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Markus Jürgens Marathon-Weltrekord im Rückwärtslauf

Markus Jürgens hält den Marathon-Weltrekord im Rückwärtslaufen. Ein völlig verrückter Vogel ist Jürgens aber keineswegs, wenn auch etwas unkonventionell.

Rückwärtsläufer Markus Jürgens +
Foto: Marcus Vogel

„Mit jedem Rückwärtslauf erlebt man ein neues Abenteuer, auch weil dabei die Sinne geschärfter sind.“

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361°

Markus Jürgens läuft rückwärts, und zwar immer: 10-Kilometer-Läufe, Halbmarathons, Marathons und auch 24-Stunden-Läufe. Letztere schafft vorwärts ja schon kaum jemand durchzuhalten, aber Jürgens schafft dies eben sogar rückwärts. Der 30-Jährige hat auch schon Duathlons (Laufen-Schwimmen-Laufen) rückwärts absolviert (zumindest hat er dabei die Laufpassagen rückwärts zurückgelegt), aber das war nur eine Ausnahme. Allerdings eine, bei der er Duathlon-Weltmeister im Rückwärtslaufen geworden ist. Ja, solche Weltmeisterschaften gibt es! Womit wir auch schon bei den Erfolgen des Markus Jürgens wären.

Der beste Rückwärtsläufer der Welt

Er ist nämlich nicht irgendein Rückwärtsläufer, sondern der Beste der Welt – zumindest über die Halbmarathon- und Marathondistanz. Im Halbmarathon wurde er 2014 und 2018 Weltmeister, im Marathon hält er sogar den aktuellen Rückwärtslauf-Weltrekord. Bei 3:38:27 Stunden steht der. Jürgens stellte ihn 2017 beim Hannover-Marathon auf. Zuvor stand der Rekord bei 3:42:41 Stunden, was insofern wichtig ist, als der damalige Rekordhalter Achim Aretz hieß, der ebenso wie Jürgens aus der Umgebung von Münster kommt und der­jenige ist, der Markus Jürgens zum Retrorunning, wie der Sport international heißt, brachte. Aretz war und ist so etwas wie der Spiritus Rector der deutschen Rückwärtslauf-Szene, wobei ihr Vorläufer nach nackten Zahlen jahrelang ein anderer war: der Schwarzwälder Thomas Dold. Dold nahm als Erster in Deutschland das Rückwärtslaufen richtig ernst, begann rückwärts auf allen Strecken von 400 bis 10.000 Meter Rekorde zu jagen, und tat eine Menge, um sich und den Sport auch in der Öffentlichkeit erfolgreich zu präsentieren.

Warum rückwärts, wenn es ­vorwärts viel leichter geht?

Zumindest in Bezug auf das Talent zur Selbstvermarktung ist Markus Jürgens ungefähr das Gegenteil von Dold, was weder in die eine noch in die andere Richtung wertend gemeint ist. Dennoch wundert man sich natürlich, wenn man jemanden trifft, der solch einem kuriosen Sport frönt, warum er das tut: Warum läuft jemand rückwärts, wo es vorwärts doch so viel leichter fällt? Man könnte spekulieren, dass er es macht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn man Markus Jürgens allerdings persönlich kennenlernt, ahnt man sofort: Das mag auf manchen zutreffen, auf Jürgens aber sicher nicht. Ihn als bescheiden und zurückhaltend zu beschreiben wäre untertrieben – er ist sehr bescheiden und sehr zurückhaltend, überhaupt kein Selbstdarsteller oder „Showmaker“.

Das Vorwärtslaufen war ihm zu langweilig

Warum macht er das Ganze dann? „Ich bin laufverrückt, aber trotz Marathons und Ultraläufen wurde mir das (Vorwärts-)Laufen einfach langweilig und ich suchte eine neue Herausforderung“, sagt er und man glaubt’s ihm sofort. Ein Tüftler ist er, ein Typ, der immer neue Herausforderungen sucht und auf diese Weise nach Jahren des normalen Laufens neue Inspiration fand. Und dass er dabei auf Anhieb um ­Rekorde mitlaufen konnte, spielte sicher auch eine Rolle. „Mit jedem Rückwärtslauf erlebt man ein neues Abenteuer, da beim Rückwärtslaufen die Sinne geschärfter sind als beim Vorwärtslaufen“, schwärmt Jürgens und fügt hinzu: „Das muss man einmal selbst erlebt haben.“

Größerer Trainingseffekt und willkommener Ausgleich

Markus Jürgens ist Sportwissenschaftler, er arbeitet an der Universität Münster im Fachbereich „Bildung und Unterricht im Sport“. Insofern ist es kein Wunder, dass er seinen Sport auch schon von der wissenschaftlichen Seite her durchleuchtet hat. „Rückwärtslaufen ist anstrengender als Vorwärtslaufen“, weiß er. „Mein Puls liegt rückwärts etwa 20 Schläge pro Minute höher, obwohl ich eine Minute pro Kilometer langsamer bin. Der Trainingseffekt ist also pauschal gesagt größer. Und es ist auch ein guter Ausgleich zum Vorwärtslaufen. Man kann es jedem Läufer nur empfehlen!“

