Hype um funktionelle Pilze
Vitalpilze als Superfood

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.07.2026
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3 Sorten Pilze auf einem Tablett
Foto: Getty Images

Wenn du dich in letzter Zeit mit dem Thema Nahrungsergänzung beschäftigt hast, kennst du sie vielleicht schon: die Vitalpilze. In sozialen Medien und Gesundheitsblogs werden sie als Superfood beschrieben. Jeder Pilz mit seiner ganz eigenen, teils lebensverändernden Wirkung. Doch bevor du dich von den Versprechen mitreißen lässt, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die wissenschaftliche Einordnung dieser Präparate.

Was sind Vitalpilze?

Der Begriff „Vitalpilz“ ist zunächst einmal eine Marketing-Bezeichnung. Er ist weder rechtlich geschützt noch wissenschaftlich definiert. Gemeint sind damit Pilzarten, die nicht als klassische Speisepilze wie Champignons oder Pfifferlinge in der Pfanne landen, sondern denen über ihren Nährwert hinaus gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden.

Nicht verwechselnMit den sogenannten „Magic Mushrooms“, also psychoaktiven Pilzen, haben Vitalpilze nichts zu tun - auch wenn die Namen manchmal für Verwirrung sorgen.

Zu den bekanntesten Vertretern der Vitalpilze zählen Reishi, Shiitake, Chaga, Maitake, Löwenmähne (Lions Mane), Cordyceps, Agaricus und Hericium. Die schauen wir uns gleich nochmal genauer an. Was sie verbindet: Sie alle sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil der traditionellen Chinesischen Medizin und der ayurvedischen Heilkunde. Hier werden sie zur Stärkung des Immunsystems, zur Steigerung der Vitalität oder zur Unterstützung der Regeneration eingesetzt. Manche davon kannst du roh oder als Zutat in Gerichten essen, andere sind nur in verarbeiteter Form – etwa als Extrakt, Pulver oder Kapsel – sinnvoll nutzbar, da ihre Wirkstoffe erst durch spezielle Aufbereitungsverfahren für den Körper verfügbar werden.

Warum werden Vitalpilze als funktionelle Lebensmittel bezeichnet?

Anders als bei den Champignons in der Sahnesoße geht es bei funktionellen Pilzen nicht um den Geschmack. Im Vordergrund steht ihre gesundheitsfördernde Wirkung. Enthaltene Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe oder Ballaststoffe sorgen dafür, dass die Vitalpilze unseren Körper auf verschiedenen Ebenen unterstützen sollen. Besonders interessant sind dabei die sogenannten Beta-Glucane, eine Gruppe von Polysacchariden, die das Immunsystem modulieren können. Auch enthaltene Triterpene punkten mit entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften. Einige Vitalpilze gelten zudem als Adaptogene. Das sind Wirkstoffe, die dem Körper helfen sollen, sich besser an physischen und psychischen Stress anzupassen.

Der Begriff „funktionelles Lebensmittel“ beschreibt genau das: ein Nahrungsmittel, das über die reine Nährstoffversorgung hinaus einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen mit sich bringt. Der Unterschied zum gewöhnlichen Speisepilz liegt dabei nicht in der Grundzusammensetzung, sondern in der Konzentration dieser bioaktiven Stoffe und dem damit verbundenen Wirkpotenzial. Wichtig zu wissen: Auch wenn die Bezeichnung „funktionell“ vielversprechend klingt, sind Vitalpilze in Deutschland weder als Arzneimittel zugelassen noch dürfen sie mit konkreten Heilversprechen beworben werden. Sie gelten rechtlich als Nahrungsergänzungsmittel.

Welche Vitalpilze sind besonders bekannt?

Die Welt der Vitalpilze ist breit, doch einige Arten tauchen in der Forschung und in Nahrungsergänzungsmitteln deutlich häufiger auf als andere. Jeder dieser Pilze bringt ein eigenes Wirkprofil mit, das sich teilweise deutlich von den anderen unterscheidet. Die folgende Tabelle gibt dir einen ersten Überblick über die bekanntesten Vertreter, ihre traditionelle Verwendung und die Bereiche, in denen sie besonders interessant sein könnten.

Welche Wirkung haben Vitalpilze?

