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Berlin-Marathon Der Berlin-Marathon aus der Zuschauerperspektive

2006 unterstützte Achim Kuhlmann als Zuschauer in Berlin seinen Bruder – hier sind seine Erfahrungen und Tipps.

Berlin-Marathon aus der Zuschauerperspektive +
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Der erfolgreiche Marathoni und sein erfolgreicher Fan in Berlin 2006: Die Brüder Heinz-Peter (links) und Achim Kuhlmann.

Siebenmal hat Achim Kuhlmann schon die 42,195 Kilometer bewältigt. Beim Berlin-Marathon 2006 unterstützte er erstmals als Zuschauer seinen Bruder Hein-Peter Kuhlmann. Hier schildert er seine Erfahrungen und gibt Tipps für den Erfolg am Streckenrand.

"Ihr ahnt gar nicht, wie gut Ihr Läufer es habt. Eure Strecke ist ausgeschildert. Ihr habt eine blaue Linie. Ihr braucht keine Schilder. Immer der Masse nach. Verlaufen unmöglich. Ich hingegen habe neben endlosen U-Bahnschächten und Rolltreppen immer mit der Angst zu kämpfen: Kommt er noch, ist er schon durch? Warte ich noch oder bedroht das den Plan, der da heißt: mindestens sechsmal meinen Bruder anfeuern.

Für meinen Bruder war es der zweite Marathon, seine Zeiten konnte ich in etwa einschätzen. Daher begann ich meinen ersten Zuschauer-Marathon, bewaffnet mit Straßen- und U- und S-Bahnplan auf der Straße des 17. Juni hinter der Siegessäule. Hier, so war mir klar, würde ich ihn nicht entdecken, aber ich wollte wenigstens einmal die Spitze des Feldes auf mich zusprinten sehen.

Kaum füllt die Läufermasse die gesamte Straßenbreite, wird es auch schon Zeit, den zweiten ausgemachten Punkt anzusteuern: Nähe Alexanderplatz. Aber wo sieht man gut, wo kommt man schnell hin und wieder weg? Also Treppe rauf, rein in die S-Bahn Richtung Alex. Rolltreppe runter. Wo bitte geht es jetzt zur Rennstrecke? Rechts oder links? Ich frage einen Polizisten. „Immer geradeaus. Det sehn Se dann schon.“ Völlig aus der Puste erreiche ich die Otto-Braun-Allee. Die Spitze ist gerade durch. So schnell ist mein Bruder gottlob nicht. Also warten. Warten. Wer da so alles mitläuft: Schottenröcke, Pippi Langstrumpf, ein Samurai, Pumuckel, Sebamed-Flaschen ... Sebamed-Flaschen? Tatsächlich: eingepackt wie eine Litfasssäule. Aber jetzt, gut gelaunt, frisch wie der Morgen: mein Bruder.
Fazit 1: Merke dir markante Läufertypen, kurz bevor dein Favorit erscheint.

Als nächstes war der Hermannplatz abgemacht. Wieder endlos lange Schächte, in der Hoffnung nicht den falschen Ausgang zu erwischen. Für einen waschechten Berliner wahrscheinlich kein Problem, aber woher soll ich wissen, über welchen Ausgang ich auf die richtige Straßenseite gelange. Und schon ist es passiert. Falsche Seite. Also Straße queren, das heißt, ein Stück mit der Masse „schwimmen“, und dann die Seite wechseln. Tausende von Bechern liegen auf der Straße und machen das Laufen zur Rutschpartie. Da kommt er. „Du siehst gut aus – weiter so!“ Und schon ist er wieder weg.
Fazit 2: Unbedingt ausmachen, auf welcher Straßenseite man steht und wartet.
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Kennzeichen gelbes Stirnband: So war es für Achim Kuhlmann leichter, seinen Bruder Heinz-Peter zu erspähen.

Treffpunkt Nr. 3 sollte hinter den Yorkbrücken sein. Rein in den Bahnhof. Gerade noch höre ich die Ansage „Richtung Ruhleben zurückbleiben!“ Die nächste Bahn kommt in zehn Minuten. Das könnte zu spät sein. Soll ich eine abgemachte Stelle überspringen? Nur die Ruhe. Endlich sitze ich wieder im Zug und studiere den Plan. Plötzlich eine Stimme: „Die Fahrscheine, bitte!“
Fazit 3: Unbedingt ein Tagesticket kaufen. Die kontrollieren sogar beim Marathon.

Kaum erreicht die Bahn die Yorkbrücken, hetze ich an die Strecke. Mir tun schon die Füße weh, schließlich habe ich meine Laufschuhe nicht an. Man versucht einen Punkt in der Masse zu fixieren, die sich wie ein endloser Bandwurm durch die Straße zieht. Augenjogging. Aber es klappt wieder mal. Da kommt er. „Die Hälfte hast du gleich. Super!“ Zu mehr reicht die Zeit nicht, schon ist er im Läuferheer verschwunden.

Eigentlich wollte ich nun am Wilden Eber stehen, doch jetzt sehe ich, dass es dorthin keine direkte U- oder S-Bahn-Verbindung gibt. Ich entscheide mich um und versuche mein Glück gleich am nächsten U-Bahnhof. Warten. Erst der Samurai, dann Pumuckel, dann Sebamed und dann mein Bruder. Läuft prima. Diesmal laufe ich ein Stück mit, gebe ihm ein paar Schluck Cola und muss ihm leider sagen, dass ich kein Pflaster dabei habe, um eine wunde Stelle zu verarzten.
Fazit 4: Für den Läufer ein paar kleine Extras einpacken. Das baut bei Bedarf auf.

Da ich einige 100 Meter mitgelaufen bin, muss ich diese nun natürlich wieder zurückgehen. Die Sonne ist mittlerweile rausgekommen, und mir wird warm. Keine Zeit verlieren! Nächster Halt: Wittenbergplatz, Kilometer 35. Ein Läufer bleibt einfach stehen, stützt die Hände auf die Knie und fragt mich: „Warum mache ich das?“ Ich würde gern mit ihm darüber diskutieren, aber dafür ist keine Zeit. Ich gebe ihm einen Schluck Cola und sage: „Du schaffst das!“ Endlich ist auch mein Bruder in Sicht. Er macht einen erstaunlich guten Eindruck, ein Pflaster hat er von einem Sanitäter bekommen.

Der krönende Abschluss soll nun noch der Zieleinlauf hinter dem Brandenburger Tor werden. Die Tribüne ist mittlerweile nicht mehr voll besetzt, wenngleich nach wie vor Tausende von Zuschauern ein Durchkommen kaum möglich machen. Doch wieder finde ich meinen Bruder, gemeinsam überqueren wir die Ziellinie, ich gebe noch einmal alles, schreie, klatsche, rufe ... Ich bin fertig. Und, ich fasse es nicht, ich habe mir eine Blase am linken Fuß gelaufen!"

Text: Achim Kuhlmann
25.02.2009
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