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Phänomen Laufsucht Kann Laufen süchtig machen?

Wir richten unsere Woche nach einem Trainingsplan aus, opfern Wochenenden für lange Läufe und haben Entzugserscheinungen, wenn wir nicht laufen – sind wir Läufer also süchtig nach unserem Sport?

Sportsucht +

Die Grenze zwischen ambitioniertem Training und zwanghaftem Sportverhalten ist schwer zu bestimmen.

Das Gefühl, dass uns etwas fehlt, wenn wir einige Tage mit dem Laufen aussetzen, kennen die meisten Menschen, die regelmäßig Ausdauersport betreiben. Gut, und dass wir unsere Tagesplanung und Nahrungsaufnahme über Wochen nach einem Trainingsplan ausrichten liegt nur daran, dass wir uns auf einen wichtigen Wettkampf vorbereiten. Wir haben zwar Entzugserscheinungen, wenn wir nicht laufen können, aber laufsüchtig sind wir nicht. Oder?

Warum kann Sport süchtig machen?

Beim Sport werden tatsächlich körpereigene Drogen produziert, nämlich das Glückshormon Endorphin und weitere Stoffe. Beim Laufen führt das manchmal zu einem „Runner’s High“, bei dem die Anstrengung nicht spürbar und Schmerzen betäubt sind. Diesem guten Gefühl beim Ausdauersport laufen Sportsüchtige (im wahrsten Sinne des Wortes) hinterher.

Eine andere Ursache ist die Ablenkung von Alltagsproblemen: Bei körperlicher Anstrengung konzentriert sich der Läufer nur auf sich und seinen Körper. Stress, Probleme und belastende Gedanken werden ausgeblendet. Dies ist ebenfalls ein drogenähnlicher Zustand, den Sportsüchtige immer wieder erleben wollen.

Studie: 4,5 Prozent sind sportsuchtgefährdet

2013 befragen Sportwissenschaftler im Rahmen einer Studie 1.089 Athleten zu ihrem Sportverhalten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass 4,5 Prozent der untersuchten Sportlerinnen und Sportler sportsuchtgefährdet sind. Unterschieden haben die Wissenschaftler zwischen einer primären Sportsucht, bei der es den Betroffenen um den Sport an sich geht, und einer sekundären Sportsucht, die häufig in Verbindung mit Essstörungen auftritt.

Als offizielle psychologische Diagnose existiert Sportsucht allerdings nicht, da Experten sich darüber uneinig sind, ob sie als echte Sucht einzustufen ist. Viele sprechen deshalb von zwanghaftem Sportverhalten. Gründe für ein solches exzessives Sporttreiben können zum Beispiel bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sein, etwa ein negatives Selbstwertgefühl, Zwanghaftigkeit oder der Hang zum Perfektionismus.

Was sind Anzeichen für eine Laufsucht?

Die Grenze zwischen sehr ambitioniertem Training und einem zwanghaften Sportverhalten ist sehr schwer zu ziehen. Viele Angehörige von Läufern sprechen von einer Laufsucht, wenn der Partner so häufig trainiert, dass der Alltag leidet. Wenn dieser Zustand über einen längeren Zeitraum anhält, wenn die Betroffenen sogar tolerieren, dass dadurch Freundschaften oder Partnerschaften zerfallen und ihr Beruf darunter leidet, sind das Anzeichen für ein therapiebedürftiges Verhalten.

Weitere Warnsignale sind die Missachtung körperlicher Signale – das heißt, Betroffene trainieren auch unter Schmerzen weiter – sowie starken Entzugserscheinungen wie depressiven Stimmungen, innerer Unruhe oder Schlaflosigkeit. Insgesamt ist der Sport für Sportsüchtige das zentrale Motiv im Leben: Ihr Verhalten kontrolliert die Person, nicht umgekehrt.

Was können Gefährdete tun?

Während Sportsüchtige therapeutisch behandelt werden müssen, können Sportsuchtgefährdete zunächst für das Thema sensibilisiert werden. Haben Sie bei sich selbst Anzeichen für ein gefährdendes Verhalten festgestellt, haben Sie den ersten Schritt bereits geleistet. Überlegen Sie nun, ob Sie Ihr Trainingspensum herunterfahren können. Und: Fixieren Sie sich nicht nur aufs Laufen; auch Schwimmen, Radfahren und Krafttraining können Ihnen körperliche und seelische Befriedigung verschaffen.

Hilfe bei einer Sportsuchtgefährdung finden Betroffenen bei einem Psychotherapeuten. Orientierung bei einer ersten Einschätzung Ihres Trainingspensums gibt Ihnen unser Selbsttest zum Thema Übertraining.
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25.05.2018
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