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12 Wochen Training - 12 echte Fragen Wie war der Halbmarathon in New York?

Nach 12 Wochen Training ist Jana den Halbmarathon in New York gelaufen. Hat sich das Training ausgezahlt? Konnte sie die 2-Stunden-Marke knacken? Hier ist ihr Bericht.

Jana in New York +
Foto: Johanna Libowitzky

Es gibt schlechtere Locations um einen Halbmarathon zu laufen, als die Hochhäuser von Manhattan.

Gegenüber von mir spiegelt sich das Sonnenlicht in den Wolkenkratzern der Skyline von Manhattan. Hubschrauber kreisen, die Spitze des One World Trade Center hängt in den Wolken. In den Häuserschluchten schieben sich Touristen vorbei an Coffee-Shop, Rating-Agenturen, an Michael-Kors- und Swarowski-Geschäften. Ich stehe auf einem schmalen Streifen aus Kies und Gras neben einer geschäftigen Straße. Von Downtown Manhattan trennen mich ein Maschendrahtzaun, ein paar Hafenkräne und der East River. Hier, in Downtown Brooklyn, passiert gleich das, worauf ich 12 Wochen hingearbeitet habe. Hier fällt gleich der Startschuss für den Brooklyn Greenway Half Marathon.

New York, New York

Als ich am Freitag um 18:00 Uhr Ortszeit am Flughafen JFK aus der Delta-Maschine steige, betrete ich zum ersten Mal amerikanischen Boden. New York, das verbinde ich mit legendärer Musik, mit ikonischen Filmszenen mit der amerikanischen Kultur in Reinform. Und tatsächlich werde ich nicht enttäuscht: Die vertrauten Häuserfronten ziehen im Abendlicht vorbei und im Taxi läuft bester 80s-Power-Rock – ein guter erster Eindruck.

Im Hotel treffe ich dann Johanna von Foodspring, die Koordinatorin des Halbmarathon-Projektes, und Lena, eine Münchener Redakteurin, die sich genauso wie ich auf den Lauf vorbereitet hat. Zusammen machen wir uns am nächsten Tag auf Sightseeing-Tour: Lower Manhattan, Chelsea Market, One World Trade Center, Upper East Side, Blick auf die Freiheitsstatue – schon fast alles, was man in New York gesehen haben muss.

Der Lauf: In kleinem Rahmen durch die große Stadt

Um 9:30 Uhr am Sonntag stehe ich also auf der schmalen Grünfläche am East River und schaue auf die Skyline. Neben mir warten ungefähr 700 weitere Läufer. Der Rahmen ist familiär: Außer einer kleinen Beutelabgabe, einem Lautsprecher, einem Tisch mit Wasserbechern und einer Handvoll kleiner Sponsoren-Zelte gibt es kein großes Drumherum. Aber gerade dieser Kontrast zu den Mega-Events, die man sonst mit Läufer-New-York verbindet, macht die Erfahrung hier besonders.

Weil die Schlange an der Beutelabgabe noch so lang ist, verzögert sich der Start etwas – wie der Organisator persönlich durchs Mikro mitteilt. Die meisten Läufer sind Locals, kommen aus den umliegenden Vierteln. Im Gegensatz zu Manhattan merkt man Brooklyn hier seinen Arbeiter-Charakter an. Die Häuser sind flacher und aus Sandstein, die Straßen in schlechteren Zustand und die Gehwege dreckiger. Trotzdem hat der liebevoll gestaltete Bereich an der Waterfront seinen ganz eigenen Charme, wie ich gleich feststellen werde.

Zu Beginn die Pace drosseln

Vom Start aus laufen wir eine kleine, nur etwa 500 Meter lange Schlaufe nach rechts. Obwohl nur verhältnismäßig wenige Läufer auf der Strecke sind, ist es eng. Denn nach der Wende führt die Strecke wieder am Start vorbei, das heißt, Läufer in Richtung Süden, Läufer in Richtung Norden und die normalen Passanten müssen sich einen schmalen Gehsteig teilen – Straßensperrungen gibt es bei diesem kleinen Lauf nicht. Gleich in die Wettkampfpace finden, ist also erst mal schwierig.