Mit den Ohren sehen, was man mit den Augen nicht sieht

Ist Rückwärtslaufen also im Grunde die bessere Art zu laufen? „Unsinn!“, wischt Jürgens die bewusst provokative Frage beiseite, „der Mensch ist ganz ohne Frage zum Vorwärtslaufen geboren.“ Schmunzelnd schiebt er nach: „Wenn man es sporadisch tut, kann es aber eine therapeutische Wirkung haben.“ Therapeutisch? Da wird man natürlich hellhörig. „Man nutzt seine Sinne intensiver“, erklärt Jürgens. „Ich sehe nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Ohren, oder anders gesagt: Ich höre mit den Ohren mehr als sonst – etwa ob ein Auto, Fahrrad oder Tier kommt. Man achtet auch auf Dinge, denen man sonst keine Bedeutung schenkt: Bordsteinkanten, Orientierungs­linien auf der Straße oder das sich verändernde Straßenpflaster. Ich drehe mich nicht permanent um, sondern auf bekannten Strecken nur alle 100 Meter mal kurz. Man muss also schon konzentriert zur Sache gehen.“
Rückwärtsläufer Markus Jürgens und seine Laufpartnerin Jenny Wehmschulte +
Foto: Marcus Vogel

„Im Wettkampf läuft Jenny hinter mir her, um für uns ­vorauszuschauen. kein schlechtes ­Training für Partner“

Laufpartnerin als Guide im Wettkampf

Im Wettkampf verlässt Jürgens sich allerdings nicht auf seine Sinne. Da leistet er sich einen Guide, jemanden, der ihm hinterherläuft, um ihm gewissermaßen vorauszuschauen und ihm mittels Kommandos und Handzeichen Richtung und Streckenbeschaffenheit anzuzeigen. In letzter Zeit war dies stets seine Partnerin Jenny Wehmschulte. Die beiden sind ein eingespieltes Team und haben nur ein einziges Problem: Wehmschulte hat inzwischen selbst Ge­fallen am Rückwärtslaufen gefunden und sammelt bereits Meriten in dem Metier. Schon bald werden die beiden ihre Saisonplanung also sorgsam abstimmen müssen.

Rückwärts lassen sich ­leichter Spenden sammeln

Gemeinsame Pläne und laufende Projekte gibt es zuhauf. Zum Beispiel organisiert Jürgens jedes Jahr im Advent einen „Spenden-Adventskalenderlauf“ (markus-juergens.de/adventskalenderlauf). Das Prinzip ist einfach: Man läuft vom 1. bis 24. Dezember täglich einen Kilometer mehr und spendet für jeden gelaufenen Kilometer einen Betrag X an den Verein „Diagnose ALS was nun e. V.“ Der Verein ist für Jürgens eine Herzenssache: Er verlor einen Freund durch ALS, eine unheilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Deshalb hat er inzwischen noch weitere läuferische Spendenaktionen fest etabliert: im Juni den Parkhaus-Marathon im Uniparkhaus in Münster, bei dem eine 1540-Meter-Runde über acht Stockwerke 27-mal absolviert werden muss, und im September einen 24-Stunden-Lauf in Reken.

Natürlich rennt Jürgens bei diesen Läufen mit – selbstverständlich rückwärts. Er nutzt das Rückwärtslaufen gewissermaßen als Eyecatcher für die Spendenaktionen. Spätestens, wenn man sich das vor Augen führt, wird einem klar, dass er nicht rückwärts läuft, um im Rampenlicht zu stehen, sondern um Aufmerksamkeit für eine gute Sache zu erzeugen. Diese uneitle Selbst­losigkeit ist typisch für Markus Jürgens.
Rückwärtsläufer Markus Jürgens +
Foto: Marcus Vogel

Markus Jürgens mit den Instituts­kollegen beim Training auf der Laufbahn der Universität in Münster.

Markus Jürgens hat einen großen Traum – 361° und RUNNER’S WORLD helfen bei der Erfüllung

Im Frühjahr 2018 starteten wir gemeinsam mit dem Sportartikelhersteller 361° die Aktion „Wir erfüllen Ihren Lauftraum“. Unter fast 100 Bewerbern fiel die Wahl auf Markus Jürgens, der uns bat, ihm dabei zu helfen, den 100-Kilometer-Weltrekord im Rückwärtslaufen zu brechen und dabei möglichst viele Spenden für den Verein „Diagnose ALS was nun e. V.“ zu sammeln. Im Frühjahr 2019 wird er auf der Laufbahn des Sport­referats der Universität Münster seinen Rekordversuch unternehmen. Wir ­werden ihn vor Ort unterstützen – und viele von Ihnen hoffentlich auch. Mehr über das Projekt demnächst in RUNNER’S WORLD.

Hier können Sie Markus Jürgens folgen:

www.markus-juergens.de
www.facebook.com/rueckwaertslaeufer (@Der Rückwärtsläufer)
www.instagram.com/the_backwards_runner (@the_backwards_runner)
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Autor: Martin Grüning 14.11.2018
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