Als Läufer den Oberkörper trainieren: sinnvoll oder unnötig?

Vorteile von Rumpfstabilität und Armkraft
Sollte man als Läufer den Oberkörper trainieren?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.11.2025
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Oberkörpertraining für Läufer: Liegestütz auf der Laufstrecke
Foto: Getty Images

Wer schon einmal mit einem vollen Rucksack gelaufen ist, weiß, wie anstrengend sich die zusätzlichen Kilos anfühlen. Mit dem Körpergewicht halten es viele Läuferinnen und Läufer genauso: Bloß kein Gramm zu viel ansetzen, das dann mühsam über die Strecke geschleppt werden muss. Das betrifft Fett wie Muskeln – beim Krafttraining liegt der Fokus auf den Beinen, der Oberkörper bleibt häufig außen vor. Was dabei vergessen wird: Der Rumpf erfüllt beim Laufen wichtige Funktionen und sorgt für eine gesunde Haltung. Es sprechen viele weitere Pluspunkte für einen starken Rumpf, daher solltest du das gezielte Training des Oberkörpers auf jeden Fall in deine Trainingsroutine integrieren.

Vorteile des Oberkörpertrainings für Läufer

Kräftigst du nicht nur die Beine, sondern auch Schultern, Arme, Rücken, Brust und Bauch, wirkt sich das positiv auf deine Laufleistung aus. Deine Technik und Kraftübertragung verbessern sich, du ermüdest langsamer und beugst Verletzungen vor. Wichtige Vorteile, die wir im Folgenden genauer beleuchten:

Bessere Laufökonomie

Eine bessere Laufökonomie bedeutet, dass du weniger Energie bei gleicher Geschwindigkeit verbrauchst. Eine gut trainierte Rumpfmuskulatur minimiert beim Laufen Rotations- und Seitbewegungen, die Energie kosten, ohne Vortrieb zu erzeugen. Ist die Körpermitte schwach, musst du bei jedem Schritt viel mehr unnötige Ausgleichsarbeit leisten und ermüdest schneller.

Dynamischer Armeinsatz

Bei Sprintern kannst du gut sehen, wie sehr sie den Armschwung in Vortrieb umsetzen. Stärkst du die Arme und die Schultern, aus denen die Bewegung der Arme kommt, profitierst du beim langsameren Laufen ebenfalls davon – wenn auch in geringerem Ausmaß. Da ein effizienter Armschwung als Gegengewicht zur Beinbewegung fungiert, wirst du bei jedem Schritt im Oberkörper ruhiger und sparst Energie.

Aufrechte Haltung

Vor allem bei langen Läufen führt eine schwache Oberkörpermuskulatur dazu, dass du nach vorn kippst – und dich damit selbst ausbremst. Die schlechte Körperhaltung führt zu Ausgleichsbewegungen, die wiederum Kraft kosten. Ein starker Core verhindert bzw. verzögert das. Du kannst länger aufrecht und damit ökonomisch laufen.

Mehr Körperspannung

An Anstiegen, bei Intervallen oder Sprints brauchst du kurzfristig viel Power und Stabilität. Ist die Spannung im Oberkörper zu gering, leidet die Laufkraft der Beine. Sie hängen quasi an einem schlaffen Rumpf und werden im Antritt gebremst. Auch das Gleichgewicht leidet unter mangelnder Körperspannung, was du dann beim Bergablaufen unangenehm merkst.

Effizientere Kraftübertragung

Der Rumpf ist das biomechanische Bindeglied zwischen deinen Beinen und dem Oberkörper. Nur wenn er stabil und kräftig ist, kannst du die Laufkräfte gleichmäßig übertragen und abfedern. Dadurch vermeidest du asymmetrische Belastungen und ungünstige Gelenkwinkel, die langfristig zu Überlastungen führen können. Core-Training ist aktive Verletzungsprävention!

