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Sportsfreundin Kristina im Interview Wunderbare Kopfsache

Laufen gibt Kristina Energie für Alltag und Beruf. Es half ihr aus einer schwierigen Zeit heraus - und löste eine Leidenschaft in ihr aus.



Bewegung ist seit Kristinas Kindheit fester Bestand ihres Lebens, von Voltigieren bis Tennis. Die gebürtige Hannoveranerin entdeckte das Laufen allerdings erst dann für sich, als sie nach einer unerwarteten Trennung ein Ventil für ihre innere Unruhe suchte.

Runner's World: Selbst wenn du gerade nicht am laufen bist, trifft man dich selten zu Hause an. Woran liegt das?
Kristina: Ich liebe es einfach, unterwegs zu sein. In meinem Urlaub entdeckte ich gerne weit entfernte, schöne Orte. An den Wochenenden erkunde ich die Natur und Städte, die näher liegen. Und ich habe 6 Jahre lang in den Niederlanden studiert und gearbeitet. Wenn ich also Freunde oder Verwandte besuche, geht es für mich quer durch Deutschland und Holland.

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Und wenn du gerade nicht die Welt bereist, was machst du?
Dann bin ich Psychologin in einer Reha-Einrichtung für psychisch kranke Menschen, also zum Beispiel Personen mit Persönlichkeitsstörungen oder Schizophrenien. Und natürlich laufe ich in meiner Freizeit.

Das ist bestimmt ein guter Ausgleich zum Job.
Ein ganz wichtiger Ausgleich, auf 2 Arten. Ich bin durch den Sport ausgeglichen, habe eine innere Ruhe und es fällt mir leichter, fokussiert und produktiv zu sein. Und nach Feierabend hilft der Sport vor allem, Abstand zu gewinnen. Als Psychologin höre ich regelmäßig heftige Geschichten, da ist es sehr wichtig, sich nach der Arbeit distanzieren zu können.

Das glaube ich. Allerdings warst du früher kein Lauf-Fan, richtig?
das ist wahr, ich fand es sogar ziemlich ätzend. Stattdessen habe ich seit meiner Kindheit fast jeden anderen Sport ausprobiert. Als Kind war ich in Sportvereinen, habe voltigiert, Tennis gespielt, bin Trampolin gesprungen und habe als Tänzerin bei einigen Hip-Hop-Meisterschaften teilgenommen. Während des Studiums war ich in Fitnesskursen und beim Rudern. Aber Laufen, das war so gar nicht meins.



Was war der Grund, dass mit dem Laufen angefangen hast?
Der Grund war leider kein schöner. Eine unerwartete Trennung hat mir von jetzt auf gleich den Boden unter den Füßen weggezogen. ich bin quasi den ganzen Tag durch die Gegend gegangen, zum Teil nachts aufgestanden und Fahrrad gefahren, weil ich nicht wusste wohin mit mir und meinen Gefühlen. Gleichzeitig steckte ich mitten im Forschungsprojekt für meine Masterthese. Ich habe mich wie in einer Ohnmacht gefühlt, alles stand still und ich brauchte dringend einen Weg, um da wieder rauszukommen. Durch meine innere Unruhe habe ich mich sowieso schon ständig bewegt, also habe ich mich dazu entschlossen, es mit dem Laufen zu versuchen.

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Hat dein Plan funktioniert?
Der Bewegungsdrang war ja da, außerdem war Sommer – zumindest die beiden Dinge waren positiv. Laufen hat sich angeboten, denn ich wollte etwas, mit dem ich sofort beginnen konnte. Also habe ich mir kurzerhand ein Laufschema für Anfänger aus dem Internet ausgedruckt, um zu probieren, ob mir das gegen die mentale und körperliche Unruhe helfen könnte. Ein paar Minuten später habe ich es mit Ach und Krach bis zur Straßenecke geschafft. Das war nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Trotzdem war mein Ehrgeiz geweckt, dran zu bleiben.



Der Funke war also übergesprungen. Und wie ging es weiter?
Im Lauf der nächsten Wochen und Monate bekam das Laufen schnell eine immer größere Bedeutung für mich. Es wurde schnell mehr als ein Plan, der mir Struktur gab. Es war wie ein ganzheitliches Ventil.

Was hat das Laufen für dich und in dir verändert?
Ich wurde ruhiger, da ich sämtliche Emotionen und Erlebnisse in Energie umwandeln und loslassen konnte. Andererseits bekam ich durch die Bewegung und die Fortschritte im Training auch viel neue Energie und Motivation zurück. Durch das Laufen habe ich mich selbst zurückgewonnen und fühle mich heute körperlich und mental stärker als je zuvor.

Wann hattest du dich aus dem Tief "herausgelaufen"?
Wenn ich einen konkreten Punkt nennen müsste, wäre es wohl der Moment, als ich 2017 die Ziellinie meines ersten Halbmarathons in Hannover überquert habe. Das war knapp 8 Monate nachdem ich mit dem Laufen angefangen hatte. da ist symbolisch eine große Last von mir gefallen. Und ich wusste endgültig, dass ich sowohl körperlich als auch mental wieder echt stark war und auf mich selbst vertrauen kann. Deshalb war es umso schöner, dass ich 2018 als Marathonbotschafterin nach Hannover eingeladen wurde.


