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Ein Lauf mit Markus Schroth Vom DFB-Pokalsieger zum Ultraläufer

Ex-Fußballprofi Markus Schroth, heute Mentalcoach, läuft ­inzwischen nur noch ohne Ball, dafür aber mit Bergen.

Markus Schroth +
Foto: Bethel Fath

Markus Schroth läuft ­inzwischen nur noch ohne Ball, dafür aber mit Bergen.

Trainingstagebuch
Strecke: Von Fischbachau in Richtung Breiten­stein
Wetter: Bewölkt, 10 Grad
Distanz: 4 Kilometer, 350 Höhenmeter
Zeit: 60 Minuten
Tempo: 16:00 Min./km

Wie kommt es, dass wir uns im schönen Voralpenland treffen?

Hier hat im Grunde mein neues Leben begonnen, weil meine Partnerin Petra Weber mich damals nach meinem Profifußball-Karriereende und der Zwangspause mit hergenommen hat. Aufgrund eines massiven Knorpelschadens im Knie war nach dem Pokalsieg mit dem 1. FC Nürnberg im Jahr 2007 mehr oder weniger Schluss mit Fußball. Fast fünf Jahre lang fehlte mir die so wichtige Komponente Leistungssport, aber der Mentaltrainerin und begeisterten Bergsteigerin ist es dann gelungen, mich hier am Berg auf neue Wege zu führen.

Aber wenn das Knie kaputt ist, kann man doch nicht Bergwandern geschweige denn Ultralaufen?

Fakt ist, dass mir nach der langen Verletzungspause im Leben etwas Gravierendes gefehlt hat, und durch ein Coaching wollte ich versuchen mit dieser Situation besser umzugehen. Gleichzeitig habe ich wieder meine sportlichen Aktivitäten vorsichtig angekurbelt: Radfahren, Krafttraining, Langlaufen und schließlich vorsichtiges Laufen. In Kombination mit der mentalen Arbeit und dem Coaching hat das super funktioniert, und sukzessive habe ich mich an Dinge rangetraut, von denen ich dachte, dass ich sie wegen des Knies gar nicht mehr kann, wie zum Beispiel das Bergsteigen. Und siehe da: Es hat funktioniert und das Knie macht heute alles mit!

Und das ist eine ganze Menge, was das Knie da mitmacht. Sie sind wirklich letztes Jahr den berühmtem UTMB (Ultra Trail du Mont Blanc, 171 Kilometer, 10300 Höhenmeter) mitgelaufen?

Ja, damit habe ich mir einen großen Traum erfüllt, der seinen Ursprung hatte, als Petra und ich beim Bergsteigen in Charmonix waren. Zeitgleich fand der UTMB statt und ich war fasziniert von diesen Spitzenleistungen, die dort erbracht werden und sagte sofort: „Das will ich auch mal machen!“ Zum Punktesammeln bin ich dann zunächst in Slowenien meinen ersten Ultratrail über 100 Kilometer und 5000 Höhenmeter gelaufen. Bei diesem Rennen fühlte es sich für mich an, als ob ich endlich wieder an meine sportliche Leistungsfähigkeit des damaligen Pokalsiegs anknüpfen kann. Das Vertrauen in meinen Körper war zurück!

Am 1. September 2017 war es dann soweit und Sie standen am Start in Charmonix.

Ein Traum ging für mich in Erfüllung. Petra war dabei und konnte mich an vier Stellen treffen, coachen und begleiten, was für mich extrem wichtig war. Wenn man durch zwei Nächte, Wind und Wetter läuft, dann kommt man nicht nur an körperliche, sondern auch an psychische Grenzen. Mit professionellen Tipps und Strategien für die nächste Etappe, dem Erinnern an die persönlichen Ziele und Träume und dem Abrufen von vorher trainierten mentalen Einstellungen, kann man ein solchen Rennen bis ins Ziel laufen.

Das hat ja im Grunde sehr wenig mit Ihrem früheren Leben als Fußballer zu tun, oder?

Der Unterschied zwischen Fußball und dem Trailrunning ist der, dass man beim Laufen viel mehr mit seiner eigenen Leistung konfrontiert wird. Bei einer Mannschaftssportart kann man auch mal nicht zu 100 % funktionieren und trotzdem gewinnen. Das Team kann persönliche Schwächen kompensieren, aber beim Laufen ist man mit sich alleine. Wenn man hier ein Problem hat, dann muss man das selbst lösen oder es geht eben nicht mehr weiter.

Aber der Druck in der Fußball-Bundesliga ist doch sicherlich höher, als auf dem Trail?

Das sehe ich anders, denn zum Spielen in der Bundesliga hat mich ja nie jemand gezwungen. Ich hatte immer Spaß, sowohl beim Training, wie auch im Spiel. Das Spiel am Samstag war stets das Highlight, auf das ich mich gefreut habe. Bei den Läufern, die sich auf so ein Rennen wie den UTMB vorbereiten, ist der Antrieb und damit auch der innere Druck ganz anders: Man trainiert jahrelang, nimmt Strapazen auf sich, zahlt jede Menge Geld aus eigener Tasche, um dabei sein zu können, ohne die Garantie zu haben, dass man ins Ziel kommt.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem früheren Training und dem heutigen?

Es gab zwar Zeiten, in denen wir im Verein auch viel Grundlagenarbeit gemacht haben, ob Dauerläufe im Wald oder Lauftraining auf dem Platz, aber ansonsten unterscheidet sich das Training komplett von dem, was ich heute mache. Petra und ich trainieren sehr viel Grundlage auf dem Rad, sowohl auf dem Mountainbike, wie auch auf dem Rennrad. Um Höhenmeter zu sammeln komme ich oft hierher an den Breitenstein und laufe dann beispielsweise drei Mal rauf und wieder runter. Eine Runde hat knapp 800 Höhenmeter, und so bekommt man auf die Schnelle ordentlich was zusammen. Die ganz langen Läufe über 50, 60 oder 70 Kilometer mache ich dann aber eher in München im Flachen.

Steht dieses Jahr wieder ein Ultratrail an?

Ja, ich habe mir drei Läufe vorgenommen. Es geht los mit dem Lavaredo Ultratrail über 120 Kilometer mit 5800 Höhenmetern. Dann folgt im Juli der Eiger Ultratrail mit 101 Kilometern und 6700 Höhenmetern am Fuß der Eiger Nordwand, und im September habe ich einen Startplatz für den Tor de Géants im Aostatal bekommen. Bei diesem Rennen läuft man mehrere Tage durch den Nationalpark des Gran Paradiso und den Regionalpark des Mont Aviceine. Ich liebe das Laufen in der Natur, in den Bergen, auf den Trails und deshalb freue ich mich sehr auf das, was mir da bevorsteht.

Genau so klingt das auch und dann wünsche ich von Herzen viel Erfolg, ganz viel Spaß und immer heile Knie! Danke für den schönen Berglauf und das Interview.
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