Erhöhter PSA-Wert durch Sport

Einfluss von Sport auf die Prostata
Wie beeinflusst Sport den PSA-Wert?

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 28.04.2026
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Wie beeinflusst Sport den PSA-Wert?
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Der PSA-Wert ist ein Blutwert, der bei der Krebsvorsorge von Männern eine große Rolle spielt. Die Abkürzung PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen. Weil ein erhöhter Wert auf Prostatakrebs hindeuten kann, wird der PSA-Wert in der Medizin als Tumormarker verwendet. Allerdings beeinflussen auch viele andere Faktoren den Anteil des Prostata-spezifischen Antigens im Blut, zum Beispiel intensive körperliche Aktivität. Wir erklären, wie gesunde Werte aussehen sollten, wie sich Sport auf das Protein auswirkt, ob ein Marathon die Untersuchungsergebnisse verfälschen kann und was ein erhöhter PSA-Wert bedeutet.

Was ist der PSA-Wert?

PSA (Prostata-spezifisches Antigen) ist ein Eiweiß, das ausschließlich von Männern und nur in den Prostatadrüsen gebildet wird. Der Großteil des PSA gelangt mit dem Prostatasekret, das für die Funktion der Spermien von grundlegender Bedeutung ist, über viele Einzeldrüsen in die Harnröhre und mit dem Samen bei der Ejakulation nach außen. Ein kleiner Teil des Proteins wird permanent ins Blut abgegeben – wie viel davon, ist von Mann zu Mann unterschiedlich.

Der PSA-Wert gibt den Anteil des Prostata-spezifischen Antigens im Blut an und wird durch einen einfachen Bluttest ermittelt. PSA liegt im Blut frei oder an andere Proteine gebunden vor. Deshalb gibt es unterschiedliche Messwerte für das Gesamt-PSA (t-PSA), das freie PSA (f-PSA) und das komplexierte PSA (c-PSA): f-PSA befindet sich frei im Blut, c-PSA bindet sich im Blut an andere Proteine. f-PSA und c-PSA ergeben zusammen den Wert für das t-PSA. Für die Diagnostik wird meist das Gesamt-PSA (t-PSA) genutzt, weil der f-PSA-Wert stark schwankt und der c-PSA-Wert alleine keine Aussagekraft hat.

Die medizinische Erklärung für die Bedeutung dieses Wertes ist simpel: Weil entartete Prostata-Tumorzellen oft deutlich mehr PSA produzieren als gesunde Zellen, wird dieser Test als wichtiger Indikator für die Diagnostik und Verlaufskontrolle onkologischer Erkrankungen genutzt. Durch die Messung dieses Wertes erhalten Urologen frühzeitig Hinweise auf ein möglicherweise vorhandenes Prostatakarzinom.

Der PSA-Wert hat im Blutbild meist die Einheit ng/ml, also Nanogramm pro Milliliter. Nanogramm bedeutet: ein Milliardstel Gramm. Ein Milliliter wiederum ist ein Tausendstel von einem Liter.

Die Kritik am PSA-Wert

Weil der PSA-Wert anfällig für Schwankungen ist und auch bei gutartigen Erkrankungen erhöht sein kann, ist seine Anwendung als Tumormarker in der Krebsfrüherkennung umstritten.

Ein kritischer Aspekt ist das Risiko der Überdiagnose. Oft werden dabei kleine Tumoren entdeckt, die medizinisch gesehen keinen Krankheitswert besitzen. Da Prostatakrebs meist extrem langsam wächst, würde er vielen Männern zu Lebzeiten keine Probleme bereiten. Männer, bei denen ein solcher Krebs im Rahmen der Früherkennung entdeckt wird, werden also unnötig den Belastungen und Nebenwirkungen von Diagnose und Behandlung ausgesetzt.

Doch die Medizin macht Fortschritte, um genau diese Risiken zu minimieren. Aktuelle Daten der sogenannten PROBASE-Studie unter der Leitung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) konnten zeigen, dass ein Prostatakrebs-Screening heute wahrscheinlich ähnlich effektiv ist wie das langjährig etablierte Mammographie-Screening bei Frauen.