Stark, herzlichen Glückwunsch! War dein 2. Halbmarathon auch so eine tolle Erfahrung?
Ein wenig gemischt, aber zum Glück mit Happy End. An dem Tag war es einfach nur unglaublich heiß. Noch dazu war es der erste richtig warme Tag des Jahres, 2 Wochen davor habe ich noch bei 20 Grad weniger trainiert… Die Strecke in Hannover ist wunderschön und flach, also super für das erste eigene Laufevent. Aber das Rennen war für mich und viele andere sehr hart. Nach knapp der Hälfte sind mir die Kräfte ausgegangen und Verzweiflung hat sich breit gemacht. Genau dann habe ich zum Glück einen anderen der Marathonbotschafter auf der Strecke getroffen, wir hatten uns am Tag davor beim Botschaftertreffen kennengelernt. Ihm ging es wie mir, aber wir haben dann beschlossen, das gemeinsam durchzustehen. Wir haben uns umeinander gekümmert und motiviert. Wir haben unsere Zielzeiten vergessen und stattdessen die Atmosphäre wirken lassen, die Helfer und Fans an der Strecke gefeiert und es einfach genossen. Am Ende sind wir Hand in Hand mit hochgerissenen Armen durchs Ziel gelaufen. Einfach eine unbezahlbare Erfahrung was Zusammenhalt und Durchhaltevermögen angeht.

Da bekommt man direkt Gänsehaut! Macht das Laufen so besonders für dich?
Die Hitze nicht unbedingt! Aber ich liebe es auf jeden Fall, dass der Kopf so eine große Rolle dabei spielt. Laufen trainiert nicht nur Muskeln und Herzkreislaufsystem, sondern Charaktereigenschaften wie Willenskraft, Durchsetzungsvermögen und Geduld. Man kann beim laufen beobachten, wie viel Einfluss die Psyche auf persönliche Leistungen hat. Außerdem kann man diese Erfahrungen prima in den Alltag und den Beruf übertragen.



Da du aus deinem Tief herausgelaufen bist, was bedeutet dir das Laufen heute?
Ich mache es aus Spaß, um angestaute Energie loszuwerden und neue zu tanken, nachdenken oder abschalten, um bei mir zu bleiben und an mir zu arbeiten. Das klingt vielleicht nach Gegensätzen, aber Laufen vereint all diese Dinge – das liebe ich so daran. Außerdem wachse ich, werde mental und physisch stärker. Für die Arbeit, die man ins Training investiert, bekommt man im Gegenzug das unbeschreibliche Erlebnis, über sich selbst hinauszuwachsen und sich selbst überraschen zu können, was man leisten kann. Das gibt Selbstvertrauen und Selbstsicherheit.

Wie haben deine Familie und Freunde deinen Wandel zur Läuferin aufgenommen?
Ich werde ab und zu für verrückt erklärt – aber mit einem Augenzwinkern! Ich stehe extra früh auf, ob unter der Woche oder am Wochenende, um zu laufen, oder plane alles um lange Einheiten herum. Aber ich bekomme sehr viel positives Feedback und werde auch nach Tipps gefragt. Meine Familie hat mich bisher zu allen 3 Halbmarathons begleitet und kräftig angefeuert. Für den Support bin ich enorm dankbar und das macht mich sehr glücklich.

Du bist auch auf Instagram aktiv, teilst deine Lauferfahrung. Was reizt dich daran?
Auf Instagram kann man bewusst nach Menschen mit gleichen Interessen suchen – meistens findet man aber zufällig Gleichgesinnte, denen man dann gerne folgt. Vor allem durch die Kommentarfunktion und private Nachrichten kann man recht einfach in Kontakt kommen. Ab und zu entwickelt sich dann auch regelmäßiger Kontakt. Einige habe ich auch schon im realen Leben getroffen, von 5 Minuten quatschen vorm Laufevent bis zum ganzen Event-Wochenende zusammen verbringen, war alles schon dabei. Die Läufercommunity auf Instagram ist sehr positiv, hilfsbereit und motivierend – die Missgunst, wie sie der Plattform oft nachgesagt wird, sehe ich bei Laufbegeisterten nie.



Warum ist es dir wichtig, auch von Trainingsrückschlägen und Alltagsstress zu schreiben?
Ich möchte Menschen aktivieren und motivieren, sich auch zu bewegen und von allen damit einhergehenden positiven Effekten zu profitieren. Dafür finde ich es sehr wichtig, authentisch und ehrlich zu sein. Von Leuten, bei denen augenscheinlich alles perfekt ist, die sich selbst in der stressigsten Arbeitswoche mühelos zum Laufen aufraffen, die eine Bestzeit nach der anderen liefern und bei denen jedes Training perfekt läuft, fühle ich mich einfach nicht angesprochen. Wenn ich aber sehe, dass jemand mal eher wenig Lust aufs Laufen hat, sich aber überwindet und froh darüber ist, verpasst mir das auch den nötigen Anstoß, auch eine Runde zu drehen. Auf mich bezogen macht es mich glücklich, wenn ich auch nur einer einzigen Person irgendwie helfen kann.

Welche sportlichen Ziele hast du?
Endlich die 2-Stunden-Marke beim Halbmarathon knacken! Die letzten langen Einheiten habe ich schon häufiger mit einer Pace absolviert, die deutlich im Bereich lag. An den Wettkampfstagen war es leider immer recht heiß – das ist leider so gar nicht mein Wetter. Letztlich spornt es mich an, dass ich es noch nicht geschafft habe. Aber die offizielle Bestätigung will ich mir im Herbst erlaufen. Und auch auf den kürzeren Distanzen will ich einen Zahn zulegen, also Sub-25 auf 5 und Sub-50 auf 10 Kilometer.

Auch unsere Partnerseiten Men’s Health und Women’s Health stellen im Rahmen unserer Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten vor. Lass dich auch von ihnen motivieren und inspirieren!
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Autor: Michel Gandon 14.09.2018
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