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Lutz Graumann Von Golfern und Läufern

Die Entstehung von Verletzungen will Lutz Graumann durch eine Bewegungsanalsyse erkennen - ein ganz neues Verfahren.

Versuchen Sie mal, sich auf einem Bein stehend mit geschlossenen Augen die Zähne zu putzen!“ Lutz Graumann lächelt leicht verschmitzt, als er diesen einfachen Test empfiehlt. Wir stehen in Valley, mitten auf dem gepflegten Grün eines Golfplatzes. Der Ort, dessen Name nach mittlerem Westen der USA klingt, liegt im beschaulichen Ober­bayern, eine halbe Stunde südlich von München, eine halbe Stunde nördlich der bayerischen Alpen.

Von seiner Praxis aus könnte Graumann direkt aufs Grün putten. Ja, Golf spiele er auch, jedoch seltener, als ihm lieb sei, sagt der drahtige Mediziner. Damit habe er während seiner Forschungs-aufenthalte in den USA angefangen. „Aber lieber gehe ich jeden Mittag laufen, den Luxus gönne ich mir.“

Natürlich rekrutiert Graumann die Patienten auch vom benachbarten Golfplatz – Entschuldigung: dem „27-Loch-Designer-Course“, wie ihn die Homepage des Golf­clubs beschreibt. Und als sei es so gewollt, hängen über der zum Greifen nahen Alpenkette weiße Postkartenwölkchen. Wäre das eine Inszenierung – sie wäre fast zu kitschig.

„Wir haben in der Medizin lange zu viel Quatsch erzählt“, holt mich Graumann zurück aufs Grün. „Wir haben Symptome bekämpft, aber nicht die Ursachen.“ Das ­gelte für Golfer genauso wie für Läufer oder Basketballer, geht er mit seiner Wissenschaft ins Gericht. „Da habe ich in Amerika viel gelernt, von Therapeuten wie Gray Cook, von Trainern wie Mark Verstegen oder Michael Boyle.“ Dort werde das Zusammenspiel der Muskeln analysiert, die zusammenhängenden Bewegungsmuster, die beim Sport immer wieder vorkommen.

Einzelne Muskeltests könnten dagegen relativ wenig aussagen. In seiner im vergangenen Jahr am Golfplatz eröffneten Praxis untersucht Graumann Sportler mithilfe des „Functional Movement Screening“. Das ist ein diagnostisches Ana­lyse-Instrument, das komplette Bewegungsmuster in verschiedenen Diagnoseschritten unter­sucht – und zwar die Qualität der Bewegung. Dazu gehört, dass die Patienten nach verbaler Anleitung sieben verschiedene Bewegungsübungen durchführen sollen. „Die Umsetzung sagt mir etwas über die ,Software‘ des Athleten“, erklärt der Hobby­läufer und betont: „Ich mache damit den Leuten ihre Schwachstellen erlebbar.“

Zwar finden sich mehrere Top-Athleten in Graumanns Patienten-Datenbank, seine Haupt­klientel besteht aber aus ambitionierten Hobbysportlern. „Ich arbeite gern mit Sport­arten, die ich verstehe.“ Der Buchautor („Get fit to run. Functional Training für Lauf­sportler“; Riva-Verlag) untersucht Balance, Beweglichkeit, Stabilität und Kraft. Fallen ­seine Sportler beim Basistest durch, haben sie ein erhöhtes Verletzungsrisiko. „Deshalb“, so Graumann vergnügt, „empfehle ich immer gern den Test mit dem Zähneputzen.“

Text: Urs Weber
23.08.2011
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