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Alex Hutchinsons Lauflabor Beeinflusst Vitamin D den Blutdruck während des Trainings?

Wissenschaftsjournalist Alex Hutchinson kommentiert ein überraschendes Forschungsergebnis, das nicht das ist, wonach es aussieht.

Blutdruckmessgerät +
Foto: totalpics / iStockphotos

Zwischen Vitamin D und Bluthochdruck gibt es letztlich keinen kausalen Zusammenhang.

Die Schlagzeile "Mann beißt Hund" erweckt eindeutig mehr Aufmerksamkeit als umgekehrt – deshalb merkte ich auf, als ich beim Durchstöbern der Vorträge auf der letzten Konferenz des American College of Sports Medicine in einer Studie auf die Worte „In Kontrast zu unserer Hypothese...“ stieß. Als Journalist liebe ich natürlich Überraschungen.

Die betreffende Studie stammt von einem Team der University of Connecticut und des Hartford Hospitals. Die Forscher untersuchten die Bedeutung von Vitamin D für den Blutdruck, sowohl während Erholungspausen als auch in Phasen maximaler Anstrengung. Zu ihrer Überraschung stellten sie fest, dass die Probanden mit der höchsten Vitamin D-Konzentration auch den höchsten Blutdruck hatten.

Obwohl Vitamin D im Allgemeinen den Ruf hat, ein Allheilmittel zu sein, gibt es in den letzten Jahren immer häufiger Beweise dafür, dass mehr nicht immer gleich besser ist. Könnte der Blutdruck der Auslöser dieses offensichtlich negativen Effektes sein? Ich kontaktierte die Studienleiterin Amanda Zaleski, um dies herauszufinden.

Blutdruck steigt beim Lauftraining

Sie erklärte mir, dass das Hauptziel der Studie war, die Verbindung zwischen Vitamin D und dem Blutdruck während maximaler Trainingsbelastung zu erforschen. Normalerweise erhöht sich der systolische Blutdruck (der höhere Messwert) im Training, wegen der größeren Blutmenge, die durch das Herz gepumpt wird. Während der diastolische Blutdruck (der niedrigere Messwert) ungefähr gleich bleibt. Doch bei manchen Menschen steigt der Blutdrucks während des Trainings überdurchschnittlich an und sie sind zwei- bis viermal anfälliger für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies kann als ein potenzielles Frühwarnsystem für Menschen dienen, wenn der Ruhe-Blutdruck ganz normal ist.

Außerdem wurde noch ein weiterer Aspekt der Vitamin-D-Blutdruck-Relation untersucht, da einige Beweise nahelegten, dass Vitamin-D-Mangel in Verbindung mit Bluthochdruck steht. Eine Reihe von Tests wurden gestartet, um herauszufinden, ob die Einnahme von Vitamin-D-Ergänzungsmitteln den Blutdruck senken kann. Während einige wenige Studienergebnisse ermutigend waren, konnten die meisten dies nicht bestätigen. Zaleski war an einer sehr streng randomisierten Studie, dem DAYLIGHT-Test beteiligt, dessen Ergebnisse (2015 veröffentlicht) keine Verbesserung des Ruhe-Blutdrucks durch Vitamin-D-Präparate bei Menschen mit hohem Blutdruck und niedrigem Vitamin-D-Spiegel erkennen ließen.

Aber auch wenn sich Vitamin D nicht auf den Ruhe-Blutdruck auswirkt, kann es vielleicht den Blutdruck während des Trainings beeinflussen. Dies wäre für Menschen wichtig, die derzeit noch gesund sind, aber zukünftig hohen Bluthochdruck vermeiden wollen. Und genau das ist es, was die neue Studie herausfinden wollte.

Die Studie untersuchte 417 Erwachsene, deren Vitamin-D-Spiegel bei Ruhe-Blutdruck und während eines Erschöpfungstests gemessen wurde. Im Ergebnis war kein offensichtlicher Zusammenhang zu erkennen. Die Probanden mit „klinisch suboptimalem“ Vitamin-D-Level (in dieser Studie als weniger als 32 Nanogramm pro Milliliter oder 80 Nanomol pro Liter) hatten als Reaktion auf die Anstrengung nicht mehr, eher sogar niedrigeren Blutdruck als diejenigen mit normalen Vitamin-D-Spiegeln.

Das „Mann-beißt-Hund-Phänomen“

Trotzdem war das „Mann-beißt-Hund-Phänomen“ zu erkennen. Probanden mit einem optimalen Vitamin-D-Level hatten im Schnitt einen Blutdruck von 120,6 über 76,0 mmHg. Probanden mit unterdurchschnittlichen Vitamin-D-Werten hatten dafür einen gesünderen Blutdruck von durchschnittlich 116,4 über 74,1 mmHg. Für die sowohl systolischen als auch diastolischen Werte waren die Resultate statistisch relevant.

Ist es also möglich, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel gut für den Blutdruck ist?
„Es ist immer wichtig alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen“ sagt Zaleski diplomatisch. Es gibt Vitamin-D-Rezeptoren in den Blutgefäßen und es ist theoretisch möglich, dass zu viel Vitamin D auf die eine oder andere Art eine Störung und Verhärtung der Adern zur Folge haben kann.

Aber viele andere Studien stehen diesem Ergebnis entgegen. So entwickelten in einer Untersuchung mit über 100.000 Probanden, diejenigen mit Vitamin-D-Werten unter 15 Nanogramm pro Milliliter dreimal wahrscheinlicher Bluthochdruck als die mit über 30 Nanogramm pro Milliliter. Deshalb vermutet Zaleski, dass ihr Studienergebnis im Grunde ein zufälliges war, ausgelöst durch die spezifischen Merkmale und genetischen Veranlagungen ihrer Probanden.

Das Fazit: kein kausaler Zusammenhang

Das Fazit dieser Studie ist also die Auffassung, dass die Verbindung zwischen Vitamin D und Bluthochdruck letztlich keinen kausalen Zusammenhang hat. Ja, Menschen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegeln neigen zu Bluthochdruck, aber nein, Vitamin-D-Ergänzungsmittel reduzieren das Risiko nicht. Das bedeutet, es muss eine andere zugrundliegende Variable geben, wie zum Beispiel nicht genügend Sport, die den Zusammenhang erklärt.

Für mich steht diese Studie für das unberechenbare Wesen überraschender Ergebnisse. Es ist amüsant eine Geschichte über einen Mann zu lesen, der einen Hund beißt, aber es ist ein Fehler daraus zu folgern, dass „Männer immer beißen".
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Autor: Alex Hutchinson 21.07.2017
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