Sport mit Hörgerät: Ausstattung, Pflege und opimaler Halt

Sport mit Hörgerät
Tipps zum Laufen mit Hörgerät

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.09.2026
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Sportler mit Hörgerät
Foto: Getty Images

Rund vier Millionen Deutsche tragen ein Hörgerät – darunter auch viele Läuferinnen und Läufer. Vor allem ab dem Alter zwischen 50 und 60 Jahren kann die Hörfähigkeit nachlassen.

Bist auch du betroffen? Dann findest du hier Tipps fürs Laufen mit Hörsystem – sogar fürs Marathontraining. Hier erfährst du, worauf du beim Tragen deines Hörgeräts während des Trainings achten solltest, damit nichts verrutscht. Wir haben einen Experten zur Ausstattung und Pflege des Hörgeräts für Läufer befragt und uns Tipps und Tricks aus erster Hand geholt.

Kann man mit einem Hörgerät Sport treiben?

Laufen mit Hörgerät ist heute unkomplizierter denn je, weil die Geräte hochtechnisch und, wenn man es möchte, zudem sehr klein und handlich sind. Läuferinnen und Läufer, die eine Höreinschränkung an sich bemerken, sollten sich beim Hals-Nasen-Ohrenarzt untersuchen lassen. Denn der Hörtest beim HNO-Arzt ist die Voraussetzung für ein Kassenrezept für das Hörgerät. Später wird das Hörgerät dann beim Hörakustiker perfekt angepasst. „Moderne Hörsysteme sind in der Regel so robust, smart und anpassungsfähig, dass sie die meisten sportlichen Aktivitäten gut mitmachen. Aus Sicherheitsgründen ist das Tragen eines Hörsystems sogar unerlässlich, weil es gewährleistet, dass Signal- oder Warntöne wahrgenommen werden“, sagt Eberhard Schmidt, Präsident der Bundesinnung der Hörakustiker (biha) und selbst Hörakustiker-Meister.

Welche Herausforderungen gibt es?

Beim Laufen im Regenwetter ist vor allem die Feuchtigkeit eine große Herausforderung für die Technik. Hinzu kommt noch der Schweiß, der dem Gerät ebenso zusetzen kann. „Vielen Sportarten gemein ist ein gewisses Maß an Anstrengung. Nachdem man geschwitzt hat, ist eine gewissenhafte Reinigung der hochtechnischen Systeme wichtig, um die Hörsysteme vor Feuchtigkeit zu schützen. Anschließend sollte man sie in eine speziell für Hörsysteme vorgesehene Trockenbox legen“, sagt der Experte Eberhard Schmidt. Auch bei den In-Ear-Geräten sind Pflege und Reinigung wichtig, denn sie bekommen ebenso Ohrschmalz, Schweiß oder Nässe ab.

Entscheidend sei weniger die Größe der Hörsysteme als vielmehr deren sicherer und zuverlässiger Sitz im oder am Ohr, so der Experte für Hörakustik. Optimaler Sitz und Halt sind die zweite große Herausforderung neben der Feuchtigkeit. Auch dazu hat unser Experte ein paar praktische Tipps: „Wenn man im Rahmen der Beratung und Anpassung beim Hörakustiker angibt, dass man die Hörsysteme auch beim Laufsport verwenden möchte, wird dieser auf die besonderen Anforderungen eingehen. Dabei können beispielsweise eine hohe Wasserdichtigkeit sowie ein sicherer und zuverlässiger Halt am Ohr von Bedeutung sein, damit die Hörsysteme auch während des Laufens nicht verrutschen oder aus dem Ohr fallen“, sagt Schmidt.

Eine dritte Herausforderung ist die Pace. Wer häufig Intervall- oder andere Tempoläufe macht, erreicht höhere Geschwindigkeiten und Intensitäten, was zum Verrutschen des Geräts führen kann. Dagegen könnte das Tragen eines Stirnbands, das die Ohren und das Gerät bedeckt und festigt, helfen. „Oder Otoplastiken, die beim Hörakustiker individuell angepasst werden. Das ist ein Ohrpassstück für den optimalen Halt. Hierfür wird der Gehörgang mit einer Silikonmasse abgeformt und auf Grundlage des Abdrucks eine passgenaue Otoplastik hergestellt. Diese bietet gegenüber Standardstöpseln einen deutlich besseren und zuverlässigeren Halt“, so der Experte. Besonders beim Triathlon macht sich die Geschwindigkeit bei der Rad-Disziplin bemerkbar. Hier könnten außerdem störende Hintergrundgeräusche ablenken. Eine Otoplastik ist dafür eine gute Lösung.

