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Sportsfreundin Sandra im Interview Halbmarathon statt Hobbylos

Sandras Beziehung zum Laufen begann 2016, als sie beschloss, den Halbmarathon in Köln ein Jahr später mitzulaufen. Bis dahin war sie noch keinen Meter weit gelaufen.



Sandra hat es in nur einem Jahr von der Nicht-Läuferin zur Halbmarathon-Finisherin geschafft. Der spontane Entschluss auf der Geburtstagsfeier ihres Vaters, sich für einen Halbmarathon anzumelden, war für die 28-jährige der Anfang zu einem neuen Leben. Inzwischen plant Sandra sogar ihre erste Marathon-Teilnahme und läuft nahezu täglich, sie nennt das auch ihre „Kopf-frei-Therapie“.

Runner’s World: Eigentlich wollen wir mit dir ja über das Laufen reden, aber derzeit beschäftigt dich etwas anderes noch mehr, oder?
Sandra: Ja, tatsächlich, neben der Arbeit und dem Laufen stecke ich aktuell in den finalen Vorbereitungen zur Hochzeit mit meinem Freund, es wird eine besondere Feier, eine „Harry-Potter-Mottohochzeit“…

Ganz normal geht bei dir wohl nicht - auch wenn man dich so ansieht?
Meinst Du meine Haarfarbe? Das ist Natur. Oder meinst du die vielen, großen und bunten Tattoos? Die sind zugegebenermaßen wirklich eher außergewöhnlich. Viele Menschen müssen zweimal hinschauen, um zu erkennen, dass ich keine einseitige Strumpfhose trage.

Wenn schon nicht Laufen, was waren denn deine ersten sportlichen Erlebnisse?
Mein Vater fährt Rennrad, seit ich denken kann, deshalb habe ich vermutlich in der Freizeit fast jede freie Minute auf dem Rad verbracht, zuerst im Kindersitz und dann mit dem eigenen Rad neben meinem Papa. In jungen Jahren hatte ich dank meiner Eltern die Möglichkeit, vieles auszuprobieren: Tanzen, Fußball, Taekwondo, Wing Tsun und Badminton. Leider habe ich davon nichts lange durchgehalten, so dass ich mit dem Beginn meiner Ausbildung Hobbylos war…

Und dann bist Du plötzlich von Null auf Hundert durchgestartet!
Ehrlich gesagt war es schon sehr lange ein Traum von mir, den Halbmarathon in Köln zu laufen. Jedes Mal, wenn die blaue Linie direkt vor unserer Haustür auf die Straße gemalt wurde, erinnerte das mich daran. Jedoch hat mein Papa immer um den Köln-Marathon herum Geburtstag, also hatte ich viele Jahre eine „Ausrede“, warum es mal wieder nicht geklappt hatte.
Während der Geburtstagsfeier meines Vaters im Jahr 2016 entdeckte ich auf Facebook, dass an dem Tag ein ehemaliger Klassenkamerad, dem ich so viel sportlichen Ehrgeiz gar nicht zugetraut hatte, den Halbmarathon gefinisht hatte. Also beschloss ich in dem Moment, dass ich im nachfolgenden Jahr auch den Halbmarathon laufen werde. Und um den „Druck“ zu erhöhen, erzählte ich das Vorhaben jedem am Tisch.



Wie waren die Reaktionen?
Kritisch und amüsiert! Aber da war mein Kampfgeist erst recht geweckt. Mein Vater meinte, ich solle darüber erst nochmal nachdenken und ein paar Nächte drüber schlafen, schließlich sei ich doch total unsportlich.

Aber Du bist durchgestartet! Was faszinierte und fasziniert dich am Laufen?
Man kann seine eigenen Erfolge und Ziele direkt sehen, messen und fühlen. Der Kopf ist nach dem Laufen von allen unnötigen Gedanken befreit. Man tankt beim Laufen in traurigen, schwierigen, kräftezehrenden Zeiten Kraft. Und man braucht, um loszulaufen, nicht viel, bis auf ein paar gute Schuhe.