Mit meinem Coach Christian habe ich besprochen, dass ich das Rennen mit einer 5:35er Pace angehen werde. So hat man einen kleinen Puffer für die zweite Hälfte. Aber sobald ich meinen Rhythmus gefunden habe merke ich, es läuft ganz gut. Mit der majestätischen Brooklyn Bridge vor Augen pendele ich mich schließlich bei 5:30 ein. Über die Piers am Wasser entlang geht es über den namensgebenden Greenway. Es handelt sich dabei um einen schön gestalteten, asphaltierten Weg mit angrenzenden Freizeitangeboten wie Hockeyfeldern, gemütlichen Strandbuchten und verschlungen Parkwegen. Dieses Szenario wird ungefähr bei Kilometer 6 durch den Brooklyn Navy Yard ausgetauscht. Hier dominieren Kopfsteinpflaster, dampfende Rohre und große Fabrikhallen. Mein solides Tempo kann ich bis ungefähr zu Kilometer 13 halten.
Jana in New York, Karte +
Foto: Jana Wagner

Durch Downtown Brooklyn an den eckigen Piers entlang, durch den Navy Yard und die Kent Avenue hinauf und hinunter: Das waren die 21 Kilometer von Brooklyn.

Die zweite Hälfte ist hart

Dann kommt die Kehre. Am Ende der gut frequentierten Wohn- und Geschäftsstraße Kent Avenue wenden wir erneut und es geht genau den gleichen Weg wieder zurück. Generell mental schwierig, merke ich sofort, dass mir das Tempo auf dem Rückweg schon deutlich schwerer fällt. Und dann beginnt man automatisch mit den Gedankenspielchen: Noch sechs Kilometer. Das heißt, ich muss wie schnell laufen, damit ich noch unter zwei Stunden ins Ziel komme? Bei Kilometer 16 nehme ich noch ein Gel ein. Immer noch vier Kilometer. Da hinten kommt erst mal diese Kreuzung, dann dieser lange Abschnitt und kam danach nicht noch mal ein Berg?! Ich versuche diese negativen Gedanken so gut es geht abzustellen. „Denk an die schönen Lauferlebnisse und daran, wie cool es eigentlich ist, dass du jetzt in New York sein kannst“, sagt Christian in meinem Kopf.

Aber mittlerweile habe ich auch keinen richtigen Blick mehr für die Skyline, die wieder ins Blickfeld gerückt ist. Ich kann nur daran denken, wie schwer mir das Tempo fällt, dass ich aber trotzdem unter zwei Stunden bleiben will. Als das Ziel in Sicht kommt, versuche ich noch mal anzuziehen – eigentlich etwas, das sonst recht zuverlässig klappt – heute aber leider nicht. Ich schleiche gefühlt mit einer Pace von 6:00 ins Ziel. Glücklich und erleichtert bin ich aber beim Blick auf die Uhr: 1:55:43 Stunden stoppe ich. Yeah.

Fazit: Sieht man Fortschritte und Erfolge, ergibt alles Training einen Sinn

In Anbetracht meiner neuen Halbmarathon-Bestzeit kann ich sagen: Das 12-Wochen-Programm aus Laufen, Alternativtraining und Ernährung hat sich voll und ganz gelohnt. Sobald man Fortschritte sieht und Zwischenziele erreicht, macht das Training plötzlich Sinn – und noch mehr Spaß. Und mit Blick auf meine nun bessere Lauftechnik, meine tieferen Einblicke in die Trainingsstrukturierung und mein insgesamt gewachsenes Lauf-Wissens lässt sich sagen: Der Runner’s-Guide und Christians Arbeit haben sich für mich auch langfristig ausgezahlt. Schon jetzt habe ich Lust, meine Zeit noch zu unterbieten. Und auch mal einen vollen Marathon zu laufen. Oder noch einen schnelleren Zehner. Ziele gibt es genug. In diesem Sinne: Einfach mal loslaufen und ausprobieren!

Trainiert habe ich mit dem Runner’s Guide von foodspring. Foodspring hat auch dieses Projekt und die Reise nach New York möglich gemacht.
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Autor: Jana Wagner 18.10.2018
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