Die Wirkung der Heilpilze ist zurückzuführen auf die enthaltenen bioaktiven Substanzen, wie beispielsweise Polysaccharide, Triterpene, Peptide oder Phenole. Diesen werden gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt, welche die potenziell gesundheitsfördernden Wirkungen der Pilze erklären. Folgende Wirkungen werden dabei beschrieben:

1

Immunmodulierende Wirkung

2

Antioxidativität und entzündungshemmende Eigenschaften

3

Gesteigerte kognitive Leistungsfähigkeit

4

Mikrobiomregulation

Was sagt die Wissenschaft?

Vitalpilze werden seit den 1960er Jahren zunehmend wissenschaftlich erforscht und das Interesse wächst stetig. Allerdings muss man bei der Einordnung der Studienlage ehrlich sein: Die meisten Untersuchungen sind In-vitro-Studien, bei denen isolierte Wirkstoffe im Reagenzglas auf Zellkulturen getestet werden, oder Tierversuche, häufig an Mäusen oder Ratten. Was dort vielversprechend aussieht, lässt sich nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Humanstudien zur tatsächlichen Wirkung von Extrakten und Pulvern der Pilze im menschlichen Organismus sind nach wie vor begrenzt.

Hinzu kommt ein methodisches Problem: Die meisten Studien arbeiten mit sehr hoch dosierten Mengen einzelner Wirkstoffe. Konzentrationen, die über ein handelsübliches Nahrungsergänzungsmittel in der Regel nicht erreicht werden. Zur Bioverfügbarkeit dieser Stoffe im menschlichen Körper, also der Frage, wie viel davon tatsächlich aufgenommen und verwertet wird, gibt es bislang kaum belastbare Daten. Die Verbraucherzentrale bringt es auf den Punkt: Der Wissensstand zu möglichen Wirkungen von Vitalpilzprodukten sei „noch mehr als lückenhaft“.

Dennoch haben viele Pilzsorten einen biologischen Effekt in unserem Körper, die genauen Wirkmechanismen sind jedoch komplex und wissenschaftlich schwer nachzuvollziehen.

Was wissen wir trotzdem? Ein Blick auf die einzelnen Wirkstoffgruppen:

Beta-Glucane: Die Polysaccharide sind unter unseren Pilz-Wirkstoffen am besten erforscht. Studien am Menschen zeigen, dass sie die Aktivität von Abwehrzellen wie Makrophagen und natürlichen Killerzellen erhöhen können. Das könnte besonders für Menschen mit erhöhter Infektanfälligkeit relevant sein – also auch für Läuferinnen und Läufer in intensiven Trainingsphasen. Denn hier steht das Immunsystem enorm unter Druck und sollte ohnehin durch gezielte Ernährungsanpassung unterstützt werden. Pilzextrakte, speziell aus Shiitake und Maitake, werden in Humanstudien bereits erfolgreich eingesetzt, um die Aktivität der sogenannten natürlichen Killerzellen zu erhöhen. Bei Autoimmunerkrankungen ist die Wirkung allerdings nicht eindeutig belegt, und für immungeschwächte Personen sind Vitalpilzpräparate daher ausdrücklich nicht geeignet.

Triterpene: Die sekundären Pflanzenstoffe sind vor allem in Reishi und Chaga in hoher Konzentration enthalten. Sie zeigen in Laborstudien entzündungshemmende und antioxidative Effekte. Durch die Unterdrückung von Entzündungsmediatoren, wie Histamin, können sie im Zuge dessen die Leberfunktion unterstützen. Klinische Studien am Menschen sind hier allerdings noch selten.

Phenole: Sie wirken als Antioxidantien und schützen Zellen vor oxidativem Stress. Ihre Wirkung ist aus der Ernährungswissenschaft weitgehend belegt. Sie finden sich auch in alltäglichen Produkten, wie Beeren, Rotwein oder grünem Tee. In Vitalpilzen tragen sie zum antioxidativen Gesamtprofil bei, sind aber Stand jetzt, selten der alleinige Grund für die beschriebenen Effekte.

Ergothionein: Diese stark antioxidative Aminosäure kommt in besonders hohen Mengen in den Pilzen vor. Ergothionein kann vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden. Sie rückt zunehmend in den Fokus der Forschung, da sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden können und über einen speziellen Transporter gezielt in Zellen gelangt, die besonders hohem oxidativem Stress ausgesetzt sind – etwa in Gehirn, Leber und Augen. Erste Studien deuten darauf hin, dass es die Lernfähigkeit verbessern und Marker für Nervenschäden im Gehirn stabilisieren könnte.

