe ich viele ­spannende Aufgaben wie etwa das ­Organisieren der Stadtlaufserie und das Betreuen von Laufcamps.

Was ist das Schönste an Ihrem Job als Personal Trainer?
Im Hochleistungssport muss man ­einen immensen Aufwand betreiben, um auch nur kleinste Verbesserungen zu erzielen. Bei meinen Klienten er­reiche ich hingegen ohne Hokuspokus sehr viel. Ich möchte nicht nur mit dem Ironman trainieren, sondern mit Leuten arbeiten, die ­einfach abnehmen oder allgemeine Fitness erlangen wollen. Im gemeinsamen Training ­verändern sich Menschen und ihre Prioritäten. Ich arbeite dabei mit ­einem fast philosophischen Ansatz zum Thema Zielstellungen. Für mich ist diese Arbeit manchmal überraschend und – man muss es ehrlich sagen – ein sehr dankbarer Job.

Was sind Ihre sportlichen Ziele für die nächste Zeit? Wagen Sie sich an längere Distanzen?
Ja, auf jeden Fall. Im November werde ich zum ersten Mal einen Marathon laufen – in New York! Gleichzeitig ­betreue ich eine Laufgruppe auf dem Weg dorthin. Das heißt, dass ich in den nächsten Monaten deutlich ­stärker trainieren muss, schließlich möchte ich ja gut abschneiden.

Das Interview führte Sünne Kayser.
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