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Aenna Broo: live run laugh Mein erster Marathon: Das war wohl nix

Im letzten Artikel habe ich euch von meinem schwierigen Weg zu meinem ersten Marathon erzählt. Hier lest ihr, wie es mir dann letzten Endes ergangen ist und wie meine Pläne für die kommende Saison aussehen.

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Foto: privat

Noch motiviert und optimistisch am ersten Messetag mit den Kollegen und Jan Fitschen am Runner's World-Stand.

Das war er also, der Frankfurt-Marathon 2017, es sollte mein großer Tag werden... Mittlerweile sind knapp drei Wochen vergangen und es ist Zeit, um Bilanz zu ziehen. Ich will gar nicht lange um den heißen Brei reden - der Marathon hat ohne mich stattgefunden. Meine altbekannte Verletzung, über die ich bereits berichtet habe, hat sich zurückgemeldet und mich quasi in letzter Minute zu dieser sehr schwierigen Entscheidung gezwungen. Aber ich hole nochmal etwas weiter aus, um die ganze Geschichte zu erzählen.

Bekanntlich wird spätestens zwei Wochen vor dem Marathon ein letzter intensiver Reiz gesetzt, bevor endlich die Tapering-Phase losgeht und es gilt, die Form zu konservieren und Energie zu tanken. So auch bei mir, in Form eines 35-Kilometer-Laufes inklusive Temposteigerung. Vor dieser Einheit hatte ich definitiv Respekt, war aber hochmotiviert und zweifelte keine einzige Sekunde an mir. Praktischerweise wurde an besagtem Sonntag in Offenbach, der Nachbarstadt Frankfurts, der alljährliche Mainuferlauf veranstaltet. Diesen nutzen viele Marathonis als letzten Belastungstest vor dem Saisonhöhepunkt. Es werden sowohl zehn Kilometer, als auch ein Halbmarathon angeboten. Bei letzterem war ich im Vorjahr meine persönliche Bestzeit gelaufen und hatte den Wettkampf daher in positiver Erinnerung. Der Startschuss für den Zehner sollte genau eine Stunde vor dem Halbmarathon starten, was perfekt in meinen Zeitplan passte. Ich wollte also beide Distanzen möglichst ohne "Leerlauf" hintereinander absolvieren und die noch fehlenden vier Kilometer im Anschluss alleine dranhängen. So weit, so gut - abgesehen von meiner nicht optimalen Tempogestaltung lief alles gut, ich kam mit der Verpflegung zurecht und sah viele bekannte Gesichter. Gegen Ende taten mir natürlich die Beine weh, aber das nahm ich als normale Muskelschmerzen hin.

Zu Hause angekommen, geduscht, gegessen und ausgeruht war mir das Ganze aber dann doch nicht mehr so geheuer. Ich konnte kaum auftreten, ohne dass mir ein stechender Schmerz in die Leistenregion fuhr. Das war definitiv anders, als den bisherigen Longruns. Auch am nächsten Tag war es nicht besser - meine Beine waren zwar noch etwas müde, aber ich hatte keinerlei Muskelkater. Ich spürte, dass der Schmerz eine andere Ursache hatte, wollte das aber noch nicht wahr haben. Dementsprechend wollte ich meinen Trainingsplan natürlich noch weiter durchziehen und brach zu einem lockeren Dauerlauf auf. Gut fühlte sich das auf keinen Fall an, wurde aber auch nicht schlimmer, weshalb ich die Strecke lediglich verkürzte. Nach dem Lauf waren die Schmerzen auch kurzzeitig tatsächlich weg, schlugen dann aber wieder heftig zu. Mein Trainingsplan musste natürlich angepasst werden, an Tempoläufe oder Ähnliches war nicht zu denken. In dieser Woche lief ich noch ein weiteres Mal, was wieder sehr unangenehm und frustrierend war, aber auch kein Totalausfall. Ich beschloss, bis zum Marathon nun gar nicht mehr zu laufen, sondern lediglich einen Tag vorher einen kurzen Test auf erhoffte Schmerzfreiheit zu machen und dann an den Start zu gehen.