Funktionelle Vorteile

Durch ein Oberkörpertraining verbesserst du auch deine Atemkraft, unterstützt Propriozeption und Muskelbalance und steigerst die neuromuskuläre Kontrolle des gesamten Körpers. So wird das Laufen insgesamt effizienter, aber auch im Alltag kommen dir diese Vorteile zugute. Sitzt du etwa im Job viel, kann ein Work-out für Ausgleich sorgen.

Diese Oberkörpermuskeln sind beim Laufen wichtig

Bei jedem Laufschritt arbeiten die Muskeln im Oberkörper mit. Das passiert buchstäblich beiläufig. Wenn du dich einmal bewusst darauf konzentrierst, wirst du folgende Muskelgruppen als Hauptbeteiligte wahrnehmen:

  • Tiefe Rumpfmuskulatur – stabilisiert Wirbelsäule und Becken, verhindert unnötige Dreh- und Kippbewegungen und sorgt für eine ruhige Lauftechnik.
  • Vordere und seitliche Bauchmuskeln – halten den Oberkörper aufrecht, kontrollieren die Rotation und unterstützen eine stabile Körperlinie.
  • Rückenstrecker sorgen für die Aufrichtung des Rumpfes und ermöglichen eine effiziente Kraftübertragung zwischen Beinen und Oberkörper.
  • Flanken- und Beckenstabilisatoren – kontrollieren die Beckenhöhe und reduzieren ein seitliches Wegkippen beim Laufen.
  • Schultergürtel und oberer Rücken – steuern den Armschwung, stabilisieren die Schulterblätter und unterstützen eine ökonomische Haltung.
  • Schultermuskeln – halten das Schultergelenk stabil und ermöglichen einen kontrollierten, rhythmischen Armschwung.
  • Atemmuskulatur – sorgt für effiziente Atmung, verbessert die Sauerstoffversorgung und verzögert Atemermüdung bei längeren Belastungen.

Die Top-Oberkörperübungen für Läufer

Es gibt zahlreiche Übungen für Brust, Rücken, Bauch, Arme und Schultern. Du kannst die Muskeln isoliert trainieren oder mehrere Muskelgruppen gleichzeitig bearbeiten. Unsere Auswahl beinhaltet vor allem komplexe, funktionelle Grundübungen, die neben der Kraft auch die Koordination, Balance, Stabilität und Ausdauer fördern. Isolierte Übungen eignen sich gut, um gezielt Schwachstellen auszugleichen, und sollten individuell ergänzt werden.

1

Liegestütze

2

Planke

3

Klimmzüge oder vorgebeugtes Rudern

4

Schulterdrücken

5

Holzhacker

6

Superman

So baust du dein Oberkörpertraining clever ins Lauftraining ein

Ein Work-out für Oberkörper und Rumpfstabilität kannst du als separates Training durchführen oder die Übungen in dein übliches Kraftprogramm einbauen. Grundsätzlich ist es sinnvoll, den Fokus auf kurze, effiziente und regelmäßige Einheiten zu legen, als einmal pro Woche lange zu trainieren. Mische gerne verschiedene Formen, etwa Übungen mit Hanteln, Bändern und dem eigenen Körpergewicht. Da die Beine ausgespart werden, lassen sich Oberkörper-Work-outs auch an Lauftagen durchführen. Beachte folgende Empfehlungen, wenn du dir einen Trainingsplan bastelst:

  • Trainiere ca. zweimal pro Woche für 20 bis 40 Minuten den Oberkörper.
  • Lege den Schwerpunkt auf funktionelle Übungen mit moderatem Gewicht.
  • Verzichte vor und nach harten Laufeinheiten und eventuell auch am Tag danach auf ergänzendes Krafttraining.
  • Erarbeite dir zuerst eine saubere Technik bei den Grundübungen, bevor du schwierigere Variationen ausführst.
  • Wärme dich vor dem Work-out für mindestens 5 Minuten auf.

