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Siegertyp Laufen und Lernen

Lagat brachte Sport und Ausbildung unter einen Hut. Er erlief sich ein Stipendium für ein Studium in den USA.

Mit 14 war Bernard nach alten Ritualen der Nandi beschnitten und damit zum Mann geworden. Von nun an durfte sich Bernard Kipchirchir den Namenszusatz „Sohn des Lagat“ geben. „Ich werde diesen Tag nie vergessen“, sagt er 20 Jahre später. Aber fast ebenso eindrücklich blieb ihm ein Tag im Jahr 1992 in Erinnerung: Es war der Tag, an dem ihm seine Schwester Mary sein erstes Paar Laufschuhe schenkte. Dabei ermahnte sie ihn: „Ab jetzt musst du hart trainieren, richtig hart.“ Aber genügte das? Wer war er denn schon? Einer von Hunderten von kenianischen Oberstufenschülern, die alle beim Laufen den gleichen leichten, federnden Schritt hatten und die alle vom großen Los als Laufstar träumten.

Als Bernard 1994 bei den regionalen Schulmeisterschaften von einem gewissen Daniel Komen um Längen geschlagen wurde, war er so gut wie sicher, dass seine Zukunft nicht in der Leichtathletik läge. Er war klug, ein ausgezeichneter Schüler, und es gab einen anderen, der viel, viel schneller lief als er. Nein, er würde mehr Zeit aufs Lernen als aufs Laufen verwenden. Dass jener Daniel Komen nur zwei Jahre später den 3.000-Meter-Weltrekord auf unglaubliche 7:20:67 Minuten verbessern würde, das wusste Bernard da noch nicht.

1994 wurde Bernard an der renommierten Jomo Kenyatta University in Nairobi aufgenommen. Er blieb seiner Devise treu, weiter zweigleisig zu fahren. Er lernte und lief. Er lief und er lernte. Trainiert wurde er inzwischen vom Universitätscoach Ng’ang’a Ngata, und in ihm reifte ein neuer Gedanke: Er wollte sich durch gute Leistungen ein Stipendium für eine amerikanische Universität erlaufen.
Gut zwei Jahre später hatte Bernard unter Trainer Ngata große Fortschritte gemacht. 1996 bei den kenianischen Ausscheidungsrennen für die Olympischen Spiele in Atlanta schaffte er es über 1500 Meter mit einer Zeit von 3:37;7 Minuten bis ins Finale. Am Schluss reichte es nicht fürs Olympiateam, aber ein Stipendium in den USA wurde möglich. Ngata schwärmte seinem Athleten von der Washington State University vor.

Dort hatte ihr legendärer Landsmann Henry Rono in den Achtzigerjahren den Grundstein für seine diversen Weltrekorde gelegt. Und so fand sich Bernard Lagat im Herbst des Jahres 1996 gut 24.000 Kilometer entfernt von zu Hause im US-Bundesstaat Washington wieder.
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Autor: Kenny Moore 02.06.2010
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