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Der erste Marathon Vier Frauen vorm ersten Marathon - "Es ist ein Gefühl, als könne man alles schaffen"

Nur etwa ein Viertel der Marathonteilnehmer in Deutschland sind weiblich. Wir stellen vier Frauen vor, die kurz vor ihrem ersten Marathon stehen. Schreiben auch Sie uns Ihre Erfahrungen.

Who Said Girls Can't Race +
Foto: Adidas

Von links nach rechts: Simone, Laura, Larissa und Claudia freuen sich auf ihren ersten Marathon am 24.09.2017 in Berlin.

„Einen Marathon zu laufen steht schon seit Jahren auf meiner Liste. Getraut habe ich mich bisher aber noch nicht." Claudia, Mitte zwanzig und aus Zürich, steht voll im Berufsleben und ist bis vor kurzem nur selten mehr als 10 Kilometer am Stück gelaufen. Nun aber ist sie dabei, diesen Punkt auf ihrer Liste abzuhaken. Ende September wird sie beim Berlin-Marathon an den Start gehen und als eine von knapp 9.000 Frauen durch das Brandenburger Tor laufen. Zwischen 27.000 Männern. Das wirft zwei Fragen auf: Warum sind Frauen bei Marathonveranstaltungen so unterrepräsentiert? Und wie hat Claudia die zeitintensive Vorbereitung geschafft?

Die erste Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn es gibt keine rechtlichen oder kulturellen Gründe, die die geringe Anzahl von Marathonläuferinnen erklären könnten – höchstens vielleicht historische, denn bis Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre durften Frauen noch nicht bei Marathons starten. Eine weitere Antwort gibt Claudia zudem selbst, wenn sie sagt, sie habe sich bisher nicht getraut mit der Vorbereitung anzufangen. Zweifel, dass der eigene Körper der Belastung gewachsen ist, Respekt vor den schnellen Männern und Unsicherheit, ob die Vorbereitung in den Alltag integriert werden kann – all das mag dazu beitragen, dass die 42,195 Kilometer hierzulande immer noch männlich dominiert sind.

Who Said Girls Can't Race?

Ändern möchte das eine Initiative, die 2017 in die zweite Runde gegangen ist und aus Freizeitläuferinnen Marathon-Finisherinnen macht. Initiiert von Adidas ist "Who Said Girls Can't Race" – so der Name des Projektes – auch die Antwort auf die Frage, wie Claudia trotz stressigem Beruf den Weg zur Startlinie geschafft hat. Unterstützt von erfahrenen Coaches, Medizinern und Sportexperten bereitet sie sich zusammen mit 34 anderen Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf den Berlin-Marathon vor. Als die Schweizer Fraktion trainiert die Social-Media-Managerin und Fitness Motivatorin in einem Team mit Laura (30, arbeitet im Finanzwesen), Larissa (27, Projektleiterin im Bereich Sponsoring und Events) und Simone (25, Trainee im Marketing).
18092017 Who Said Girls Can't Race +
Foto: Adidas

Belohnung nach einem langen Lauf: Die vier sind während des Trainings zu echten Freundinnen geworden und gehen gerne nach dem Laufen noch gemeinsam Essen.

„Meine Familie dachte ich spinne – wahrscheinlich denkt sie das immer noch“

Der Alltag der vier Läuferinnen hat sich sehr verändert, seit das Projekt im März begonnen hat. Larissa erzählt: "Ich muss zwei bis drei Wochen im Voraus planen um Job, Training und Privatleben zu koordinieren". Was dann noch an Freizeit bleibt, muss um die Trainingseinheiten herum gebaut werden. Nicht ganz ohne Bedauern schildern die vier: "Wenn am Sonntagmorgen um 8:00 Uhr ein langer Lauf ansteht, geht man am Samstagabend auch nicht mehr groß feiern". Dafür müssen Freunde und Familie erst einmal Verständnis aufbringen. „In meinem Umfeld dachten die meisten am Anfang ich spinne und wahrscheinlich denken sie das immer noch ein bisschen“, schmunzelt Laura. Aber die Mädels können das auch positiv sehen, denn immerhin haben sie sich durch das Lauftraining kennengelernt. Und mittlerweile sind sie zu echten Freundinnen geworden. Auch das kann also das Marathontraining sein: Abstriche auf der einen Seite, aber eine Bereicherung auf der anderen Seite.