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Was bedeutet dir das Laufen heute?
Ich tue damit etwas für mich, was mir gut tut, wann und wo ich möchte. Es ist für mich die Freiheit, mit mir alleine zu sein, eine Art Kopf-frei-Therapie. Es bedeutet aber auch, mich immer wieder aufs Neue zu motivieren und zu pushen - durch die eigenen Erfolge, egal, ob kleine oder große - und mit jedem Lauf zu wissen, dass ich wieder ein kleines Stück über mich hinausgewachsen bin.

Und in Phasen, in denen die Lust mal nicht da ist, was motiviert dich da?
Am meisten motivieren kann ich mich tatsächlich durch Anmeldungen zu Laufevents, egal ob 5 Kilometer, 10 Kilometer, Halbmarathon oder mehr. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich ein Mensch bin, der sehr strukturiert ist, dann kann ich nach einem Trainingsplan trainiere, der mich fordert und pusht. Habe ich so etwas nicht, laufe ich meistens nur im Wohlfühlbereich.


Hand aufs Herz: Was war dein schönster Laufmoment?
Na klar, der Zieleinlauf beim Köln-Marathon. Danach habe ich erstmal geweint und war tierisch stolz auf mich. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben ein sportliches Vorhaben durchgezogen. Die anerkennenden und stolzen Gesichter von meinem Freund und meinem Vater waren dann noch das Tüpfelchen auf dem I.

Gab es auch schon Momente, wo dir das Laufen in schwierigen Phasen ein Helfer war?
Ja! Meine Mama erkrankte an Krebs, darauf folgten OPs, Untersuchungen und Kontrollen. Das war auch für mich eine sehr schwere Zeit, in der ich sehr oft meinen Kopf frei laufen musste. Ich glaube, meiner Mama hat es auch geholfen, da wir mit dem Laufen ein anderes, schönes Gesprächsthema hatten, anstatt nur über die Befunde, Therapien usw. zu reden.
Ich konnte beim Laufen den Kopf ausschalten, mal nicht über all die belastenden Dinge nachdenken, und im Anschluss durch die körperliche Anstrengung besser einschlafen. Im Grunde bin ich meinen traurigen Gedanken davon gelaufen, und konnte dadurch auch neue Kraft tanken. Es war eine Art Therapie, die ich mit mir selber an der frischen Luft ausmachen konnte, denn oft wollte ich einfach nicht mehr über die Dinge sprechen. Ohne den Sport hätte ich vieles wahrscheinlich in mich hineingefressen.

Inzwischen bist Du eine richtig ehrgeizige Läuferin: Wie reagiert denn dein Umfeld heute darauf?
Nicht jeder kann es nachvollziehen, warum ich mir sonntags morgens den Wecker stelle und 15 Kilometer oder mehr laufen gehe. Allerdings sieht jeder, mit wie viel Herzblut ich dabei bin, und wie viel Spaß mir das Laufen macht. Deswegen werden die meisten Verabredungen meinen Laufzeiten angepasst. Auch wenn meine Ambitionen nicht alle zu hundert Prozent verstehen und/oder nachvollziehen können, werde ich bei jedem Treffen gefragt, wie es so läuft, was meine nächsten Ziele sind und wie ich sie erreichen möchte.
Mein Freund und mein Vater haben mich bis jetzt bei jedem Laufevent angefeuert, und mein Cousin quält sich mir zu Liebe auch schon mal über die ein oder andere 5-Kilometer-Distanz bei Laufevents, um ein kleines Familientreffen daraus zu machen.
Ich kann tatsächlich sagen, dass ich von meiner Familie, meinem Partner und meinen Freunden zu voll unterstützt und motiviert werde.

Auch unsere Partnerseiten Men’s Health und Women’s Health stellen im Rahmen unserer Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten vor. Lass dich auch von ihnen motivieren und inspirieren!
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