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Adidas und Nike jagen den Weltrekord

Die Schuhe zum Rekord?

Wie beim Fußball geht es auch in der Leichtathletik um das Duell von Adidas und Nike. Beim Kampf um Platz Eins schafft Nike jetzt sogar eigene Wettkampfbedingungen, quasi Laborbedingungen.

Adidas Adizero Sub 2 +
Foto: PR

Während Nike auf eine ganz neue Konstruktion mit einer voluminösen Mittelsohle setzt, wählt Adidas für den adizero Sub2 eine flache Boost-Sohle.

Drei der schnellsten Langstreckenläufer der Welt werden Anfang Mai einen Weltrekordversuch starten: Sie starten den Versuch, den Marathon unter zwei Stunden zu laufen. Den drei Läufern kommt es nicht auf den Sieg an. Es wird nur darum gehen, den Marathon unter zwei Stunden zu laufen. So das vordergründige Ziel. Aber im Grunde geht es um mehr, um sehr viel mehr. Im Prestigeduell mit Adidas steht es 1:0 für den deutschen Sportartikelkonzern aus Herzogenaurach. Die Bilanz der großen Marathonerfolge ist eindeutig. Der aktuelle Marathon-Weltrekord von 2:02:57 Stunden wurde von Dennis Kimetto in Adidas-Schuhen gelaufen. In Schuhen aus der Adizero-Reihe, die 230 Gramm wiegen, deren Mittelsohlenschaum aus einem e-TPU-Material besteht, genannt „Boost“ – und die für jeden Läufer im Fachgeschäft oder online erhältlich sind. So kann jeder Freizeitläufer ein bisschen Dennis Kimetto spielen, jedenfalls so lange, wie er das Tempo von 2:54 Minuten pro Kilometer seines Weltrekordtempos durchhält.

Die Gewichtsreduzierung von Laufschuhen, so wird übereinstimmend argumentiert, spart Energie, die der Läufer in höheres Tempo umsetzen kann. Pro 100 Gramm gespartem Gewicht bei den Laufschuhen wird der Sauerstoffbedarf um ein Prozent reduziert. Wenn man das Gewicht des bestehenden Marathon-Weltrekordschuhs als Grundlage nimmt, also 230 Gramm, und beim Schuh eine Ersparnis von 100 Gramm erzielen könnte – würde dies auf die Marathondistanz gerechnet 57,5 Sekunden Ersparnis bringen, theoretisch. Wenn man das ganze Gewicht einsparte, würde das rechnerisch 2:12 Minuten sparen. Da wäre die 2-Stundenmarke also immer noch nicht unterschritten. Aber irgendwo ist eine Grenze, einen Weltrekord läuft man schließlich nicht in Badeschlappen. Der Laufschuh muss auch technisch funktionieren. Eliud Kipchoge, einer der drei Nike-Athleten auf dem Weg zum Weltrekord in Monza, kann davon ein Lied singen. Bei seinem Sieg beim Berlin-Marathon (2015) rutschten die Einlegesohlen seines Nike Streak, ein Schuh, an dessen Entwicklung er selbst mitgearbeitet hatte, seitlich aus dem Schuh – was womöglich eine deutlich bessere Siegerzeit verhinderte. Für den Weltrekordversuch in Monza sind eigens Schuhe entwickelt worden. Sie sind auf die Rennstrecke in Monza abgestimmt, ein 2,405 Kilometer langer Rundkurs. Kipchoge muss dort jeden einzelnen Kilometer 4,2 Sekunden schneller laufen als Dennis Kimetto bei seinem Weltrekord in Berlin (2014). Ein im März absolvierter Probelauf über die halbe Marathondistanz in Monza war vielversprechend, Kipchoge blieb mit 59:17 Minuten deutlich unter der Ein-Stunden-Marke – und „es lief sehr locker“, wie er sagte. Begleitet wurde er übrigens von Tempomachern, die in pfeilförmiger Formation vor ihm liefen, um den Fahrtwind zu mildern. Direkt vor den Läufern fuhr ein Tesla, ein Auto mit Elektroantrieb. In dem Auto saßen Wissenschaftler, die GPS-überwacht und elektronisch vom Start bis ins Ziel das exakte Tempo vorgaben, alle 200 Meter wurde die Zwischenzeit genommen. Mit Laser-Strahlen wurde ein Korridor auf den Asphalt projiziert, in dem die Läufer laufen mussten. Hier wurden also Laborbedingungen auf die Straße gebracht. Die Rekord-Schuhe von Nike sind aerodynamisch optimiert und sie haben konstruktionstechnische Innovationen. Entgegen der Optik bisheriger Wettkampfschuhe ist die Mittelsohle sehr voluminös – und vergleichsweise soft gedämpft, dazu ist in ihrem Kern eine Karbonplatte, die das Abstoßverhalten wesentlich begünstigen soll. Einen Vorläufer dieses Modells trug Eliud Kipchoge genau so wie US-Marathonläuferin Shalane Flanagan, bereits bei seinem Olympiasieg in Rio. Eine Markteinführung des Modells plant Nike für die zweite Jahreshälfte.
Foto: iStockphoto.com / Vernon Wiley (oben)
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