Die folgenden Tage waren geprägt von Dehnübungen, Besuchen bei gefühlt unzähligen Physiotherapeuten und meiner Blackroll. Die Beschwerden gingen zurück, waren aber nach wie vor deutlich spürbar, selbst beim Gehen. Ich wurde zunehmend nervöser und so tat ich zwei Tage vor dem Marathon etwas, das ich eigentlich niemals gutheißen würde. Ich nahm eine Schmerztablette, in der Hoffnung, auch die Ursache und nicht nur die Symptome beseitigen zu können. Auf einmal ging es mir blendend und ich fühlte mich, als können ich jeden Moment loslaufen. Die Wirkung der Tablette verdrängte ich irgendwie und war fest überzeugt, nun fit für den Marathon zu sein. Also machte ich mich schnurstracks auf den Weg zur Marathon-Messe und hielt wenige Minuten später meine Startunterlagen in der Hand. Die gesamte Atmosphäre in der Messehalle trieb mir vor Aufregung und Vorfreude die Tränen in die Augen, obwohl die Ungewissheit natürlich nach wie vor bestehen blieb - den Testlauf hatte ich schließlich noch nicht gemacht. Ich habe sehr viele Freunde und Bekannte getroffen und mir unter anderem bei den lieben Kollegen am Runner's World-Stand letzte Tipps und Ratschläge geben lassen. Ich solle auf meinen Körper hören und vor allem von Schmerztabletten Abstand nehmen!
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Foto: privat

Anna im Zielbereich in der Festhalle - als Zuschauer.

Am nächsten Morgen dann die Stunde der Wahrheit - der "Anlauf-Test" stand bevor. Den hatte ich mir auf jeden Fall anders vorgestellt, denn ich merkte meine Hüfte ab dem ersten Schritt. Ich lief weiter, in der Hoffnung, es würde nach ein paar Minuten besser werden. So war es leider nicht. Als ich nach einer halben Stunde wieder zu Hause ankam, war ich verunsicherter denn je - ich hatte keine schlimmen Schmerzen, doch 42 Kilometer würden in dem Zustand kein Spaß werden. Ich ging erstmal in die Uni (ja, an einem Samstag!) und überlegte hin und her. Nachmittags rief ich meine Mama an, für mich immer der erste Schritt, wenn ich gar nicht mehr weiter weiß. Natürlich wusste ich schon vorher, was sie mir sagen würde. Ich fing eigentlich sofort an zu weinen, weil mir nun klar wurde, dass ich den Frankfurt-Marathon wieder nur vom Streckenrand aus verfolgen würde - die Vernunft hatte gesiegt. Das sollte sich noch mehr denn je als eine sehr kluge Entscheidung herausstellen.

Ich war traurig, wütend und enttäuscht. Dennoch wollte ich das Beste aus dem Tag machen und verabredete mich mit einer Freundin zum Anfeuern an der Strecke. Am Morgen des Marathons konnte ich kaum auftreten. Die Frage "Wäre es vielleicht doch gegangen?" stellte sich mir also gar nicht erst. Gefühlt lief ganz Frankfurt an diesem Tag den Marathon, zumindest kam ich aus dem Zujubeln gar nicht heraus. Einen harten Moment gab es dann doch noch, als ich zum Zielbereich in die Festhalle ging - wer bei dieser Stimmung keinen Kloß im Hals hat, dem ist nicht zu helfen! Abends traf sich mein Freundeskreis dann noch in der örtlichen Vereinskneipe, um Urkunden zu verteilen und die Marathonläufer gebührend zu feiern. Trotz der Umstände hatte ich einen tollen Tag und konnte positiv in die Zukunft blicken.

Im Jahr 2017 wollte ich meinen ersten Marathon in meiner Heimatstadt laufen. Ich habe dafür gekämpft, doch es sollte einfach nicht sein. Letzte Woche habe ich endlich ein MRT machen lassen und zumindest eine Diagnose erhalten. Der Sehnenansatz des Hüftbeugers ist gereizt - eine therapeutisch sehr undankbare und komplizierte Stelle, die mir wohl noch etwas Geduld abverlangen wird. Das nächste Jahr kann aber nur besser werden! Aktuell tue ich alles dafür, dass ich wieder gesund werde und endlich wieder laufen kann. Ich hoffe, dass mir in der kommenden Saison die Marathonvorbereitung zugute kommt und ich wieder eine gute Form aufbauen kann. Dann soll endlich die 42-Kilometer-Marke fallen - aber wahrscheinlich nicht erst im Oktober in Frankfurt, sondern schon im Frühjahr ;-)
14.11.2017
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