Welches Hörgerät eignet sich für sportlich Aktive?

Generell gibt es zwei Arten von Hörsystemen: In-Ear-Kopfhörer, die sehr klein und oft nicht oder kaum sichtbar sind, weil sie im Ohr getragen werden und Hörgeräte, die hinter dem Ohr getragen werden. „Die Größe der Hörsysteme spielt beim Laufsport nur eine untergeordnete Rolle. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Hörsystemen, die ausschließlich im Ohr sitzen, wir nennen sie In-dem-Ohr-Geräte, IdO, und Hörsystemen, die hinter dem Ohr getragen werden, Hinter-dem-Ohr-Geräte, HdO. Diese sind über eine Zuleitung mit dem Gehörgang verbunden“, informiert Schmidt über die zwei verschiedenen Systeme und deren Abkürzungen im Fachhandel.

Für den Sport empfiehlt der Experte aber nicht eines der beiden Geräte, sondern eine Schutzziffer: „Für den Laufsport wird nicht zwingend ein spezielles Outdoor-Sport-Hörgerät benötigt. Beim Kauf sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Geräte nach IP68 zertifiziert sind. Diese Schutzart bietet einen hohen Schutz gegen das Eindringen von Staub und Wasser. Die erste Ziffer 6 steht für vollständige Staubdichtheit, während die zweite Ziffer 8 den Schutz bei dauerhaftem Untertauchen in Wasser bezeichnet.“

Das bedeutet die IP68-Schutz-ZertifizierungIP steht für „Ingress Protection“, was den Schutz eines Geräts gegen das Eindringen von Staub und Wasser auszeichnet. 68 ist ein hohe Schutzziffer: 6 steht für den höchstmöglichen Schutzgrad gegen Staub und Fremdkörper. Die 8 steht für den Schutz gegen das Untertauchen ins Wasser unter festgelegten Prüfbedingungen. Die Wasserschutz-Skala geht bis 9 hoch.

Doch mit der Wasserdichtigkeit gibt es eine Einschränkung, die vor allem Triathleten betrifft: „Auch wenn diese Kennzeichnung eine hohe Wasserdichtheit suggeriert, sollten die Geräte nicht dauerhaft im Wasser bleiben. Vielmehr ist die Schutzart so zu verstehen, dass die Geräte auch bei einem versehentlichen Kontakt mit Wasser, beispielsweise wenn sie ins Wasser fallen, keinen Schaden nehmen sollten“, klärt der Hörexperte auf. Bei Wassersportarten sollte man laut Experten auf das Tragen von Hörsystemen verzichten. „Auch wenn nahezu alle Geräte einen Spritzwasserschutz haben, wäre ein Vollkontakt bei Aktivitäten im oder auf dem Wasser zu viel für die sensible Technik“, informiert Schmidt.

Tipps für Läufer mit Hörgerät

Läuferinnen und Läufer, die an sich einen Hörverlust bemerkt haben, aber noch nicht genau wissen, wie stark dieser ist und welches Gerät sie benötigen, sollten zuerst einen Termin beim HNO-Arzt zur Gehör-Untersuchung ausmachen.

Wer sein Gerät schon etwas länger besitzt, aber mit dem Halt nicht zufrieden ist, weil es beispielsweise bei den langen Läufen oder den Tempoläufen verrutscht, kann zuerst einmal testen, ob es mit einem Stirnband oder einem Multifunktionstuch besser hält. Wenn das auch nicht klappt, wäre ein Termin beim Hörakustiker ratsam, um eine Otoplastik zu erhalten. Diese sorgt für eine optimale Passform.

