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Interview Ein Lauf mit Schauspieler Fritz Karl

Fritz Karl ist ein sportlicher Schauspieler. Das Laufen hilft ihm, sich auf neue Rollen vorzubereiten.

Trainingstagebuch
Strecke: Landungsbrücken, Hamburg
Wetter: diesig, 5 Grad
Distanz: 8 Kilometer
Zeit: 45 Minuten
Tempo: 5:40 Min./km

Sie spielen gerade in Hamburg einen drogensüchtigen Polizisten und müssen für manche Szenen dauernd Zigaretten rauchen. Wie fühlt man sich da abends?

Das ist schon wahnsinnig anstrengend. Ich vermeide es nach Möglichkeit, beim Drehen zu rauchen – aber bei dieser Figur geht das nicht anders. Andererseits: Von der Rolle selbst kann ich mich abends völlig trennen. Schauspiel hat viel mit Handwerk zu tun.

Treiben Sie auch deshalb Sport, um für körperlich anspruchsvolle Rollen gewappnet zu sein?

Ja, es gibt eigentlich zwei Gründe: Zum einen esse und trinke ich wahnsinnig gern. Und um einigermaßen mein Gewicht und meine Fitness zu halten, muss ich einfach Sport machen. In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass Laufen am besten zu mir passt. Zum zweiten lüftet Sport den Kopf durch, entspannt und hilft mir, mich auf neue Rollen vorzubereiten.

Welche Sportarten betreiben Sie denn noch?

Im Winter natürlich Skifahren. Wenn ich meine Söhne in der Früh in den Kindergarten gebracht habe, sitze ich zehn Minuten später in der Gondel auf unseren Hausberg, den Feuerkogel. Wenn ich da drei oder vier Mal runtergefahren bin, weiß ich auch, was ich gemacht habe. Ansonsten liebe ich noch das Fliegenfischen – eine Mischung aus Meditation und Jagd. Da bewegt man sich auch an der frischen Luft.

Für Stars in der Manege mit dem Zirkus Krone hatten Sie mal einen spektakulären Einsatz, bei dem Sie durch vier teils brennende, teils mit Messern gespickte Reifen gesprungen sind. Mussten Sie dafür lange trainieren?

Oh ja, das war ein zwei Monate langer Leidensweg. Ich habe dafür bei den Shaolin-Mönchen trainiert – nach dem ersten Tag hatte ich einen solchen Muskelkater wie noch nie in meinem Leben. Wie hatten da allerdings auch noch andere Dinge ausprobiert wie zum Beispiel Steinplatten auf dem Bauch zerschlagen …

Könnten Sie sich auch vorstellen, mal einen Läufer zu spielen, wenn es dafür einen guten Stoff gäbe?

Unbedingt! Es gab ja vor drei Jahren den Film „Der Räuber“ von Benjamin Heisenberg über den Bankräuber und Marathonläufer Johann Kastenberger. Die Hauptrolle hätte ich gerne gespielt, zumal ich die Berge, über die er gelaufen ist, von meinem Haus aus sehen kann. Beim Casting bekam aber Andreas Lust den Zuschlag, der es dann auch sehr gut gemacht hat. Es ist nun mal Teil meines Berufes, mit Zu- und Absagen leben zu können. Aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit, vielleicht wird es ja nochmals was mit der Läufer-Rolle.

Wäre es für Sie auch ein Ziel, mal als Fritz Karl an einem Marathon teilzunehmen?

Ich habe mal in Rom an dem Tag gedreht, als dort der Marathon veranstaltet wurde. Da habe ich mir gedacht: Das muss ein tolles Gefühl sein – trotz des Kopfsteinpflasters! Marathon ist für mich vor allem eine Zeitfrage. Wie lange müsste ich denn dafür trainieren?

Wie viel laufen Sie denn jetzt?

So zirka fünfmal pro Woche fünf bis acht Kilometer – davon viel bergauf.

Mit einem halben Jahr Vorbereitung wären wir auf der sicheren Seite.

Interessant! Unglaublich viele Regisseure und Schauspieler laufen – der Marathon ist in meiner Branche richtig in Mode gekommen.

Wie machen Sie das, wenn Sie auf Reisen sind?

Es ist ja der große Vorteil des Laufens, dass man es überall machen kann. Man braucht dafür ja irrsinnig wenig. Ich habe immer meine Laufschuhe dabei, meine Sportklamotten – und mein Fliegenfischzeug.

Haben Sie mal eine Strecke gefunden, die schöner ist als Ihre Hausstrecke am Traunsee?

Nein – da bin ich Patriot! Ich liebe es, in meiner Heimat durch den Wald zu laufen. Dafür brauche ich auch keine Wege, manchmal laufe ich einfach querfeldein. Und ich liebe es, im Schnee zu laufen. Sehr anstrengend, aber auch sehr naturverbunden. Eine Strecke allerdings ist mir außerhalb der Heimat in bester Erinnerung geblieben: oberhalb von Bozen in Südtirol. Da hatte ich mich zwar völlig verschätzt und war vier Stunden unterwegs, aber es war fantastisch. Und ich war stolz auf mich.

Sie haben Ihre Karriere bei den Wiener Sängerknaben angefangen. Bedeutet Ihnen Musik noch so viel, dass Sie sich auch beim Laufen hören?

Es gibt drei Möglichkeiten: entweder laufe ich ohne alles – etwa wenn ich eine Rolle lerne – oder mit Musik oder mit Hörbüchern. So bin ich schon den ganzen „Herrn der Ringe“ durchgelaufen.
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