Und so kann das Ganze aussehen, wenn du ein leistungssteigerndes Lauftraining, zwei Oberkörper- und ein Beintraining kombinieren möchtest:

Oberkörpertraining für Läufer: Mythen und Fehler

Um das Oberkörpertraining ranken sich in Läuferkreisen so einige Legenden – etwa, dass dadurch zu viel die Laufleistung beeinträchtigende Masse entsteht. Manche meinen es „oben rum“ tatsächlich zu gut, was aber aus anderen Gründen als dem Gewichtsargument nachteilig ist. Das sind die häufigsten Mythen und Fehler:

Starke Oberkörpermuskeln machen schwerer und langsamer

Wenn du nicht gerade wie Arnold Schwarzenegger trainierst, hält sich der Muskelzuwachs in engen Grenzen. Mit funktionellen Übungen baust du weniger Masse als vielmehr eine stabilere Muskulatur auf. Problematisch sind höchstens isolierte Übungen mit sehr hohem Gewicht plus Kalorienüberschuss.

Nur die Beine sind beim Laufen wichtig, der Oberkörper nicht

Der Rumpf verbindet Ober- und Unterkörper und ist entscheidend für die Kraftübertragung, Gleichgewicht und Atemsteuerung. Vernachlässigst du Rücken, Brust, Schultern, Arme und Bauch, leiden Technik, Armschwung und Laufökonomie.

Die Beine sind schon genug belastet, ich trainiere nur den Oberkörper

Eine alleinige Konzentration auf die Oberkörperkraft kann zu muskulären Dysbalancen und einer schlechten Lauftechnik führen. Ein ausgewogenes Training von Ober- und Unterkörper ist wichtig, um ein korrektes, koordiniertes Zusammenspiel von Ober- und Unterkörper zu gewährleisten – einschließlich des Einsatzes der Arme zum Ausgleich der Beinbewegungen.

Bauchmuskelübungen reichen für einen starken Core

Das isolierte Training der Bauchmuskulatur, etwa durch Sit-ups, vernachlässigt die Tiefenstabilisatoren, den Rücken und die funktionelle Rotation. Besser sind Planks, der Seitstütz und Rotationsübungen wie der Holzhacker.

Konzentration auf Isolationsübungen

Auch andere isolierte Übungen wie Bizeps-Curls sind eher fürs Bodybuilding geeignet als fürs Laufen. Du bekommst dadurch zwar schön definierte Oberarme, aber zu einer besseren Laufleistung trägt das nicht bei. Muskelgruppen und -ketten zu trainieren, bringt dich funktional voran.

Einseitiges Training

Wenn du nur Drück- oder Zugübungen ausführst, kann das zu muskulären Dysbalancen und Schulterproblemen führen. Wechsle deshalb beispielsweise zwischen Bankdrücken und Klimmzügen ab, sodass eine gute Balance entsteht. Auch Dehnen, Mobilität und Beweglichkeit solltest du in deine Fitnessroutine aufnehmen, um eine einseitige Ausrichtung auf Kraft zu vermeiden.

Schlechte Technik und zu hohes Gewicht

Vor allem beim Training mit Gewichten muss die Technik stimmen, sonst sind die Übungen nutzlos und die Verletzungsgefahr steigt. Mache zunächst lieber mehr Wiederholungen mit weniger Last als wenige mit hoher, die du nicht mehr sauber ausführen kannst. Die progressive Steigerung sollte ebenfalls im Rahmen bleiben.

Falsches Timing

Intensive Oberkörper-Work-outs unmittelbar vor einem Intervalltraining, Tempodauerläufen oder langen Riemen reduzieren die Leistungsfähigkeit beim Laufen. Absolviere schwere Krafteinheiten am besten als separates Training an einem lauffreien Tag. Vor harten Läufen solltest du bestenfalls leichte Mobilitäts- und Stabiübungen durchführen.

FAQ zum Oberkörpertraining für Läufer

Fazit