Generell kann man Läuferinnen und Läufern mit Hörgerät empfehlen, auf drei Dinge zu achten:

  1. Die Zertifizierung: IP68 Schutz
  2. Akkus für den Sport: Akkugeräte sind generell sinnvoll, da Nässe und Schweiß nicht über das Batteriefach eindringen können
  3. Individuelle Otoplastiken: Durch sie kann ein perfektes Zusammenspiel mit dem Ohr hergestellt werden.

Experten-Tipps zur optimalen Pflege

Es sei nicht zwingend erforderlich, sich als Hörsystemträger ausschließlich für den Sport zusätzliche Geräte anzuschaffen. Einige nutzten für diesen Zweck vorhandene ältere Hörsysteme, sofern diese noch vorhanden und funktionsfähig seien, um ihre neuen Geräte zu schonen, berichtet Schmidt. Wichtig sei die sorgfältige Pflege der Hörsysteme. Dazu rät er: „Die Geräte sollten am besten täglich mit einem trockenen, weichen und fusselfreien Tuch abgewischt werden. Die Mikrofonöffnung, über die der Schall aufgenommen wird, sollte regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf vorsichtig mit einer kleinen Reinigungsbürste (im Lieferumfang enthalten) gereinigt werden.“

Zur Aufbewahrung und Trocknung gibt der Experte folgende Tipps: „Sogenannte Trockenboxen helfen dabei, die Hörgeräte von Feuchtigkeit zu befreien. Einfache Trockenboxen arbeiten mit speziellen Kapseln, die die Feuchtigkeit aufnehmen. Sind diese verbraucht, zeigt eine Verfärbung der Kapsel an, dass sie ausgetauscht werden muss. Es gibt auch elektrisch betriebene Trockenboxen, bei denen keine Kapseln benötigt werden. Darüber hinaus sind Trockenboxen erhältlich, die zusätzlich mit UV-Licht arbeiten. Dieses Licht kann Viren und Bakterien inaktivieren. Ob ein Hörsystem für eine Behandlung mit UV-Licht geeignet ist, gibt der jeweilige Hersteller vor.“ Die Trocknung der Geräte sollte am besten über Nacht erfolgen, da dieser Vorgang ausreichend Zeit benötigt.

Bei der Pflege von Otoplastiken sollte man dies beachten: „Individuell angefertigte Otoplastiken können je nach Bauform vom eigentlichen Hörsystem getrennt werden. Sie können anschließend mit Wasser und einer geeigneten Reinigungslösung gereinigt werden. Danach sollten die Otoplastiken sorgfältig abgetrocknet und wieder mit dem Hörgerät verbunden werden. Das hierfür benötigte Zubehör ist beim Hörakustiker erhältlich.“

4 wichtige Fragen zum Sport mit Hörgerät

Welche Sportarten sind besonders geeignet?

Besonders geeignet für Hörgeräteträger sind Sportarten, die dem Hörsystem nicht allzu sehr zusetzen – dazu zählen Laufen, Walking, Nordic Walking und Wandern. Aber auch Trailrunning eignet sich. Einige hörgeschädigte Läuferinnen und Läufer fühlen sich in der Natur sicherer, weil sie dort angenehmere und oft viel leisere Hintergrundgeräusche haben als in der Stadt bei Maschinen, Bussen, Straßenbahnen und Autoverkehr.

Wann sollte das Hörgerät besser abgenommen werden?

Bei den Ausdauersportarten gibt es allerdings auch zwei Disziplinen, die sich schwieriger mit einem Hörsystem kombinieren lassen: Rennradfahren und Schwimmen. Beim Radfahren in hohen Geschwindigkeiten können starke Umgebungsgeräusche und Windgeräusche entstehen. Hierbei könnte eine Otoplastik helfen – auch weil Stirnbänder durch den Radhelm leichter verrutschen.

Beim leistungsbetonten Schwimmen, wie zum Beispiel beim Kraulschwimmen im Triathlon, bleibt der Kopf einen Großteil der Zeit unter Wasser: Das ist ein No-Go für Hörgeräte. In diesem Fall muss die Athletin das Hörgerät für die Zeit des Schwimmens herausnehmen.

Fazit