Top Themen: HWS-Syndrom | Fersensporn | Selbst-Massage | Shin Splints | Knieschmerzen | Sprunggelenksverletzung | Laufen

Therapiemöglichkeit Behandlung mit Eis

Eisbehandlungen haben mehr als nur einen kühlenden Effekt. Man hat die Wirkung von Eis genauer erforscht und definiert.

"Die Eisbehandlung nach einer Verletzung gilt als altes Hausrezept. Mich interessiert, was dabei eigentlich passiert und wann die Behandlungen mit Eis tatsächlich angebracht sind."

Herr Dr. K. L., Potsdam
Eiswürfel +

Eis ist ein echter Alleskönner.


Wessinghage +
Foto: Runner's World

Dr. med. Thomas Wessinghage

RUNNER'S WORLD-Experte Dr. med. Thomas Wessinghage antwortet:

Heute sind die unterschiedlichen Effekte der Kältebehandlung genauer erforscht und klar definiert. Die Kältebehandlung ist aufgrund der einfachen Anwendung und gleichzeitig hohen Wirksamkeit aus der physikalischen Medizin nicht mehr wegzudenken.

Der Kälteeffekt ist abhängig von der Dauer der Einwirkung. Auf das zunächst eintretende Kältegefühl folgt schmerzhaftes Brennen, bis das Schmerzempfinden weicht und schließlich eine weitgehende Gefühllosigkeit entsteht. Mit sinkender Gewebetemperatur werden die Blutgefäße enger. Parallel dazu werden Stoffwechselvorgänge verlangsamt (Enzymaktivität!), so dass entzündliche Prozesse gehemmt werden, Schwellungen sich zurückbilden und die Blutungsneigung nachlässt. In der Muskulatur führen kurze Kältereize zur Steigerung der Muskelaktivität (Zittern), länger andauernde Reize haben eine Verminderung der Dehnreflexe zur Folge, Muskelverkrampfungen oder Verspannungen können sich lösen.

Nach Beendigung der Kältebehandlung tritt – oft erst nach längerem Intervall – die sogenannte „reaktive Hyperämie“ ein. Die zuvor eng gestellten Blutgefäße erweitern sich besonders stark, die verminderte Durchblutung weicht einer Durchblutungssteigerung und Überwärmung.

Diese Wirkungen werden in der physikalischen Therapie und Krankengymnastik gezielt eingesetzt. Grundsätzlich gehört die Kälteanwendung bei frischen, akuten Verletzungen quasi zur Standardbehandlung. Bei chronischen Prozessen muss im Einzelfall entschieden werden, ob Kälte oder Wärme bessere Effekte liefern. Dazu muss auch das subjektive Empfinden des Patienten berücksichtigt werden, der in der Regel sehr genau spürt, welche Art der Thermotherapie ihm am angenehmsten ist und die größte Linderung bringt.

Zu den Einsatzbereichen der Kälteanwendung gehören:

– frische, stumpfe Verletzungen (Prellung, Quetschung, Distorsion, Bluterguss)
– Verbrennungen
– frische Muskelverletzungen (Zerrung, Faserriss, Riss)
– akute muskuläre Verspannungen (Myogelose)
– Sehnen-/Sehnenscheidenentzündungen (Tendinitis, Tendovaginitis)
– Schleimbeutelentzündungen (Bursitis)
– Sehnenansatzreizungen (Insertionstendopathie)
– Gelenkreizung/-entzündung (Arthritis)
– Gelenkerguss
– Engpasssyndrome (Kompartmentsyndrom)
– lokalisierter Schmerz
WEITERLESEN
Nächste Frage aus "Experten antworten": "Beim 10-Kilometer-Wettkampf muss ich regelmäßig Wasser lassen. Im Trainingslauf über die gleiche Distanz jedoch nicht. Stimmt es, dass durch starkes Schwitzen die Haut extrem gekühlt wird und dadurch die Organe (speziell die Blase) mehr arbeiten. Was kann ich dagegen tun? "

Inhaltsverzeichnis
31.08.2012
Kostenloser Newsletter
Mehr zu Gesundheit
Laufen nach einem Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall bedeutet auch nicht das Aus für den Laufsport. Im Gegenteil: Nach ... ...mehr

Training dem Zyklus anpassen

Viele Frauen haben mit Menstruationsbeschwerden zu kämpfen. Drei Tricks und die FitrWoman-... ...mehr

Hängt die Laufleistung vom Lungenvolumen ab?
Lungenvolumen

Foto: iStockphoto

Kann man mit einem größeren Lungenvolumen automatisch ausdauernder laufen? Dr. Heiko Strie... ...mehr

Sie sind hier: >> >> >>Behandlung mit Eis
(©) Motor Presse Hearst GmbH & Co KG Verlagsgesellschaft