Der entscheidende Unterschied zu früher: Ein erhöhter PSA-Wert führt heute nicht mehr automatisch zur sofortigen Biopsie oder Operation. Durch die Einbeziehung weiterer Faktoren und moderner Verfahren wie der MRT lässt sich die Rate an Überdiagnosen senken. Zudem hat sich die „aktive Überwachung“ als Strategie etabliert: Dabei werden harmlose, langsam wachsende Tumoren zunächst nur engmaschig beobachtet. So lässt sich eine belastende Behandlung vermeiden oder zumindest so lange hinauszögern, bis sie medizinisch tatsächlich notwendig wird.

Exkurs: Anatomie der Prostata

Die etwa walnussgroße Prostata gehört zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen und besteht aus Drüsen, Bindegewebe und Muskulatur. Sie liegt direkt unterhalb der Harnblase, in unmittelbarer Nähe des letzten Darmabschnittes (Mastdarm, Rektum), oberhalb des Beckenbodens. Die Prostata stabilisiert durch ihre Position den Blasenhals und den Verschluss der Harnblase.

Die anatomische Lage der Prostata macht das Ertasten der Prostata, einer Prostatavergrößerung sowie eines Prostatatumors durch das Rektum möglich. Deshalb ist die Tastuntersuchung Teil der Diagnostik im Rahmen der Krebsfrüherkennung bei Männern.

Weil die Prostata so nah an der Harnblase liegt und den oberen Anteil der Harnröhre umschließt, gehen viele Erkrankungen der Prostata, aber auch die physiologische Vergrößerung der Prostata in höherem Alter (gutartige Prostatavergrößerung, benigne Prostatahyperplasie (BPH)), mit Beschwerden beim Wasserlassen (Miktion) einher. Eine Prostatahyperplasie kann zu einer Verengung der Harnröhre und Harnentleerungsstörungen führen. Im Rahmen der Diagnostik einer Prostatavergrößerung wird daher unter anderem eine Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie) durchgeführt.

Welche Werte gelten als normal?

Doch was ist eigentlich der Normalwert? Pauschal lässt sich das schwer sagen, denn die Konzentration steigt natürlicherweise mit dem Alter an, da die Prostata im Laufe der Jahre meist größer wird (gutartige Prostatavergrößerung). Ein statischer Grenzwert, ab dem ein PSA-Wert als eindeutig erhöht gilt, existiert für alle Männer daher nicht.

Stattdessen nutzen Medizinerinnen und Mediziner altersabhängige Referenzbereiche für die Interpretation des Ergebnisses. Dabei wird berücksichtigt, dass ein Wert, der bei einem 75-Jährigen noch völlig unbedenklich ist, bei einem 45-Jährigen bereits Anlass für weitere Untersuchungen geben könnte.

Die folgende Tabelle gibt dir eine Orientierung, welche Werte in welchem Lebensabschnitt üblicherweise als normal angesehen werden:

PSA-Werte, die über diesen Schwellenwerten liegen, stellen die Indikation für eine Biopsie (Entnahme von Prostatagewebe) dar, um einen Tumor frühzeitig diagnostizieren zu können. Bei Werten über 10 ng/ml liegt die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms bei mindestens 50 Prozent.

Exkurs: Prostatakrebs-Diagnostik anhand des PSA-Wertes

In der Diagnostik von Prostatakrebs wird der PSA-Wert für eine genauere Einschätzung des Krebsrisikos zusätzlich ins Verhältnis zur Größe der Prostata gesetzt (PSA-Dichte, Prostatavolumenquotient). Weil bei Männern mit einem Prostatatumor der Anteil des freien PSA (f-PSA) geringer ist als bei gesunden Männern, während ein höherer Anteil proteingebunden (c-PSA) ist, bilden Onkologen zudem aus den Einzelwerten den PSA-Quotienten im Hinblick auf weitere Untersuchungen.

