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Aenna Broo: live run laugh Schmerzhafter Weg zum ersten Marathon

Die Aufregung und Kilometerumfänge steigen, mein erster Marathon steht bevor. Warum ich darüber mehr als dankbar bin und wie meine Vorbereitung verläuft, lest ihr in diesem Artikel.

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Foto: Privat

Anna (links) freut sich über ihren ersten langen Lauf über 30 Kilometer in der Marathonvorbereitung.

Seit über einem Jahr fiebere ich auf diesen Tag hin, jetzt ist er zum Greifen nah - in etwa drei Wochen werde ich meinen ersten Marathon in meiner Heimatstadt Frankfurt laufen. Als meine Schwester mir einen Startplatz zu Weihnachten schenkte, wurde die Sache plötzlich ernst und einen Tag später sah ich nach der Anmeldung meine Startnummer auf dem Bildschirm. Mir kamen die Tränen - einerseits vor Freude, andererseits, weil ich mir bereits zu diesem Zeitpunkt den Zieleinlauf in die Frankfurter Festhalle vorstellte.

Ich begann sofort mit den Planungen und überlegte mir, wann ich mit dem spezifischen Training beginnen wollte und vor allem, was meine Zielzeit sein sollte. Da ich seit mehreren Jahren laufe und schon an vielen Wettkämpfen bis zum Halbmarathon erfolgreich teilgenommen habe, erschien mir "Hauptsache ankommen" zu defensiv. Unter 03:30 Stunden konnte ich mir absolut realistisch zutrauen und setzte mir so ein dennoch nicht zu unterschätzendes Ziel für mein Debüt.

Trainieren wollte ich nach einem klassischen 12-Wochen-Plan – also Ende Juli mit der konkreten Vorbereitung beginnen. Bis dahin wurden im Winter und Frühjahr fleißig Grundlagen gelegt und zum Ausbau der Schnelligkeit an kürzeren Wettkämpfen teilgenommen. Es lief wie geschmiert, ich war bestens in Form und fühlte mich gewappnet für das bevorstehende Marathontraining.

Dehnen, Stabi-Training oder Regeneration? Diese Dinge vernachlässigte ich konsequent, ich war mit 40 bis 60 Wochenkilometern beschwerdefrei und ignorierte einfach das ein oder andere Zwicken durch verkürzte Muskulatur – ein Fehler, wie sich bald herausstellte.
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Foto: Privat

Anna verknotete sich regelmäßig selbst für diese schmerzhafte Dehnübung.

Mit einer schmerzhaften Dehnübung gegen den Schmerz

Eines Morgens wachte ich mit nun deutlicher spürbaren Schmerzen in der Leistengegend auf und schob es wieder einmal auf fehlendes Stretching nach dem abendlichen Lauf. Anstatt dies allerdings nachzuholen, ging ich abends zum Intervall-Training. Das hielt ich noch durch, doch beim Auslaufen gingen die Schmerzen dann leider nicht mehr weg. Noch an Ort und Stelle wurde ich von einem Physiotherapeuten behandelt, der mir die Tränen in die Augen trieb (diesmal vor Schmerz) und einige Dehnübungen ans Herz legte. Zwei Tage später wollte ich unbedingt bei einem Staffellauf im Rahmen des Ironman Frankfurt mitmachen. "Fünf Kilometer werden schon gehen", sagte ich mir und dachte, dass es mit einem Tag Pause und ein paar Einheiten auf der Blackroll getan sei.

Besagter Staffellauf war das bislang schlimmste Erlebnis meiner läuferischen "Karriere". Ich versuchte, wie gewohnt loszurennen, doch der Schmerz, der mir ins Becken schoss, zwang mich zum Gehen. Dass ich den Lauf nicht abgebrochen, sondern mich irgendwie duschgequält habe, war der nächste Fehler. Das Laufen hatte sich nun bis auf Weiteres (ich rechnete mit ein bis zwei Wochen Pause) erledigt, was ich nun auch endlich einsah. Ich ging fleißig zur Physiotherapie und die Schmerzen wurde deutlich besser, an Laufen war aber nach wie vor nicht zu denken. Glücklicherweise konnte ich problemlos Radfahren und Schwimmen, wodurch ich zumindest meinen Bewegungsdrang etwas befriedigen konnte und nicht völlig durchdrehte. Sobald ich jedoch einen Laufschritt versuchte, war der stechende Schmerz wieder da und ich langsam am Rande der Verzweiflung! Von meinem Marathon verabschiedete ich mich schon, denn meine "12-Wochen-Frist" war bereits überschritten.

Nach sechs Wochen schier unendlich langen lag ich wieder auf der Physio-Bank und der Therapeut teste mit einigen Übungen meine Hüftmuskulatur – siehe da, sie schien nicht besonders ausgeprägt zu sein. Nach einigen Kraftübungen für besagte Partien startete ich einen neuen Versuch auf dem Laufband – schmerzfrei! Es klingt verrückt, aber ab diesem Tag konnte ich wieder mit dem Laufen beginnen und führte parallel dazu unterstützende Übungen durch.

Zu der Freude mischte sich dann aber die Erkennt, dass es nur noch zehn Wochen bis zum Marathon sind. Von der bisherigen Form war leider nicht mehr viel übrig, doch ich war dankbar für jeden schmerzfreien Kilometer. Ein erfahrener Kollege und Freund erstellte mir einen Trainingsplan, der mich in acht Wochen zum Marathon führen sollte. Die Grundlage hatte ich ja, sodass dies kein unmögliches Unterfangen darstellen sollte. Von meiner Zielzeit verabschiedete ich mich nun allerdings doch. Ich war anfangs noch sehr vorsichtig und musste mich wieder an die Laufbewegung gewöhnen, von der Anstrengung ganz zu schweigen. Ich musste feststellen, dass man mit Schwimmen und Radfahren ein Lauftraining nicht ersetzen kann, zumindest nicht bei gleichem zeitlichen Aufwand.

Den Plan konnte ich gut umsetzen und bin auch für die verbleibenden Wochen sehr optimistisch. Ich habe mich an die steigenden Umfänge und Intensitäten gewöhnt und merke regelmäßig Fortschritte, so wie es sein soll. Der Frankfurt-Marathon kann kommen und ich freue mich riesig darauf. Ich werde einfach mein Bestes geben und bin sehr gespannt, was mich erwartet und was an dem Tag möglich ist. Ich weiß aber schon jetzt, dass mein erster Marathon ein unvergessliches Erlebnis werden wird! Ich denke übrigens auch schon über den zweiten nach. Stay tuned ;-)
10.10.2017
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