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Baumanns Lauf der Woche Nicht enden wollender Dauerlauf in Hannover

Dieter Baumann lief den Hannover-Marathon - zunächst etwas widerwillig. Doch die richtige Strategie brachte ihn nach 2:56:30 Stunden ins Ziel.

Dieter Baumann beim Hannover-Marathon 2013 +
Foto: Norbert Wilhelmi

Dieter Baumann beim Hannover-Marathon 2013.

THEMEN

Marathon

Lauf der Woche
Sonntag, 5. Mai 2013
Ort: Hannover
Hannover-Marathon


Ich melde mich vom Dauerlaufen – vom sehr langen Dauerlaufen. Marathon. Und nun weiß ich, warum dies nicht meine Strecke ist. Es dauert zu lange. Nach fünf Kilometern dachte ich kurz daran, dass ich noch 2:40 unterwegs sein würde und wusste: das ist die falsche Strategie. Also dachte ich gar nicht mehr an den Marathon. Was umso leichter ging, weil es am Anfang in meiner Gruppe hin und her ging.

Zwei Frauen liefen mit. Genauer, eine lief 30 Meter vor meiner Gruppe, die andere lief hinter uns. Irgendwann war es umgekehrt. Mal lief die eine schnell nach vorne, mal ließ sich die andere überholen. 10 Kilometer waren rum. Bei km 14 lief ein Reporter vom NDR mit. Er wollte wissen, wie es mir ginge, ob ich im Zeitplan bin, was die Beine sagen. Offensichtlich spricht man beim öffentlich rechtlichen Fernsehen mit den Beinen, was vieles erklärt. Kurz vor der Halbmarathon-Marke – ich hatte den Eindruck, schon eine halbe Ewigkeit unterwegs zu sein – rief mir eine gute Freundin vom Streckenrand zu: „Du bist super!“ Noch bin ich nicht im Ziel, wollte ich zurückrufen, ließ es aber. Von den zwei mitlaufenden Damen war nur noch eine in der Gruppe. Ein Coach rief uns zu: „Sie ist zwei Minuten hinter dir.“ Bei Halbmarathon zwei Minuten zu schnell! Also war die andere Dame genau richtig unterwegs.
Wir liefen entlang von Schrebergärten, Menschen beschauten sich auf Klappstühlen sitzend die Läufer. Einer schrie: „Zahnpasta!“ Erst jetzt, dachte ich. Bei Kilometer 26, ewige 16 Kilometer noch zu laufen, stand einer vom Campingtisch auf, erhob sein Glas und schrie: „Zum Wohl!“ Es gibt zwei Deutungsmöglichkeiten: Er erhebt sein Glas auf unser Können. Vielleicht, weil er es selbst können wollte und wegen Biergenuss nie schafft. Die zweite Möglichkeit: Seht her, ihr Ärsche, ich darf saufen und ihr müsst laufen! Eindeutig (!) und mir heute beim Aufschreiben schleierhaft, ich hörte die zweite Variante heraus und rief lautstark zurück: „Du Arsch.“ Neuste Studien haben gezeigt, dass Laufen aggressionshemmend ist. Doch dieser Emotionsausbruch tat mir gut. Ich fühlte mich wohler und kam dann ganz entspannt zu Kilometer 30. Drei Minuten zu schnell! Aber was heißt zu schnell. Bei mir geht es doch um nichts. Gut fühlen, locker laufen, dann etwas anziehen, spielen.
Dieter Baumann im Ziel des Hannover-Marathons 2013 +
Foto: Norbert Wilhelmi

Nach 42,195 Kilometern wurde unser Autor ausgebremst - dabei hätte er noch ewig weiterlaufen können.

Ach, Laufen kann schön sein, wenn die ersten 30 Kilometer rum sind. Mir wurde wieder einmal klar, was Marathonlaufen ist: warten! Ich warte ungern, bin zu ungeduldig für diese Strecke. Bei der 33-Kilometer-Marke gingen zwei Jugendliche über die Straße. Direkt vor meiner Gruppe. Sie gingen langsam und zögerten jeden Schritt hinaus, um genau dann auf dem Gehweg zu sein, wenn wir vorbei kamen. Intuitiv – ja spielerisch! – machte ich drei schnelle Schritte, war also eher da, als die Jungs berechnet hatten. Dann sah ich den Ball. Einer hatte sich einen Fußball unter dem Arm geklemmt.

Zuschauer schrien: „Runter von der Strecke“, da sah ich im Geiste Jogi Löw. Wie er damals bei einem Länderspiel einem Balljungen den Ball wegspitzelte. Also spitzelte ich dem Kerl den Ball unter Arm weg. Er kullerte auf den Gehweg hinein in eine Gruppe Zuschauer. Geschrei und Gejohle an der Strecke. Für mich begann endlich der Lauf. An die letzten 10 Kilometer kann ich mich kaum erinnern. Nach 2:56:30 Stunden war Schluss. Schade eigentlich, hätte ewig laufen können.
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Autor: Dieter Baumann 10.05.2013

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