Um bei bereits gesichertem Prostatatumor den Verlauf der Behandlung und/oder die Tumorentwicklung besser einordnen zu können, wird der PSA-Wert in regelmäßigen Abständen gemessen (gleiches Testsystem, gleiche Testumgebung, gleiche Testvoraussetzungen) und aus den Werten die Anstiegsgeschwindigkeit berechnet. Die Berechnung der PSA-Anstiegsgeschwindigkeit lässt Rückschlüsse auf das Zellwachstum zu. Eine hohe PSA-Anstiegsgeschwindigkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms (Prostata-Ca). Berechnen kann man außerdem die Verdopplungsgeschwindigkeit, also die Zeit, in der sich der PSA-Wert verdoppeln wird. Die errechnete PSA-Verdopplungsgeschwindigkeit wird in der Verlaufskontrolle nach Prostataentfernung oder Bestrahlung angewendet.

Was bedeutet ein erhöhter PSA-Wert?

Erhältst du vom Arzt die Nachricht, dass dein PSA-Wert erhöht ist, ist das im ersten Moment oft ein Schock. Doch was steckt wirklich dahinter? Grundsätzlich ist das Prostata-spezifische Antigen ein Tumormarker, der im Blut gemessen wird. Ein Anstieg zeigt zunächst einmal nur an, dass in der Prostata „etwas passiert“.

Medizinisch gesehen ist die Einordnung recht eindeutig: Werte oberhalb der altersentsprechenden Grenzwerte gelten als pathologisch (krankhaft verändert) und sind dringend verdächtig auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms.

Um Klarheit zu schaffen und eine Krebserkrankung sicher auszuschließen oder frühzeitig zu behandeln, wird dem Patienten in der Regel eine Gewebeprobeentnahme aus der Prostata (Prostatabiopsie) empfohlen.

Bevor jedoch der Weg zur Biopsie angetreten wird, muss eine gründliche Interpretation der Ergebnisse erfolgen. Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet nämlich nicht zwangsläufig Krebs. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die den Wert in den „roten Bereich“ treiben können, ohne dass ein bösartiger Tumor vorliegt.

Diese Faktoren beeinflussen den PSA-Wert

Da alle Prostatazellen PSA produzieren, hängt der PSA-Wert maßgeblich von der Prostatagröße und der Prostatazellen-Anzahl ab. Darüber hinaus gibt es verschiedene Einflussfaktoren, die den Wert verändern können. Vor allem mechanische Reize, Erkrankungen, Entzündungen und Hormone beeinflussen den PSA-Wert zum Teil erheblich. Für eine korrekte medizinische Einschätzung ist es daher wichtig, diese äußeren Umstände beim Bluttest zu berücksichtigen.

1

Alter

2

Körperliche Aktivität

3

Mechanische Reizung/Irritationen der Prostata

4

Übergewicht

5

Rauchen und Alkoholkonsum

6

Stress

7

Medikamente

8

Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)

9

Entnahme von Prostatazellen

10

Erkrankungen und Infektionen

11

Prostatakarzinom

Kann Sport den PSA-Wert erhöhen?

Die Ergebnisse von Studien, die die Wirkung von Sport auf den PSA-Wert untersuchen, sind nicht eindeutig. Vor allem bei gesunden jungen Männern (bis 45 Jahre) wird ein Anstieg des PSA-Wertes durch körperliche Aktivität oft nicht bestätigt. Da in Studien mit älteren Männern jedoch immer wieder ein Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und einem erhöhten PSA-Wert in den darauffolgenden 24 bis 48 Stunden gezeigt werden kann, ist davon auszugehen, dass Sport grundsätzlich zu einer Erhöhung des PSA-Wertes führt. Es gibt Hinweise darauf, dass der PSA-Wert insbesondere bei Männern mit auch im Ruhezustand erhöhtem PSA (mindestens 4 ng/ml) steigt. Das trifft vermutlich auch auf Männer zu, die regelmäßig Sport treiben und beispielsweise alle zwei Tage joggen gehen.