Sind Vitalpilze für Läufer sinnvoll?

Die Versprechen scheinen groß, aber kann ich als Läuferin oder Läufer von einer regelmäßigen Einnahme der Pilzsupplemente profitieren? Auch hier ist die Antwort noch nicht langfristig, wissenschaftlich stützbar, aber es spricht einiges dafür, dass hier ein gewisses Potenzial liegen könnte.

Erste Hinweise liefert eine Studie von Fellipe Pinheiro Savioli et al. aus dem Jahr 2022. Sie untersuchte die Auswirkungen der Einnahme des Pilzes Cordyceps über einen Zeitraum von 12 Wochen. Die Probanden waren Amateur-Marathonläufer, die täglich 2 Gramm Cordyceps Sinensis einnahmen. Im Vergleich zu einer Placebogruppe verbesserten die Sportler mit Pilz-Supplement tatsächlich ihre aerobe Leistung und Herzfrequenz. Auch Reishi-Pilze können durch ihren positiven Einfluss auf die Schlafqualität und Stressregulation, bei Läufern die Regeneration unterstützen.

Für einen höheren Trainingsfokus und mentale Stärke könnte der Pilz Löwenmähne (Lions mane) besonders interessant sein. Gerade in der Wettkampfvorbereitung kann ein reines Extrakt des Pilzes bei Stress und Nervosität Abhilfe leisten. Daneben haben natürlich auch die in den Pflanzen enthaltenen Beta-Glucane durch ihre immunmodulierende Wirkung einen Einfluss auf unsere Infektanfälligkeit. Unser, in harten Trainingsphasen, gestresstes Immunsystem wird dadurch vermutlich stabilisiert.

Wenn dein Interesse an den neuartigen Supplementen nun geweckt ist, trau dich ruhig ans Ausprobieren. Vielleicht kannst du schon nach ein bis zwei Monaten eine Leistungssteigerung oder ein erhöhtes Wohlbefinden feststellen. Auch wenn die Studienlage noch recht dünn ist, sind erste Ergebnisse vielversprechend. Beachte jedoch unsere Kauftipps unten im Artikel, um einen Fehlkauf zu vermeiden und dich keinen Risiken auszusetzen. Auch über Wechselwirkungen mit spezifischen Medikamenten solltest du dich im Vorfeld informieren.

Pulver, Extrakt oder Kapseln: Welche Form ist sinnvoll?

Vitalpilze gibt es mittlerweile in nahezu jeder denkbaren Darreichungsform: als Pulver, Extrakt, Kapsel, Tee oder getrocknet zum Aufbrühen. Häufig werden sie zusätzlich mit Vitaminen oder anderen Adaptogenen wie Ashwagandha kombiniert, um die Wirkung zu verstärken – zumindest laut Herstellerversprechen. Grundsätzlich lassen sich zwei Kategorien unterscheiden: Pulver und Extrakte.

Pulver werden aus dem getrockneten und gemahlenen Pilz hergestellt und liefern dir die gesamte Bandbreite der Inhaltsstoffe, allerdings in geringerer Konzentration.

Extrakte hingegen durchlaufen einen Aufbereitungsprozess, bei dem bestimmte Wirkstoffe wie Beta-Glucane oder Triterpene gezielt herausgelöst und konzentriert werden. Sie können dadurch höhere und gezieltere Mengen einzelner Wirkstoffe liefern.

Kapseln wiederum enthalten meist eines von beidem, Pulver oder Extrakt, und sind vor allem dann praktisch, wenn dir der oft bittere, erdige Geschmack der Pilze nicht zusagt.

Unabhängig von der Form gilt: Alle Vitalpilzprodukte sind in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft, nicht als Arzneimittel. Das hat auch einen praktischen Grund: Die verwendeten Pilzarten, die Art der Aufbereitung, die pharmazeutische Qualität und die Form der Anwendung unterscheiden sich von Produkt zu Produkt so stark, dass keine allgemeingültigen Aussagen über Dosierung, Anwendungszeitraum, Wirkung und Nebenwirkungen möglich sind. Der tatsächliche Wirkstoffgehalt kann selbst bei Produkten mit identischem Pilz auf dem Etikett erheblich variieren. Faktoren wie Herkunft, Anbau und Verarbeitung spielen hier eine große Rolle.

Haben Vitalpilze Nebenwirkungen?