„Gegenseitiges Pushen – gemeinsames Leiden“

Dieser Teamspirit ist es, der sie am Ball bleiben lässt. "Es gibt nichts besseres, als sich bei harten Einheiten gegenseitig zu pushen", beschreiben die Mädels das Marathontraining im Team. Bei den langen Läufen sei es dagegen eher ein "gemeinsames Leiden". Ein Leiden von dem sie sich mit Gesprächen ablenken und manchmal mit einem anschließenden gemeinsamen Brunch belohnen. Beim Gedanken an den bevorstehenden Berlin-Marathon sind sie natürlich nervös. Aber auf eine positive Art, es ist mehr ein „freudiges Kribbeln“. Und dann spricht Simone aus, was allen eigentlich klar ist: Nach sechs Monaten intensiver Vorbereitung wird nach dem Marathon etwas fehlen. Deshalb haben die vier auch bereits verabredet, ab jetzt jedes Jahr einen Halbmarathon zusammen zu laufen. Aus den Freizeitläuferinnen sind also echte Athletinnen geworden.
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Foto: Adidas

Die "Who Said Girls Can't Race" Teilnehmerinnen werden von erfahrenen Coaches, Medizinern und einem Team aus Trainingsexperten unterstützt.

"Schaffen können wir den Marathon alle"

So unvorstellbar die Marathondistanz zu Beginn für die Züricherinnen war, so gestärkt und mit viel Selbstbewusstsein gehen sie aus dem Training heraus. „Zuerst denkt man, niemals kann ich über 40 Kilometer am Stück laufen, aber danach hat man das Gefühl man könne alles schaffen!“ So beschreibt Claudia die Veränderungen, die man persönlich während des Trainings erlebt. Daraus lässt sich auch viel für das Leben ziehen, das die Mädels abseits der Laufstrecke führen. Und das ist ein wichtiger Aspekt, um den es bei „Who Said Girls Can’t Race“ eben auch geht: Das Übertreten von Grenzen, das Sich-Selbst-Übertreffen und das Wachsen mit den Anforderungen. Aus diesem Grund empfehlen die vier auch anderen Frauen, sich der Herausforderung Marathon zu stellen. Aus ihrer Erfahrung raten sie:

Claudia
"Die Dauer der Vorbereitung ist entscheidend: Man sollte auf jeden Fall genug Zeit einplanen und langsam anfangen."

Simone
"Motiviert bleibt man, wenn man sich auf die Zwischenziele konzentriert, die man erreicht, egal ob das eine längere Distanz, ein höheres Tempo oder ein Test-Wettkampf ist."

Laura
"Wenn man sich weit im Voraus zu dem Lauf anmeldet, den man finishen will und Freunde in das Vorhaben einweiht, dann bricht man nicht so leicht ab."

Larissa
"Den Spaß nicht verlieren: Es fällt schwer, sich etwas sechs Monate lang zu widmen, an dem man keinen Spaß hat."

Und natürlich raten alle dazu, in der Gruppe zu trainieren, denn obwohl am Ende jeder selber den Marathon laufen muss, macht ein gemeinsames Training den Weg dahin leichter.

Und Sie? Werden Sie neben Simone, Larissa, Claudia und Laura in Berlin über die Startlinie laufen? Oder haben Sie Ihren ersten Marathon schon hinter sich? Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen! Wie lange haben Sie trainiert? Wie sah Ihr Alltag aus? Und wie haben Sie es geschafft am Ball zu bleiben? Senden Sie uns ein kurzes Statement am besten mit Foto an webmaster@runnersworld.de. Wir möchten die Porträts zusammenstellen und so Frauen inspirieren und ermutigen, sich an die 42,195 Kilometer heranzuwagen!
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Autor: Jana Wagner 18.09.2017

Hier finden Sie weitere Informationen zum Berlin-Marathon 2018.

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