Eine Studie aus dem Jahr 2011 untersuchte die Entwicklung der PSA-Konzentration bei Männern (Alter: 61 bis 66 Jahre, Prostatahyperplasie, t-PSA-Durchschnitt: 7,7 ng/ml) nach einer Stunde Fahrradfahren und/oder einer einstündigen Laufeinheit. Das Gesamt-PSA stieg nach dem Radfahren im Mittel um 1,9 ng/ml, nach dem Laufen um 1,0 ng/ml an. Den stärksten Anstieg nach dem Fahrradfahren zeigte das f-PSA. Zwischen Prostatagröße und PSA-Anstieg konnte kein Zusammenhang ermittelt werden. Nach dem Sport normalisierten sich die Blutwerte innerhalb von 24 bis 48 Stunden.

Beeinflusst jede Sportart den PSA-Wert?

Grundsätzlich geht man davon aus, dass fast jede intensive Sportart den PSA-Wert beeinflusst. Durch die allgemeine Durchblutungssteigerung beim Sport wird vermehrt PSA aus der Prostata ins Blut abgegeben. Untersucht wurden bisher vorrangig die Sportarten Laufen (Mitteldistanz, Marathon, Ultradistanzen, Laufband), Reiten und (Wasser-)Ski.

Besonders starke Einflussfaktoren treten beim Radfahren (Outdoor oder Ergometer) auf – hier fällt der Anstieg im Vergleich zu anderen Sportarten oft deutlich massiver aus.

Was sollte man vor dem PSA-Test vermeiden?

Die Bestimmung von Blutwerten sollte im Optimalfall bei jeder Untersuchung unter gleichen Bedingungen stattfinden, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Ereignisse wie intensives Training auf dem Fahrrad oder eine Untersuchung in Prostatanähe verfälschen unter Umständen das Testergebnis, weil sie den PSA-Wert erhöhen können. Besondere Vorkommnisse und Medikamente solltest du deshalb vorab immer dem behandelnden Arzt mitteilen.

Wie lange sollte man vor dem PSA-Test keinen Sport treiben?

Da ein erhöhter PSA-Wert nach dem Sport in den meisten Fällen bis zu 48 Stunden nach der Aktivität gemessen wird, solltest du vor einem PSA-Test mindestens zwei Tage lang keinen Sport treiben. Das gilt fürs Joggen ebenso wie fürs Radfahren und andere Sportarten wie Tennis, Fußball oder Badminton. Wie jede andere Blutuntersuchung unterliegt auch der PSA-Wert natürlichen Schwankungen. Das Ziel ist trotzdem, die Messung unter gleichen Bedingungen durchzuführen, um insbesondere bei Verlaufskontrollen eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Was kostet ein PSA-Test?

Die Messung des PSA-Wertes ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – auch nicht im Rahmen der Krebsfrüherkennung. Die Übernahme der Kosten für den Test durch die Krankenkasse erfolgt nur, wenn sich aus der Tastuntersuchung der Prostata aufgrund einer Vergrößerung oder einer tastbaren Verdickung im Prostatabereich der Verdacht auf eine bösartige Veränderung ergibt. Natürlich besteht die Möglichkeit, den PSA-Wert bei jeder Früherkennungsuntersuchung auf eigene Kosten checken zu lassen. Die Blutuntersuchung kostet üblicherweise zwischen 25 und 60 Euro und beinhaltet ein aufklärendes ärztliches Gespräch. Da sich die Richtlinien der Krankenkassen fortlaufend ändern, lohnt es sich in jedem Fall, eine Übernahme der Kosten für den PSA-Test zu erfragen.

Für die PSA-Wert-Messung zu Hause gibt es im Handel oder online Test-Kits zu kaufen. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse ist bei Urologen jedoch umstritten.

Häufige Fragen zu Sport und dem PSA-Wert

Fazit