Wie alle pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittel können auch Vitapilze bei falscher Einnahme gesundheitliche Risiken bergen. Denn pflanzlich heißt nicht gleich unbedenklich.

Besonders problematisch ist die Kombination mit Medikamenten. Beta-Glucan-Extrakte aus Pilzen sollten nicht zusammen mit entzündungshemmenden Medikamenten wie Kortison oder Schmerzmitteln eingenommen werden. Reishi wird häufig als „natürliches Mittel gegen Diabetes“ beworben, etwa als Reishi-Kaffee. Berichte legen jedoch nahe, dass die Einnahme sowohl bei Menschen mit Diabetes als auch bei Menschen ohne zu einer gefährlichen Unterzuckerung führen kann.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Da Vitalpilze als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft sind, unterliegen sie nicht denselben strengen Richtlinien wie Arzneimittel. Das bedeutet in der Praxis: Qualität und Sicherheit können von Produkt zu Produkt erheblich schwanken, ohne dass du das von außen sofort erkennst. Besonders bei Produkten aus unkontrolliertem Anbau im asiatischen Raum ist Vorsicht geboten. Sie können mit Schadstoffen wie Schwermetallen oder Pestiziden belastet sein, und der tatsächliche Wirkstoffgehalt bleibt häufig unklar. Die fehlende Standardisierung in der Branche erschwert es zusätzlich, präzise Angaben zur Dosierung zu machen - was auf dem einen Etikett als „500 mg Reishi-Extrakt“ steht, kann sich in seiner Zusammensetzung deutlich von einem vergleichbaren Produkt unterscheiden.

Orientierung geben dir dabei verlässliche Siegel und Zertifikate. Produkte, die in Europa hergestellt werden, unterliegen deutlich strengeren Produktions- und Hygienevorschriften.

Eine GMP-Zertifizierung (Good Manufacturing Practice) stellt sicher, dass das Produkt unter international anerkannten Standards gefertigt wurde – von der Rohstoffauswahl bis zur Verpackung.

Das RAW-Siegel kennzeichnet Pilze, die unter natürlichen Bedingungen und bei niedrigen Temperaturen getrocknet wurden, damit hitzeempfindliche Wirkstoffe nicht bereits bei der Verarbeitung verloren gehen.

Und ein EU-Bio-Siegel garantiert dir, dass keine synthetischen Pestizide oder Düngemittel zum Einsatz kamen. Das ist gerade bei Pilzen relevant, da sie Schadstoffe aus ihrer Umgebung besonders leicht aufnehmen.

Seriöse Hersteller legen darüber hinaus unabhängige Laboranalysen offen, die das Produkt auf Schwermetalle, Pestizide und Keime geprüft haben. Ein Detail, das oft übersehen wird, aber einen großen Unterschied machen kann: Wurde für das Produkt der Fruchtkörper oder das Myzel des Pilzes verwendet? Der Fruchtkörper ist der sichtbare Teil des Pilzes und enthält in der Regel die höchste Konzentration an bioaktiven Wirkstoffen wie Beta-Glucane und Triterpene. Das Myzel hingegen - das unterirdische Fadengeflecht - wird häufig auf Getreidesubstraten gezüchtet, was dazu führen kann, dass ein beträchtlicher Anteil des Endprodukts aus Stärke statt aus Pilzwirkstoffen besteht. Ein Blick auf die Zutatenliste verrät dir hier oft mehr als das Marketing auf der Vorderseite der Verpackung.

Und damit du die Begriffe auf der Verpackung noch besser einordnen kannst, erklären wir dir in der folgenden Tabelle noch ein paar Bezeichnungen:

Ein Hersteller hochwertiger Pilzsupplemente, ist beispielsweise Hifas da Terra:Das Biotechnologie-Unternehmen aus Spanien arbeitet mit einem großen, überwiegend weiblichen, multidisziplinären wissenschaftlichen Team aus Biologie, Pharmazie, Medizin, Onkologie und weiteren Fachrichtungen an eigenen klinischen Studien zu den verkauften Produkten. Dafür reinvestieren sie 62% der Gewinne in Forschung. Damit steht offensichtlich nicht nur der wirschaftliche sondern auch der wissenschaftliche Erfolg für das Unternehmen im Fokus. In ihrem Sortiment finden sich neben den reinen Pilzkonzentraten auch Mischungen für Anwendungszwecke wie Verdauung, Konzentration oder Immunabwehr.

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Fazit